Ratgeber

Entspannungstankstelle Nichtstun Stresspuffer vor und nach Feierabend

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Nehmen Sie sich auch tagsüber kurze Auszeiten, um Ihren Akku aufzuladen und Kraft für anstehende Aufgaben zu sammeln.

(Foto: imago/Westend61)

Nichtstun beflügelt die Gedanken und schafft Raum für Inspiration und Kreativität. Doch vielen Menschen fällt es schwer, nur dazusitzen und zu entspannen. Wie man es schaffen kann, mit gelegentlichem Müßiggang den Kopf frei zu bekommen und Kraft zu schöpfen, zeigen folgende Tipps.

Dauerstress, Selbstoptimierung, ständige Erreichbarkeit - wir fühlen uns getrieben, ob im Beruf oder privat. Selbst in der Freizeit fällt es vielen Menschen schwer, zur Ruhe zu kommen. Wenn wir nichts tun, meldet sich das schlechte Gewissen. "Müßiggang ist aller Laster Anfang", pflegt mancher immer noch zu sagen - und meint es auch so.

Nichtstun wird mit Zeitverschwendung oder unproduktivem Faulenzen assoziiert. Sollte das Wochenende nicht lieber genutzt werden, um die liegen gebliebene Steuererklärung fertigzumachen, den Vorgarten in Ordnung zu bringen oder die Oma zu besuchen? Oder wenigstens ein bisschen Sport zu treiben?

Begreifen wir aber das Nichtstun nicht als geradezu obszöne Faulenzerei, sondern als Gegenpol zum beruflichen und privaten Stress, können wir den Müßiggang gezielt zur Erholung nutzen.

Warum und wie Sie Nichtstun als "Entspannungstankstelle" gewinnbringend einsetzen können, zeigen Ihnen die folgenden Impulse. Denn: "Faulenzen" nach Feierabend macht Sie fit für den nächsten Arbeitstag und seine Herausforderungen.

Durch Nichtstun mehr erreichen

Nichtstun ist gesund - es sorgt für eine entspannte Nackenmuskulatur, einen gesenkten Blutdruck, ein gestärktes Immunsystem und steigert das persönliche Glücksempfinden. Aber Müßiggang kann viel mehr: "Von der Leine gelassene" Gedanken und genussvolles, ungehindertes Assoziieren können zu kreativen Problemlösungen und innovativen Ideen führen. Nichtstun schafft Raum für Perspektivenwechsel und neue Denkansätze und ermöglicht dem Gehirn, sich zu sortieren und Wichtiges von Unwesentlichem zu trennen.

Nichtstun bedeutet nicht, sich zu langweilen

Viele Menschen fürchten das Nichtstun, weil sie es unzutreffend mit unproduktiver und sogar nervtötender Langeweile gleichsetzen. Zwar bedeutet Müßiggang, die Seele baumeln zu lassen und in Gedanken zu schwelgen, das heißt aber nicht notwendigerweise, regungslos auf dem Sofa zu verharren, an die Zimmerdecke zu starren und diesen Zustand eine Zeit lang irgendwie auszuhalten. Es bedeutet auch nicht, völlig erschöpft im Sessel zu hängen und immer wieder einzunicken. Vielmehr sollten Sie für entspannendes Nichtstun ausgeruht sein, damit Sie tatsächlich in Ruhe Ihren Gedanken nachhängen, Ihre Umgebung beobachten oder ein bisschen rumspinnen - tagträumen - können. Wenn es Sie nicht auf dem Sofa hält, können Sie auch beim Spazierengehen die Muße genießen und für Entspannung und Ausgeglichenheit sorgen. Unser Geist (und unser Körper) empfindet leichte, nicht leistungsorientierte, kompetitive sportliche Aktivität auch als Müßiggang mit allen positiven Effekten für das seelische Wohlbefinden.

Bewusste Entscheidung für Nichtstun in der Freizeit

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Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale Interaktion an der Hochschule Mainz.

Den meisten Menschen gelingt es nicht, einfach nichts zu tun. Sofort meldet sich das schlechte Gewissen oder eine innere Unruhe macht sich breit. Erlauben Sie sich bewussten Müßiggang und seien Sie nicht ungeduldig mit sich, wenn es nicht gleich klappt mit der Entspannung. Schließlich erfordert es einen gewissen Mut, die eigene Aufmerksamkeit von äußeren Gegebenheiten abzuwenden, nach innen zu richten und sich ausschließlich mit sich selbst und seinen Gedanken zu beschäftigen. Und es will gelernt sein, der alltäglichen Betriebsamkeit auf diese Weise zu entfliehen. Allzu leicht greifen wir nach dem Smartphone oder suchen eine andere Ablenkung, um drohender Langeweile aus dem Weg zu gehen.

Wichtig ist, dass Sie sich bewusst für eine solche Auszeit entscheiden. Legen Sie Ihre "Faulenzerzeit" beispielsweise auf das Wochenende, denn Müßiggang muss sich keinesfalls unmittelbar mit stressiger Anspannung abwechseln, sondern kann seine positiven Wirkungen jederzeit entfalten.

Die Muße nach Feierabend genießen

Psychologen empfehlen, sich in der Freizeit komplett von der Arbeit zu lösen, denn die Vermischung von Beruflichem und Privaten führt dazu, dass sich Arbeitnehmer schlechter erholen können und sie deshalb weniger produktiv und kreativ sind. Doch ganz so einfach scheint diese Erkenntnis gar nicht umzusetzen zu sein: Viele Menschen wälzen gedanklich noch nach Dienstschluss die Probleme, die sich auf ihrem Büroschreibtisch stapeln, und finden angesichts offener Fragen nicht die innere Ruhe, um sich auf Müßiggang und vermeintlich unproduktives Nichtstun einzulassen. Deshalb kann es hilfreich sein, erholsame Mußestunden zu planen - vor allem angesichts dauerhaft intensiver Arbeitsbelastung und zahlreicher Jobverpflichtungen -, das ist kein Widerspruch. Zu einer solchen Planung gehört auch, sich dem Nichtstun, wenn es so weit ist, guten Gewissens hingeben zu können - der Genuss fördert hier die Wirkung.

Arbeitsalltag regelmäßig mit Pausen für Müßiggang unterbrechen

Sie müssen mit Ihrem Besuch bei der Entspannungstankstelle nicht bis zum Feierabend warten: Nehmen Sie sich auch tagsüber kurze Auszeiten, um Ihren Akku aufzuladen und Kraft für anstehende Aufgaben zu sammeln! Während solcher Pausen ist es ratsam, sich nicht nur völlig anderen Dingen zu widmen, sondern besser gar nichts zu tun. Entspannendes Nichtstun bedeutet auch, die eigenen Gedanken einfach treiben zu lassen. Verlassen Sie kurz das Büro und gehen Sie ein paar Minuten ohne Ziel spazieren, sehen Sie aus dem Fenster und lassen Sie Blick und Gedanken schweifen.

Geeignete Voraussetzungen fürs Abschalten schaffen

Jemand, der seinen Arbeitsplatz zwar verlassen hat, aber gedanklich noch an dienstliche Verpflichtungen gefesselt ist, wird keine Muße zum absichtsfreien Sinnieren finden. Schieben Sie den Stress des Arbeitsalltags beiseite, um die für eine entspannte Erholung notwendigen Bedingungen herzustellen. Machen Sie sich kleine Routinen zunutze, schütteln Sie beispielsweise das Tagesgeschäft beim Verlassen des Büros buchstäblich ab oder vollführen Sie eine sich täglich wiederholende "letzte" Tätigkeit am Arbeitsplatz, wie das Abwaschen der Kaffeetasse oder das Anlegen einer To-do-Liste für den kommenden Tag. Das hat einerseits einen ganz praktischen Nutzen und andererseits signalisieren Sie sich auf diese Weise auch mental das Ende des Arbeitstags, sodass Sie leichter abschalten können.

Auch kurze Auszeiten während der Arbeitszeit brauchen einen passenden Rahmen: Was hilft es, die Hektik des Alltags mit schweifenden Gedanken zu unterbrechen, wenn Sie dabei fortwährend gestört werden? Es erfordert ein äußerlich ruhiges Umfeld, wenn Sie Müßiggang als Entspannungstankstelle nutzen wollen. Deshalb sollten Sie in den Minuten des Nichtstuns nicht erreichbar sein und sich an einen Ort mit geeigneter Atmosphäre zurückziehen, an dem potenzielle Ablenkungen auf ein Minimum reduziert sind - auch dies spricht für ein kurzes Spazieren an der frischen Luft. Hilfreich ist es auch, Ihre Kollegen zu informieren, dass Sie in den nächsten Minuten unter keinen Umständen gestört werden wollen.

Zwar lassen sich die eigenen Gedanken nicht per Fingerschnipp ruhigstellen, aber mit ein wenig Übung und geeigneten Methoden wird es Ihnen nach und nach leichterfallen. Und wenn Sie sich regelmäßig eine Verschnaufpause vom geschäftigen Tun gönnen und bewusst nichts tun, wird es Ihnen zunehmend besser gelingen, Ihren Gedanken ein bisschen Freigang zu gönnen und damit Körper und Seele einen kreativen Energieschub zu geben.

Quelle: n-tv.de

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