Fußball

DFB-Direktor im Exklusivgespräch Bierhoff hätte Löw-Rücktritt verstanden

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat im Interview mit der RTL/ntv-Redaktion zum aktuellen Stand der deutschen Nationalmannschaft, Kritik an Bundestrainer Jogi Löw sowie zur Ausrichtung der Europameisterschaft inmitten der Corona-Pandemie Stellung bezogen.

Das 0:6 Debakel der DFB-Elf gegen Spanien schmerzt Bierhoff, der zugleich mahnt: "Das war natürlich eine sehr hitzige, emotionale Diskussion danach, die mich auf der einen Seite ein bisschen gefreut hat, weil sie gezeigt hat, wie viel die Nationalmannschaft den Menschen noch bedeutet, aber wir müssen aufpassen, dass das keinen längeren negativen Effekt auf uns hat."

Innerhalb des DFB sei man zwar angesichts des Corona-Jahres mit vielen Unwägbarkeiten allgemein zufrieden mit den Ergebnissen, doch die andauernde öffentliche Diskussion um die Nationalmannschaft liege auch an deren Leistungen: "Wir haben es noch nicht geschafft, obwohl diese jungen Spieler unglaublich engagiert rangehen, diese Verbindung zu schaffen. Punktuell ist es aufgetreten, beim Holland-Spiel, wo wir kurz vor Schluss das Spiel noch gedreht haben oder in Frankfurt gegen Nordirland."

Den Vorwurf, der deutschen Mannschaft fehle der Zuspruch wegen einer vermeintlichen Abgehobenheit, sieht Bierhoff nicht ursächlich für die Kritik der Fans: "Auf der einen Seite gibt es im Leben weitaus wichtigere Dinge als den Fußball und wir müssen uns hintenanstellen. Auf der anderen Seite finde ich es gut, wenn eine Branche, ein Geschäftszweig alles in die Waagschale wirft, den Behörden auch anbietet, damit sein Betrieb wieder läuft und das macht der Fußball. Ich glaube, dass es viel am Ende von den Ergebnissen abhängt, denn wenn Bayern München die Champions League gewinnt und alle feiern, ist es gar kein Thema, wie viel die Spieler verdienen."

"Leute, das reicht jetzt irgendwie"

Nach der Diskussion um Bundestrainer Joachim Löw glaubt der DFB-Direktor nicht, dass die viele Kritik an seiner Person nachwirke. "Dafür sind wir zu lange in diesem Geschäft, sodass wir wissen, wie das geht. Schauen wir Jürgen Klopp an, der hat vier Jahre eine Erfolgsgeschichte geschrieben und wird jetzt durch den Kakao gezogen. Das weißt du, wenn du in so einer Rolle bist, dass du heftigen Widerstand bekommst."

Angesichts des Ausmaßes der Kritik hätte Bierhoff einen Rücktritt sogar nachvollziehen können: "Bei der Kritik, die aufgekommen ist, hätte ich auch verstanden, wenn einer sagt, Leute, das reicht jetzt irgendwie." Im Zusammenhang mit seiner Aussage, er gehe den Weg des Nationaltrainers bis zur EM mit, betont der DFB-Direktor, dass ein Nationaltrainer stetig an den Leistungen in den Turnieren gemessen werde und dies auch für Joachim Löw gelte.

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Angesprochen auf die Austragung der Europameisterschaft während der Corona-Pandemie zeigt sich Oliver Bierhoff zuversichtlich, dass das Turnier stattfinden wird. Während in den europäischen Wettbewerben Vereine reisen müssten, befände sich die DFB-Elf in einer vermeintlich geschützten Blase: "Wir wären sechs bis sieben Wochen in einer Blase. Ich glaube, das wäre relativ sicher, aber man weiß natürlich nicht, wie die aktuelle Situation im Juni ist. Ich gehe davon aus, dass sie stattfindet. Was ich gehört habe ist, dass sie jetzt noch zurzeit mit zwölf Stadien planen - es scheint, dass acht Stadien Minimum sein müssen, damit man es auch terminlich und platztechnisch umsetzen kann. Wir planen entsprechend, wissen aber, dass sich das jederzeit wieder ändern kann."

Quelle: ntv.de, ter