Fußball

"Unterbrechung des Umbruchs" Löw denkt laut über Müller-Comeback nach

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Boateng und Müller können auf ein DFB-Comeback hoffen.

(Foto: Peter Schatz)

Joachim Löw sortiert vor knapp zwei Jahren sehr konsequent das Weltmeister-Trio um Thomas Müller aus. Er bügelt jede Nachfrage zu einem Comeback der drei ab - bis jetzt. Die Pandemie regt den Fußball-Bundestrainer offenbar zum Nachdenken an.

Thomas Müller wieder im DFB-Trikot? Das leidige Thema verfolgt Joachim Löw seit knapp zwei Jahren - nun ist der Bundestrainer gut drei Monate vor der EM offenbar doch zu einer Rolle rückwärts bereit. "Besondere Umstände", sagte er dem "Kicker", "können eine Unterbrechung des Umbruchs rechtfertigen." Das wäre eine echte Kehrtwende. Zuletzt hatte Löw auf die wiederholten Forderungen nach einem Comeback der altgedienten Stars Müller, Mats Hummels oder Jérôme Boateng ablehnend reagiert.

Grundsätzlich solle man einen begonnenen Umbruch "nie abbrechen und wieder in die völlig andere Richtung gehen", betonte Löw in der ARD-Sportschau. Wegen der Corona-Pandemie sei ihm bei der Verjüngung der DFB-Auswahl aber "fast ein Jahr gestohlen worden. Also kann man sich jetzt wirklich überlegen, ob man so einen Umbruch mal unterbricht, wenn es unbedingt erforderlich ist." Eine abschließende Entscheidung will der Bundestrainer aber erst bei der Nominierung seines EM-Kaders im Mai treffen. Bei den WM-Qualifikationsspielen Ende März seien Müller und Co. noch kein Thema.

"Wenn ich der Meinung bin, wir brauchen noch den ein oder anderen Prozentpunkt oder den ein oder anderen Energiegeber, sportlich gesehen oder in der Führung", sagte Löw, dann sei eine Rückkehr eines oder mehrerer Rio-Weltmeister denkbar. Das prominente Trio war im März 2019 von ihm aussortiert worden. "Wir werden nichts außen vorlassen, das kann ich versprechen", betonte der Bundestrainer. Nach dem Start in die Quali für die WM in Katar will er bewerten, "was brauchen wir für ein Turnier?". Einer wie Müller, Hummels oder Boateng wäre notfalls "schnell integriert, die wissen dann schon genau, wie es bei der Nationalmannschaft läuft, und das wäre dann kein Problem".

"Meine Körpersprache war schlecht"

Löw steht vor der EM (11. Juni bis 11. Juli) massiv unter Druck, besonders nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien. "Meine Körpersprache war schlecht. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr bewegen zu können. Das war ein falsches Zeichen", sagte Löw einsichtig. Dass seine Arbeit derzeit schlecht bewertet werde, sei "unerfreulich", gebe ihm aber auch die "Zusatzmotivation zu zeigen, dass wir eigentlich besser sind als dieses Spanien-Spiel das gezeigt hat". Bei dem Turnier in zwölf Ländern geht es auch um seinen Job, da kann er etwa einen formstarken Müller dringend gebrauchen - auch in der Rolle als "Energiegeber".

Er weiß: "Wir müssen alle liefern. Auch ich muss jetzt absolut liefern, gute Ergebnisse." Denn seit 2018, "das muss ich ehrlich gestehen, haben wir nicht all das erreicht, was wir uns vorgestellt haben". Sogar ein Hauch von Rücktritt wehte durch das ARD-Interview. Nach der EM werde man "dann auch nochmal sprechen mit dem DFB: Kann man noch irgendwie etwas bewegen, hat man die Energie und die Inspiration, das alles wieder neu anzutreiben?", sagte Löw, dessen Vertrag bis 2022 läuft. DFB-Präsident Fritz Keller hatte bereits nach dem Spanien-Spiel vorgefühlt, ob ein früherer Abschied denkbar wäre.

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Löw sagte aber auch, dass er nach den internen Debatten zum Jahresende das Vertrauen der Verbandsspitze spüre: "Wir bündeln alle Kräfte Richtung EM: Das ist unsere Aufgabe, unsere Priorität, unser Ziel. Wir müssen eine gute EM spielen. Das sind wir den Fans und uns selbst schuldig nach den Ergebnissen (bei der WM) 2018 und in der Nations League." Löws mittelfristige Ziele sind trotz der jüngsten Rückschläge weiterhin hoch. Die "in den Sand" gesetzte WM 2018 "hindert uns nicht daran, unsere Ansprüche wieder ganz oben anzulegen", betonte er. Die Mannschaft sei "allemal in der Lage", weit zu kommen - trotz starker Gegner schon in der Gruppe mit Weltmeister Frankreich, Titelverteidiger Portugal und Ungarn.

Einen Mangel an Führungsspielern sieht der Bundestrainer nicht. "Manuel Neuer ist ein Spieler, der vorangeht, Toni Kroos sowieso, İlkay Gündoğan auch, ein Jo Kimmich mittlerweile, Leon Goretzka. Das sind ja Spieler, die eben auch Verantwortung übernehmen können", sagte er. Aber: Er wünsche sich "natürlich auch eine andere Kommunikation auf dem Platz". "Radio" Müller könnte sicher helfen.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa

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