Fußball

Zur Schale gibt's eine Klatsche Stuttgart verdirbt FC Bayern die Meistersause

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Gedämpfte Freude: Der FC Bayern mit der Meisterschale, die Kapitän und Dauerpatient Manuel Neuer in Empfang nahm.

(Foto: AP)

Erst ein Heimsieg gegen den VfB Stuttgart im letzten Ligaspiel von Jupp Heynckes, dann die Meisterschale: So lautet der Plan von Rekordmeister FC Bayern am 34. Spieltag. Doch der wird von furiosen Gästen eiskalt durchkreuzt, die den Meister zuhause blamieren.

Zweimal riss Jupp Heynckes die Meisterschale auf dem Podium in die Höhe. Rot-Weißer Konfettiregen rieselte auf den Rasen. Aber richtig glücklich wirkten die Münchner Serienmeister nicht. Bei den Bierduschen ging es diesmal auch nur gebremst zu, Heynckes hatte darauf schon gar keine Lust: "Die Aktion Bierdusche ist überholt."

Ein entfesselt aufspielender VfB Stuttgart hatte die Meister-Party des FC Bayern zuvor ganz empfindlich gestört. Bevor der seit Monaten verletzte Kapitän Manuel Neuer um 17.39 Uhr von Ligapräsident Reinhard Rauball die "Schale" überrreicht bekam, ging der deutsche Rekordchampion in der Münchner Arena mit 1:4 (1:2) förmlich unter. "Solche Tage gibt es", kommentierte Heynckes die herbe Klatsche in seinem letzten Ligaspiel nachsichtig.

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Gleich vier Tore bekam Bayern-Keeper Sven Ulreich von den Stuttgartern eingeschenkt.

(Foto: REUTERS)

Eine Woche vor dem DFB-Pokalfinale in Berlin gegen Eintracht Frankfurt gab es nicht das von Heynckes erhoffte "Freudenfest" in seinem letzten Heimspiel als Bayern-Coach. Daniel Ginczek (5./55.), Anastasios Donis (42.) und Chadrac Akolo (52.) erzielten die Tore für die im Abschluss extrem effektiven Gäste. Das Tor zum 1:1 für die ausgekonterten Bayern schoss Corentin Tolisso (21.). Für die Bayern war es nach 38 ungeschlagenen Partien die erste Heimniederlage seit einem 1:2 gegen den Mainz 05 am 2. März 2016. Die Stuttgarter krönten auch ohne Nationalstürmer Mario Gomez, der am Freitag Vater geworden war, eine überragende Rückrunde unter Trainer Tayfun Korkut mit Platz sieben. Sollte Bayern den DFB-Pokal gewinnen, dürfte der VfB in der Qualifikation zur Europa League antreten.

Vor dem Anpfiff hatte es Ovationen für Jupp Heynckes gegeben. Vereinspräsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verabschiedeten den 73-Jährigen auf dem Rasen. Die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen, das Stadion tobte. Der umjubelte Heynckes hatte feuchte Augen, als er dankbar ins Publikum winkte. Mit dem 1038. Bundesligaspiel als Spieler und Trainer übertraf Heynckes als nun alleiniger Rekordhalter auch noch Otto Rehhagel (1037).

Donis düpiert die Münchner Abwehr

Nach dem Anpfiff überraschten die Gäste, die engagiert ihre Chance auf einen internationalen Startplatz in der Saison 2018/19 suchten. Besonders dem Tempo von Donis waren die Münchner nicht gewachsen. Beim 0:1 bediente der Grieche nach einem Solo von der Mittellinie Ginczek, der den Ball ins leere Tor schieben konnte. Beim 1:2 war Donis wieder im Schnellzug-Tempo unterwegs und schloss diesmal auch selbst gegen den chancenlosen Bayern-Schlussmann Sven Ulreich ab. Ansonsten bewegten sich die Bayern im Vorwärtsgang, agierten aber weniger effektiv als der Gegner.

Beim Ausgleich staubte Tolisso ab, nachdem Robert Lewandowski nicht zum Abschluss gekommen war. Der Torschützenkönig (29 Saisontore) scheiterte zudem mit einem Kopfball aus kurzer Distanz am starken VfB-Schlussmann Ron-Robert Zieler (33.), der nicht nur in dieser Szene glänzend reagierte. In der Pause liefen die Bayern-Legenden für 28 Meisterschaften der Münchner ins Stadion ein, unter ihnen auch Franz Beckenbauer. "Ich wünsche dem FC Bayern über die Meisterschaft hinaus endlich die Champions League", äußerte der Ex-Präsident auf dem Rasen.

Anschließend dürfte aber nicht nur Beckenbauer über das gestaunt haben, was unten auf dem Platz geschah. Zieler gewann weiter das Privatduell mit dem glücklosen Lewandowski, der dem Torwart einen weiteren Kopfball in die Hände platzierte (53.). Kurz davor und auch danach schlug der VfB zweimal zu, erst per Kopf durch Akolo nach feiner Flanke von Emiliano Insua, dann durch Ginczek, der stellvertretend für Nationalstürmer Gomez den Job als eiskalter Torjäger übernahm. In der Münchner Abwehr taten sich riesige Löcher auf - alarmierend vor dem DFB-Pokalfinale.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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