Fußball

Haaland vermisst Sancho Borussia Dortmunds Weltstar ist zurück

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Mo Dahouds Schnurrbart fand Erling Haaland nicht übel.

(Foto: picture alliance / Guido Kirchner)

Er ist einer der begehrtesten Spieler weltweit. Noch läuft er für Borussia Dortmund auf. Die Transfer-Saga wird bis zum Ende der Transferperiode unterhalten. Aber jetzt erstmal ist er zurück an der Adi-Preissler-Allee. Erling Haaland ist Borussias Weltstar.

Den Sommer über bespielte Erling Haaland seinen Instagram-Account so wie sonst die Abwehrreihen in der Fußball-Bundesliga. Mal war er Flamingo und mal war er Kuh-Wirt. Der Norweger weiß, wie er seine Fans unterhalten kann. Als er dann zurück bei Borussia Dortmund war, klebte er sich schnell einen Schnurrbart an. Er war da wohl schon auf seinen BVB-Teamkollegen Mahmoud Dahoud getroffen. Der hatte damit am Anfang dieser langen, langen Pandemiezeit für modische Akzente gesorgt und auch von den fehlenden Zuschauern auf den Rängen des Westfalenstadions abgelenkt. Bald kehren sie zurück. Und Erling Haaland ist immer noch da.

Sehr zur Freude der Fans, die zumindest für eine Saison erleben wollen, was passiert, wenn der Norweger den Ball mal wieder in den Winkel wuchtet oder beim Torjubel einen seiner Mitspieler erdrückt. Alles, was der bald 21-Jährige macht, hat diese unbändige Gewalt, diese Kraft, die ein ganzes Stadion tragen kann, so wie damals bei einem der wenigen Spiele in einem ausverkauften Westfalenstadion. Von Gio Reyna in Szene gesetzt, schloss er fulminant aus 18 Metern ab. Der Ball flog an Keylor Navas im Tor von Paris Saint-Germain vorbei und knallte an die hintere Toraufhängung, so laut, dass das ganze Stadion vibrierte (schauen Sie hier noch einmal rein). In der Erinnerung. Es war Dortmund letzter großer Knall vor der Pandemie.

Die Pandemie kommt, Haaland bleibt gleich

Dann veränderte sich alles. Die Spiele wanderten hinter verschlossene Türen, gegen Paris schied der BVB im Rückspiel der Champions League sang- und klanglos aus, irgendwann musste der Schweizer Trainer Lucien Favre, ein netter Mensch, dem Mut- und Ambitionslosigkeit vorgeworfen wurde, gehen. In all der Veränderung blieb einer gleich: Erling Haaland. Der machte einfach weiter. Ein Mentalitätsmonster, er schoss Tore, ärgerte sich wie kein anderer, wollte immer mehr. Als die Dortmunder im März und April den Anschluss an die Champions-League-Ränge verloren, kokettierte sein notorischer Berater Mino Raiola mit einem Wechsel. Er tourte durch Spanien, klopfte erst bei Barcelona und dann Real an die Tür. Die Fotografen waren informiert. Es war ein Signal: Champions League oder Wechsel!

Klappte dann mit der Champions League. Nicht nur wegen Haaland. Denn der saß am 32. Spieltag beim wohl entscheidenden 3:2-Erfolg gegen Rasenballsport Leipzig verletzt auf der Tribüne und war außer sich vor Freude: Jadon Sanchos Siegtreffer in der 87. Minute führte zu wahren Begeisterungsstürmen, Sky spielte seinen Jubel immer und immer wieder als Splitscreen ein. So emotional, so wuchtig war der. Später rannte er auf den Platz. Er umarmte seinen Mitspieler. Ein paar Tage teilten sie sich die Tore zum 4:1-Erfolg im Pokalfinale, wiederum gegen Leipzig, brüderlich. Zweimal Haaland, zweimal Sancho. Dortmunds erster Titel seit 2017, mit Trainer Edin Terzic. Dem war in seinen sechs Monaten an der Seitenlinie etwas gelungen, was seinen zahlreichen Vorgänger nicht gelingen wollte: Er hatte Borussias Trainerübervater Jürgen Klopp vergessen gemacht. Mit seiner Art, mit seiner märchengleichen Geschichte vom Aufstieg des Jungen von der Südtribüne zu einem, der es unten auf den Platz schafft.

Der größte Star der Liga

Alles vorbei jetzt. Dahouds Schnurrbart ist schon lange Geschichte, Edin Terzic ist nun technischer Direktor und Jadon Sancho nicht mehr Spieler des BVB. Also bald, wenn sein 85-Millionen-Euro-Wechsel zu Manchester United über die Bühne gegangen ist. Erling Haaland ist noch da. Trotz der unzähligen Transfergerüchte, der Fantasiesummen, die Vereine wie Chelsea angeblich auf den Tisch legen wollen, wenn sie, wie der englische Boulevard so gerne berichtet, mal wieder ein Angebot vorbereiten. Da ist dann von 175 Millionen Euro die Rede, was, wenn man das Gehalt über fünf Jahre, die Beraterkosten addiert ein Gesamtvolumen von sicher über 300 Millionen Euro ausmacht. Wenig realistisch. Wahrscheinlich. Haaland ist also die Konstante beim BVB und nebenbei der wahrscheinlich größte Star der Liga, trotz Robert Lewandowski und trotz Thomas Müller. Er verkörpert die Zukunft des Fußballs wie kaum ein anderer weltweit.

Deswegen ist es wenig verwunderlich, dass seine ersten öffentlichen Äußerungen zur neuen Saison aus fernen Kanälen nach Deutschland gespielt werden. Sie drehen sich, wie sollte man es anders erwarten, um Jadon Sancho. "Jadon und ich haben uns sehr gut verstanden. Er ist ein Topspieler. Natürlich ist es traurig, dass er geht. Aber das ist Fußball", sagt Haaland also und zwar nicht irgendwem, sondern dem malaysischen Youtube-Kanal "Stadium Astro". Obwohl ihm mit dem englischen Nationalspieler ein Freund und ein kongenialer Partner auf dem Platz abhandengekommen ist, geht er voller Optimismus in die neue Spielzeit: "Wir haben viele andere Spieler, mit denen ich mich gut verstehe. Das wird noch besser werden."

Einer dieser neuen Spieler könnte Youssoufa Moukoko sein, der nach seiner Syndesmoseverletzung demnächst wieder ins Training einsteigen soll und aktuell die Lokalpresse in Dortmund mit seinen Fahrstunden in Atem hält. "So wie ich es nach der ersten Fahrstunde einschätzen kann, scheint Moukoko meine besten Fahrschüler noch ein bisschen zu toppen", erklärte sein Fahrlehrer kürzlich in den "Ruhr Nachrichten." Schon im vergangenen Jahr, kurz vor Moukokos Debüt einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, hatte Haaland die Messlatte auch dem Platz ähnlich hochgelegt. "Ich denke, dass er derzeit das größte Talent auf der Welt ist", erzählte der Norweger da.

Im Sommer 2022 ändert sich Dortmunds Gesicht erneut

Beide gemeinsam im Sturm. Das ist eine Möglichkeit unter dem neuen Trainer Marco Rose. Der will Moukoko "schützen und behutsam aufbauen", ohne ihn "in irgendeiner Form zu bremsen". Das wird ebenso spannend zu beobachten sein wie Roses Ankunft im Westfalenstadion, in dem zum Saisonauftakt Mitte August gegen Eintracht Frankfurt 25.000 Zuschauer erwartet werden. Haaland freut sich auf den "netten Kerl" Rose, der sich bei den Fans auf der Südtribüne noch Respekt erarbeiten muss. Zu sehr sehen sie in ihm einen Trainer aus der Red-Bull-Schule. Die wird in Dortmund selten anerkannt. Für Haaland, der Rose aus Salzburg kennt, bedeutet das: "Hartes Training, viel pressen, viel rennen und viel attackieren." Das würde dann auch die Fans überzeugen, die sich, so ist es zu vernehmen, bald auch mit Rasenballsport-Verteidiger Marcel Halstenberg beschäftigen müssen.

Der Nationalspieler könnte Nico Schulz auf der linken Seite ersetzen. Für den muss sich, wie auch für Keeper Roman Bürki, noch ein Verein finden. Auch der Brasilianer Reinier könnte den BVB noch in diesem Jahr verlassen. Das erste Jahr seiner Leihe von Real Madrid verlief wenig befriedigend. Im Sturm soll dafür Eindhovens Donyell Malen kommen. Dafür muss Sanchos Abgang jedoch erst einmal offiziell werden. "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir noch einen Spieler in dieser Transferperiode holen", sagte Michael Zorc am Wochenende. Der Sport-Direktor ist seit Jahrzehnten das Gesicht der Borussia.

Er überzeugte Haaland vom BVB, er führte die Borussia auf das aktuelle Plateau als Ausbildungsverein für Weltklassespieler und er wird die Borussia im kommenden Sommer verlassen. Nach einem Leben an der Bundesstraße 1, die das Stadion von der Dortmunder Innenstadt trennt. Sein Nachfolger, Sebastian Kehl, wird in große Fußstapfen treten müssen. Für ein Leben an der B1 ist Haaland nicht gemacht. Auch er wird in der Saison 2022/2023 sehr wahrscheinlich nicht mehr für den BVB auflaufen. Bis dahin wird er die dann hoffentlich gut besuchten Ränge des Westfalenstadions mit seinen Toren unterhalten und auf Instagram nicht nur durch seine Mode auf sich aufmerksam machen.

Quelle: ntv.de

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