Fußball

"Hansi-Hype" beim FC Bayern Heynckes als Vorbild, aber nicht als Vergleich

imago01170037h.jpg

Die Art, wie Jupp Heynckes mit seinen Spielern umging, hat Hansi Flick inspiriert.

Ein Vergleich mit Jupp Heynckes? Bayerns neuem Trainer Hansi Flick ist die Frage trotz seines tollen Einstands fast schon peinlich. "Er ist einer der besten Trainer, die es gibt. Deswegen mag ich mich mit ihm nicht vergleichen." Den Hype um seine Person kann er aber nicht verhindern.

Mehr Euphorie geht wohl kaum: Beim FC Bayern ist der nicht zu bremsende "Hansi"-Hype ausgebrochen. Schneller als Edmund Stoibers gleichermaßen imaginärer wie legendärer Transrapid zum Münchener Flughafen hat Interimstrainer Hansi Flick den Bundesligisten von der belastenden Fußball-Depression unter Ex-Trainer Niko Kovac befreit und ihn zu einer neuen Dominanz geführt. Wie sie ja klubimmanent ist. Und die Hymnen, die die Spieler auf den Neuen nach vier Spielen und einer Bilanz von 16:0 Toren singen, sind laut und prächtig. Der gierige Robert Lewandowski und Manuel Neuer machen sogar schon Parallelen zum legendären Jupp Heynckes aus.

"Wir machen alle unseren Job, Hansi Flick macht auch seinen Job, das läuft im Moment gut" hatte Neuer nach dem sehr beeindruckenden 6:0 in der Champions League bei Roter Stern Belgrad gesagt. Fachlich, menschlich - alles sei top unter dem Kovac-Nachfolger. "Er nimmt jeden mit und das ist wichtig. Gerade das, was Jupp Heynckes immer gemacht hat, das setzt er hier fort." Der derzeit von nichts und niemandem zu stoppende Lewandowski fühlt sich ebenfalls an seine kurze Zeit unter "Don Jupp" erinnert: "Stimmung, der Kontakt, das ist ähnlich. Die Empathie spricht für ihn. Wir Spieler merken, dass er hinter uns steht."

"Er hat sich nicht so wichtig genommen"

Dem so überschwänglich Geadelten sind die Vergleiche indes äußerst unangenehm. Er will sie gar nicht erst hören. "Jupp Heynckes ist einer der erfolgreichsten und besten deutschen Trainer. Deswegen will ich mich mit ihm überhaupt nicht vergleichen", sagte Flick vor dem Duell am Samstag gegen Bayer Leverkusen (18.30 Uhr), für deren Fußball er sich sehr erwärmen könne. Allerdings, so verrät der 54-Jährige, habe er sich auch Einiges bei der Trainer-Legende abgeschaut. "Menschlichkeit, Empathie, er hat sich nicht so wichtig genommen. Die Art und Weise, wie er mit den Spielern umgegangen ist, war einfach gut." Das Vertrauen. Die Anerkennung. Das wisse er noch aus eigener Erfahrung.

Von 1987 bis 1990 arbeiteten beide zusammen. Und Flick erinnert sich an einen für ihn sehr prägenden Moment: So habe Heynckes ihn als Spieler einmal bei einer Trainingseinheit lieber für den nächsten Tag geschont und zu einer Behandlung geschickt. Zufrieden sei er ohnehin mit dem jungen Fußballer, habe Heynckes damals gesagt. "Da habe ich gedacht, was für eine Wertschätzung."

Ein paar Telefonate mit Jupp

In den vergangenen Wochen, erzählt Flick, habe er "ein paar Mal mit Heynckes telefoniert." Um was es in den Gesprächen ging? Keine weiteren Ausführungen. Allerdings auch keine Nachfragen. Vielmehr wollte Flick den aktuellen Erfolg, den besten Start eines Bayern-Trainers, richtig einordnen. "Fußball ist keine One-Man-Show, ich nehme mich nicht so wichtig. Wichtig ist das Team hinter dem Team, da muss eine gewisse Wertschätzung da sein", erklärte er: "Klar wird das alles an einem Namen festgemacht, aber es steckt viel mehr dahinter. Als Trainer musst du gucken, dass jeder das Vertrauen bekommt."

Das Vertrauen der Spieler hat er. Auch derjenigen, die eigentlich einen Anspruch auf Unverzichbarkeit für sich erheben, aktuell aber häufiger - in der Champions League diese Woche nicht - von der Bank kommen, sowie Thiago, sowie Philippe Coutinho. Und das Vertrauen der Bosse hat Flick natürlich auch: "Er macht seine Sache ausgezeichnet. Nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Spielweise machen Spaß", erklärte Karl-Heinz Rummenigge im Vereinsmagazin. Solche Sätze waren von ihm über Niko Kovac nicht zu hören.

Quelle: ntv.de