Fußball

Musiala hat "aufs Gefühl gehört" Ein ganz großes Geschenk für den DFB

Seit Wochen werben zwei Fußball-Weltmächte um die Dienste von Jamal Musiala: Der 17-Jährige musste eine in England und Deutschland heiß erwartete Entscheidung treffen. Inzwischen ist klar: Musiala wird schon ganz bald für das DFB-Team auflaufen.

Dass die Spieler des FC Bayern bei den Nationaltrainern rund um den Globus hoch im Kurs stehen, ist klar. Stehen Länderspielwochen an, leert sich der Profitrakt an der Säbener Straße bis zur Einsamkeit. Aus der Masse der hochdekorierten Nationalspieler des Rekordmeisters ragte lange einer heraus, der noch gar kein Männer-Länderspiel gemacht hat: Um Jamal Musiala balgten sich spätestens seit den ersten Bundesligaminuten des Weiterhin-17-Jährigen sogar gleich zwei Weltmächte des Fußballs!

Die Entscheidung wurde vor allem in Deutschland und England von Fans und Verantwortlichen heiß erwartet. Inzwischen ist sie gefallen. "Ich habe lange über diese Frage nachgedacht", so Musiala, der bis zuletzt in den englischen U-Teams unterwegs war, "am Ende habe ich aber auf das Gefühl gehört, das mir sagte, die richtige Entscheidung sei es, für Deutschland zu spielen. Das Land, in dem ich geboren wurde", verkündete Musiala gegenüber dem Portal "The Athletic". Musiala musste gleich zwischen mehreren Nationen wählen: Deutschland, wo er geboren wurde. England, wo er aufwuchs. Oder Nigeria, die Heimat seines Vaters?

"England wird überrumpelt"

Dass die schwere, eine der wenigen für den Rest eines fußballerischen Lebens bindende Entscheidung belastend für den jungen Aufsteiger war, hatte Bayern-Trainer Hansi Flick schon verraten: "In den letzten Wochen sind viele Dinge in seinem Leben gewesen, die neu waren. Ein neuer Vertrag. Er ist 17 Jahre alt, das darf man nicht vergessen. Dann ist die Entscheidung Deutschland/England zu treffen gewesen. Nach einer kurzen Kunstpause hatte Flick Musiala bei Lazio Rom (4:1) wieder von Beginn an auf den Platz geschickt, in der Rolle des coronabedingt fehlenden Thomas Müller.

In England war man sich auch ohne offizielle Bestätigung längst sicher: Der Kampf um Musiala, der zuletzt in der U16 für den DFB spielte und seitdem bis hin in die U21 mit den Three Lions auf der Brust auflief, ist verloren. "England wird vom 17-jährigen Jamal Musiala überrumpelt: Der Hoffnungsträger von Bayern München wird nächsten Monat in die deutsche Nationalmannschaft berufen", schimpfte die "Daily Mail" jüngst. "Der offensive Flügelspieler gilt als eines der aufregendsten Talente im Weltfußball", das ist es, was die Sache für den englischen Verband so ärgerlich macht.

Nationaltrainer Gareth Southgate wollte unbedingt, dass Musiala künftig für England spielt, die Verantwortlichen hatten dem Bayern-Profi schon die Zukunft der englischen National-Offensive mit ihm und den ebenfalls hochbegabten Jude Bellingham und Jadon Sancho (beide Borussia Dortmund) skizziert. Doch es kam, wie sie es bei der "Daily Mail" schon geahnt hatten: "Einer der besten jungen Spieler der Welt wird sich wohl für sein Geburtsland entscheiden."

"Außergewöhnlich großes Talent, absolut"

Bundestrainer Joachim Löw hatte Musiala Ende Januar ausdrücklich gelobt. "Er ist ein außergewöhnlich großes Talent, absolut", hatte Löw der "Bild am Sonntag" nach dem 4:1-Sieg der Münchner gegen die TSG 1899 Hoffenheim gesagt: "Er hat eine besondere Wertschätzung in Deutschland und bei Bayern. Ich denke, er weiß so oder so, dass ich ihn nominieren will. Die Entscheidung liegt bei ihm." Das Treffen mit dem Bundestrainer soll mit den Ausschlag für die Entscheidung Musialas gegeben haben.

Beim FC Bayern lieferten sie am Dienstagabend im Rahmen eines großen Spiels bei Lazio Rom noch eine zumindest solide Theatervorstellung. Auf Nachfrage, für welches Nationalteam sich Musiala entschieden habe, wollte Flick sich nicht weiter äußern: "Da müssen Sie ihn selbst fragen." Mittelfeldkollege Leon Goretzka versicherte treuherzig und nicht ohne Pathos: "Ich weiß da nicht mehr. Das ist eine Entscheidung, die er für sich treffen muss. Die Entscheidung muss er mit dem Herzen treffen. Ich denke aber, dass es nicht mehr allzu lange dauert. Aber ich würde mich natürlich freuen, wenn er sich für Deutschland entscheidet." Deutschland spielt im März in der WM-Qualifikation gegen Island (25. März), Rumänien (28. März) und Nordmazedonien (31. März). Läuft Musiala in einem dieser Spiele auf, ist die Entscheidung besiegelt: Mit dem ersten A-Länderpflichtspiel in einem offiziellen Wettbewerb spielt sich ein Profi bei einer Nation fest.

"Momente, die ihn außergewöhnlich machen"

Für Joachim Löw ist Musialas Bekenntnis kurzfristig eine gute Sache, langfristig ist es für den DFB ein Geschenk, da sind sich die Experten einig: "Er ist ein Top-Spieler, der schon in sehr jungen Jahren für Furore sorgt", schwärmte der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack bei Sky: "Er braucht zwar noch seine Pausen, physisch ist da noch Luft nach oben. Aber er hat Momente im Spiel, die ihn außergewöhnlich machen."

Sein 2:0 gegen Lazio Rom war nicht nur einer dieser besonderen, nein, es war sogar ein historischer Moment: Drei Tage vor seinem 18. Geburtstag machte sich Jamal Musiala mit einem Flachschuss aus 17 Metern zum jüngsten Champions-League-Torschützen in der Geschichte des FC Bayern. Jüngster Bundesliga-Torschütze des Klubs ist er seit dem 8:0 gegen den FC Schalke am ersten Spieltag der laufenden Saison.

Am Freitag wird sich Musiala auch für den FC Bayern entscheiden - nicht ewig, wie für Deutschland, mindestens aber langfristig: An seinem 18. Geburtstag endet der finanziell arg gedeckelte Ausbildungsvertrag des dann Volljährigen und Musiala sichert sich mit seiner Unterschrift bis 2026 die ganz großen Zahltage: Mit fünf Millionen Euro jährlich soll das neue Arbeitspapier dotiert sein, will "Sport Bild" wissen, Tendenz steigend. Zumindest diese Entscheidung muss sehr einfach gewesen sein.

Quelle: ntv.de

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