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Tenhagens Tipps Wo gibt es überhaupt noch Zinsen?

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(Foto: imago/McPHOTO)

Das  Instituts der deutschen Wirtschaft hat gerade prognostiziert, dass die Zinsen auf Jahrzehnte im Keller bleiben. Keine schönen Aussichten für Sparer also. Wo auf Tages- oder Festgeldkonto dennoch etwas zu holen ist, verrät "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.    

n-tv.de: Was halten Sie denn von der IW-Studie?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Aussagen wundern mich jetzt nicht. Auch wenn ich nicht nur den demografischen Wandel als Hauptgrund sehe. Unabhängig davon gehe ich davon aus, dass die Europäische Zentralbank und auch alle anderen relevanten Notenbanken sich den jeweiligen Schuldenberg anschauen und feststellen, dass niedrige Zinsen der einfachere Weg sind, um mit der Staatsverschuldungen umzugehen, als beispielsweise durch Steuererhöhungen die Altlasten abzubauen.

Auch daran, dass jetzt auf breiter Front - also in Europa, den USA, China und Japan - die Notenpresse derart angeworfen wird, dass sich die Staatsschulden via Inflation in Luft auflösen, glaube ich nicht. Zumal das ja im Euroraum durch die Staatengemeinschaft ohnehin für einzelne Länder nicht machbar ist. Und ob das irgendein kleines oder zumindest ökonomisch unbedeutendes Land in Mittelamerika so macht, ist hier nicht relevant.

Also bleiben die Zinsen noch für Jahrzehnte im Keller?

Wer hatte denn vor 10 oder 15 Jahren Google oder Facebook auf dem Plan? Oder Trump? Will sagen: Was wissen wir denn, was bis dahin alles noch passiert? Die Wahrscheinlichkeit, dass so eine Niedrigzinspolitik auch noch über Jahre läuft, ist zumindest ziemlich hoch. Zu glauben, dass man genau weiß, was in 10 Jahren ist, daran glaube ich aber nicht.

Okay, zurück ins Hier und Jetzt. Wie lange würden Sie sich denn heute mit einer Anlage in Festgeld binden?

Länger als 3 Jahre würde ich mich jetzt nicht festlegen wollen.

Und wo bekommen Sparer für diesen Zeitraum den aktuell besten Zins fürs Festgeld?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Die (CA) Consumer Finance, Teil der französischen Großbank Crédit Agricole, bietet 1,21 Prozent Zinsen pro Jahr - für 36 Monate. Das ist das Angebot, welches wir im Moment empfehlen. Für 24 Monate gibt es bei der CA immer noch 1,11 Prozent. Wir sind ja bei "Finanztip" mit unseren Empfehlungen sehr konservativ. Erstens muss die Bank eine gute Bonität vorzuweisen haben, aber auch die Einlagensicherung in dem Land, wo die Bank beheimatet ist, muss tragfähig sein. Beispielsweise würden wir derzeit keine italienische Bank empfehlen, selbst wenn die Bank eigentlich als sicher bewertet werden könnte. Unabhängig von Italien gilt das auch umgekehrt. Keine in unseren Augen solide Bank, dafür ein sicheres Land – das bedeutet: keine "Finanztip"-Empfehlung.

Demnach sind auch Finanzvermittler, die mit höheren Zinsen im Ausland locken, für Sie kein Thema?

Wir halten Zinspilot und Weltsparen an sich für eine prima Idee. Nur überzeugen uns die Banken, die hier zurzeit vermittelt werden, nicht. Die Ausnahme ist das Angebot von Zinspilot für die britische Bank Close Brothers. Ungeachtet etwaiger Brexit-Probleme gehen wir davon aus, dass das Geld der Anleger sowohl was das Geldinstitut an sich als auch den britischen Einlagensicherungsfonds angeht, hier sicher ist. Hier gibt es bei 2 Jahren Laufzeit 1 Prozent Zinsen pro Jahr.

Wo gibt es beim Tagesgeld am meisten zu holen?

Für 4 Monate liegt die ING mit 1 Prozent vorn. Das Angebot gilt aber nur für Neukunden. Für alle Kunden bietet CosmosDirect 0,4 Prozent. 0,3 sind es bei der Rabodirect (für 4 Monate 0,36 Prozent zusätzlich ) und bei Moneyou. Letztere ist eine Tochter der niederländischen Großbank ABN Amro und Erstere eine Tochter der niederländischen Volksbanken. Dauerhaft gute Zinsen für das Tagesgeld gab es in der Vergangenheit bei eben jenen niederländischen Banken, CosmosDirekt und der Leaseplan Bank.

Noch was?

Ja, Tagesgeld ist nur etwas für zwei bis drei Monatseinkommen. Wer darüber hinaus keine Pläne für sein Geld in naher Zukunft hat, sollte dann eher über Festgeld und auch den Aktienmarkt - bei einer Anlagedauer von 15 Jahren - nachdenken. Wer jetzt beispielsweise im MSCI World investiert, zahlt in etwa 15 Prozent weniger, als noch im Sommer für solch eine Anlage hingelegt werden musste.

Abgesehen davon können diejenigen, die einen Immobilienkredit abbezahlen müssen, über Sondertilgungen nachdenken. Schuldenabbau ist immer die beste Geldanlage. Und natürlich mindestens in den Weihnachtswochen auch Wohltätigkeit. Wieso nicht zum Beispiel einfach mal einem Obdachlosen in der Kälte eine Tageskarte für die warme S- oder U-Bahn spendieren? Wer viel Geld auf dem Tagesgeldkonto hortet, hat sicherlich ein paar Euro übrig, um armen Menschen zumindest für den Moment etwas Lebensqualität zu schenken.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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