Fußball

Bundesliga-Check: VfB Stuttgart Schaffa, schaffa, Tiddl jaga

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Mario Gomez möchte mit dem VfB Stuttgart in dieser Saison das Meisterstück von 2007 wiederholen.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Im 125. Jahr seit seiner Gründung herrscht rund um den VfB Stuttgart Euphorie. Die Formkurve zeigt steil nach oben, in der Defensive spielt ein Weltmeister. Dazu erstaunen die Transfers. Die Schwaben sind zu Höherem berufen, aber noch zieren sie sich.

Heidanei! Was war das für eine Saison beim VfB Stuttgart. Verkorkster Auftakt nach dem Wiederaufstieg, Trainerwechsel, Trainermobbing, fast erfüllter Europa-Traum, Trainer-Liebkosung: Gewiss, der Herzrhythmus vieler VfB-Anhänger dürfte in der vergangenen Saison einer Achterbahnfahrt auf dem Cannstatter Wasen geähnelt haben. Nun hat sich der Puls in Stuttgart normalisiert - auf Gute-Laune-Level. Der Stolz der Schwabenmetropole begeht derzeit sein 125. Jubiläum und hat einen Fußball-Weltmeister in seinen Reihen. Dazu das vielversprechende siebte Platz in der vergangenen Bundesligaspielzeit, inklusive 4:1-Abschlusssieg beim Meister FC Bayern, - es fehlt wohl nicht mehr viel, bis Fanta 4 zusammen mit Krokodil Fritzle "An Tagen wie diesen" covern. Ja, die Stimmung beim Verein für Bewegungsspiele ist im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Bundesliga famos. Und der Klub hat das Potenzial, seine Anhänger in der neuen Saison erneut gribblig zu machen.

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Nach dem Betriebsunfall 2. Liga und dem doppelten Trainer-Missverständnis mit miesem Ausgang für den talentierten Hannes Wolf und gutem Ergebnis für die mehrwöchige Verbalzielscheibe Tayfun Korkut ist die Euphorie in Stuttgart groß. Mehr als 65.000 Mitglieder zählt der Klub nun, bei der Rekordmarke von 33.000 Saisontickets wurde der Verkauf gestoppt. Hano! Der VfB ist wieder hip. Das ist auch Michael Reschkes Verdienst. Dessen Berufsbezeichnung lautet zwar Sportvorstand, doch in Wirklichkeit ist er irgendetwas zwischen Kaderplaner und Magier - denn auf wundersame Weise konnte der VfB beachtliche Transfers ans Ufer des Neckars ziehen. So tragen unter anderem der Argentinier Nicolás González und der Spanier Pablo Maffeo, beide erst 20 Jahre jung, fortan das Trikot mit dem roten Brustring - Mode-Gurus zufolge der drittschönste Dress dieser Saison.

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Die Männer hinter dem VfB-Aufwärtstrend: Trainer Tayfun Korkut (l.) und Manager Michael Reschke.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Mehr noch: Fast jede Position ist nicht nur doppelt, sondern auch erstklassig und ausgeglichen besetzt. Solch eine Qualität hat natürlich ihren Preis. Dem Rheinländer Reschke liegt schwäbische Sparsamkeit offenbar fern und so hat er stolze 35 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Neben Rekordtransfer Maffeo für 9 Millionen von Manchester City und González für 8,5 Millionen von Asociación Atlética Argentinos Juniors sowie dem ablösefreien Marc Oliver Kempf vom SC Freiburg und David Korpacz von Borussia Dortmund II wechselten Gonzalo Castro von der ersten BVB-Garde und Borna Sosa von Dinamo Zagreb zum VfB. Auch Daniel Didavi kehrte vom VfL Wolfsburg zurück. Die Daimler-Millionen infolge der Profi-Ausgliederung im vergangenen Jahr machen's möglich. Ex-Nationalspieler Holger Badstuber verlängerte überraschend seinen Vertrag, ebenso wie Trainer Korkut.

Auf wen kommt es an?

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Ob sich Tayfun Korkut in die Riege der ehemaligen VfB-Erfolgstrainer Armin Veh, Felix Magath, Christoph Daum und Jürgen Sundermann (v.l.n.r.) einreiht?

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Apropos Korkut: Dieser Mann ist Trendsetter. Mit seiner Philosophie einer kompakten Defensive ließ der 44-Jährige schon vor Weltmeisterschaft taktisch modernen Fußball spielen. Und der führt aktuell, Schönspielerei hin oder her, zum Erfolg. In seinen 14 Spielen an der Seitenlinie holte Korkut mit dem VfB beachtliche 34 Punkte. Dabei musste er mit den Spielern arbeiten, die ihm sein Vorgänger hinterließ. Nun liegt es gemeinsam mit den längst noch nicht in die Jahre gekommenen Meister-Spielern von 2007 - Christian Gentner, Mario Gomez, Andreas Beck - an ihm, das alterstechnisch ausgewogene Team ebenso zu einen und zu motivieren wie zum Saisonschlussspurt.

Zudem sollte Torwart Ron-Robert Zieler seine bärenstarke Korkut-Form erneut abrufen. In der Rückrunde blieb der 29-Jährige acht Mal ohne Gegentreffer - das gelang keinem anderen Bundesliga-Torhüter. Wenn dann auch noch die topbesetzte Offensive um Gomez, González und Didavi trifft, dürfen die Fans des aktuell zweitältesten Bundesligisten wieder völlig berechtigt von Titelfeiern in der als Neckarstadion bekannten Mercedes-Benz-Arena in Bad Cannstatt träumen.

Was fehlt?

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Na, schon unruhig geworden, weil der Name Benjamin Pavard noch nicht aufgetaucht ist? Ja, der Junge aus Nordfrankreich ist zweifellos ein Schätzle für den VfB. Möglicherweise ist der noch gar nicht komplett gehoben. Fest steht, dass der Abwehrspieler nach seiner starken Saison und dem Weltmeistertitel heiß begehrt ist. Und dem Klub einige Millionen bescheren wird - spätestens ab 2019, wenn er nach München wechselt. Beim VfB planen sie derweil weiter mit ihrem Schützen des offiziell schönsten WM-Treffers. "Wir gehen fest davon aus, dass Benji noch eine Saison bei uns spielt", sagte Reschke der "Bild"-Zeitung. Nun, lieber VfB, selbst bei einem vorzeitigen Abgang von Pavard sollte dir beim Blick auf den ausgewogenen Kader nicht bange werden. Selbst ohne den WM-Helden hätte das Team vier weitere Top-Innenverteidiger. Auch die bereits vollzogenen Abgänge dürften verkraftbar sein, nicht zuletzt aufgrund der starken Neuverpflichtungen. Der Abschied von Stürmer Daniel Ginczek, im Gegenzug für Didavi nach Wolfsburg transferiert, sollte in Stuggi ebenfalls kaum noch jemanden jucken.

Wie lautet das Saisonziel?

Mit 51 Punkten landete der VfB als Aufsteiger auf Platz sieben, in der Rückrundentabelle rangierte der Klub sogar auf Platz zwei hinter den Bayern. Dennoch ist Zurückhaltung angesagt. Korkut möchte - Gähn - "an die Leistungen anzuknüpfen, die wir in der Rückrunde gezeigt haben". Kommt da noch mehr? "Das Management hat gute Arbeit geleistet", sagte er an Reschke gerichtet. Das ist beachtlich, denn Lob ist Schwaben gemeinhin fremd, getreu dem Motto "ned g'schimpft isch g'lobt gnuag". Ein Saisonziel lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Und was ist mit Europa? Auf der Mitgliederversammlung Anfang Juni gab Reschke den Miesepeter: "Wir träumen und sprechen für die nächste Saison definitiv nicht von irgendwelchen Europacupfantasien." Ob er damit im Namen vieler Fans spricht?

Die Prognose von n-tv.de

Der extrem gut besetzte Kader ist ein echter Trumpf des VfB. International darf der Klub in dieser Saison nur zuschauen und kann sich so auf Pokal und Liga konzentrieren. Mit Drittligist FC Hansa Rostock (heute ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) und Ligakonkurrent 1. FSV Mainz 05 warten lösbare Auftaktaufgaben. Dann sollte der Klub in Schwung gekommen sein - es kommt der titelverteidigungswillige FC Bayern. Sollte der VfB in ähnlicher Form wie in der zurückliegenden Rückrunde aufspielen, ist der Traditionsverein sogar ein Titelanwärter. Zumindest sind die Spieler von einer aufsteigenden Formkurve überzeugt: "Die Entwicklung ist ganz klar zu sehen", sagt Holger Badstuber. Dann munkelt er entgegen der Reschke-Beteuerung: "Vielleicht spielen wir auch hier in den nächsten Jahren mal international." Bis dahin sollte aber das Motto gelten: Ned schwätza: Schaffa!

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Quelle: n-tv.de

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