Fußball

Regeländerungen im Fußball Schnell raus und rein, keine Hand-Tore mehr

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"Ich habe den Ball irgendwie an die Hand bekommen": Der Mönchengladbacher Christoph Kramer am 21. Dezember im Dortmunder Westfalenstadion.

(Foto: imago/Team 2)

Ein Ende der Diskussionen bedeutet das wohl nicht, aber die Fußball-Regelhüter bemühen sich, etwas mehr Transparenz zu schaffen. Wer künftig ein Tor mit der Hand erzielt, und sei es noch so unabsichtlich, darf nicht damit rechnen, dass der Schiedsrichter das durchgehen lässt.

Mit Spannung waren die Modifikationen bei der Bewertung von Handspielen im Fußball erwartet worden. Nun steht fest: Auch ein vollkommen unabsichtliches Handspiel kann in Zukunft strafbar sein - allerdings nur dann, wenn daraus ein Tor oder eine Torchance für die betreffende Mannschaft resultiert. Das ist eines der Ergebnisse der Tagung des International Football Association Board (Ifab), das am Samstag in Aberdeen die Regeländerungen zur kommenden Saison vorgestellt hat. Ein Treffer wie der von Christoph Kramer also am 17. Spieltag der Bundesliga in der Partie zwischen Borussia Dortmund und der Namenscousine Mönchengladbach zählt künftig nicht mehr.

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In der kommenden Saison muss er dann anders entscheiden: Schiedsrichter Felix Zwayer.

(Foto: imago/Kirchner-Media)

Der Gladbacher hatte beim 1:3 seiner Borussia kurz vor der Pause den Ausgleich erzielt und hinterher eingeräumt: "Ich habe den Ball irgendwie an die Hand bekommen." Das habe er Schiedsrichter Felix Zwayer auch gesagt. Der entschied korrekt. In der kommenden Saison aber müsste er dann einen solchen oder ähnlichen Treffer annullieren. In den Wettbewerben der Fifa und der Uefa wird diese Auslegung schon seit Jahren praktiziert, weil die internationalen Verbände prinzipiell nicht wollen, dass ein Tor anerkannt wird, das unter Zuhilfenahme der Hand erzielt wurde. Demnächst gilt diese Regelung also weltweit. Zudem wird ein Handspiel grundsätzlich bestraft, wenn der Arm oder die Hand sich dabei in einer unnatürlichen Position befand, über Schulterhöhe gehalten oder bewusst zur Vergrößerung des Körpers eingesetzt wurde.

Es soll allerdings Ausnahmen geben, etwa wenn zuvor der Ball von einem anderen Körperteil des Spielers an den Arm oder die Hand geprallt oder der Arm beim Fallen zum Abstützen eingesetzt worden ist. Dem Schiedsrichter bleibt zwar weiterhin ein Ermessensspielraum bei der Bewertung von Handspielen, aber dieser Spielraum wird ab der kommenden Saison kleiner. Weiterhin gilt, dass ein absichtliches Handspiel geahndet werden muss, wie es beispielsweise immer dann vorliegt, wenn der Arm oder die Hand zum Ball bewegt wird und es dann zum Kontakt kommt.

Schiedsrichter sollen es leichter haben

Auch die weiteren Änderungen sind erkennbar von dem Bestreben des Ifab geprägt, den Schiedsrichtern die Arbeit zu erleichtern. Teilweise legalisieren sie überdies eine ohnehin etablierte Praxis, andere Neuerungen sollen das Spiel beschleunigen. Bei Freistößen in Tornähe etwa müssen die Spieler des ausführenden Teams in Zukunft mindestens einen Meter Abstand zur Mauer halten, damit ein Gerangel gar nicht erst entsteht. Bei einer Auswechslung soll der Spieler das Feld am nächstgelegenen Punkt der Seiten- oder Torlinie verlassen, damit es schneller geht. Bei der Ausführung eines Strafstoßes müssen sich die Torhüter nur noch mit einem Fuß auf der Torlinie befinden statt wie bisher mit beiden Füßen. Diese Regeländerung kommt der Praxis der Keeper entgegen, soll die Referees aber auch anhalten, bei Verstößen konsequenter zu sein als zuletzt.

Gewöhnungsbedürftig wird sein, dass der Ball beim Abstoß sowie bei Freistoß im eigenen Strafraum bald nicht mehr den Sechzehnmeterraum verlassen muss, ehe ihn ein Mitspieler annehmen darf. "Kurze" Abstöße sind dann möglich, auch das soll der Beschleunigung des Spiels dienen. Bislang musste der Abstoß wiederholt werden, wenn er von einem Spieler berührt wurde, bevor er den Strafraum verlassen hatte. Ebenfalls neu ist die Regelung, dass es einen Schiedsrichterball gibt, wenn der Unparteiische oder einer seiner Assistenten angeschossen wird und dadurch der Ballbesitz wechselt, ein aussichtsreicher Angriff eingeleitet wird oder der Ball gar ins Tor geht. Derzeit läuft das Spiel weiter, wenn der Referee den Ball berührt, da er regeltechnisch betrachtet "Luft" ist.

Gelbe und Rote Karten künftig auch für Trainer

Apropos Schiedsrichterball: In Zukunft gilt, dass nach einer entsprechenden Unterbrechung diejenige Mannschaft vom Unparteiischen den Ball bekommt, die ihn zuletzt in ihrem Besitz hatte. Eine Ausnahme gilt für den Strafraum - wird der Schiedsrichterball dort ausgeführt, erhält der Torwart die Kugel. In jedem Fall müssen alle anderen Spieler einen Abstand von vier Metern zum Ausführungsort einhalten. Zuguterletzt wird es künftig Gelbe und Rote Karten auch für Teamoffizielle geben, also etwa für Trainer, Ko-Trainer und Betreuer. Damit sollen Sanktionen gegen diese Personen nach außen transparenter werden und zudem zur Beruhigung in diesem Bereich beitragen.

Kann der Schiedsrichter bei Tumulten auf einer Bank nicht identifizieren, wer sie ausgelöst hat, wird der Hauptverantwortliche in der technischen Zone, in der Regel also der Cheftrainer, mit der Gelben oder Roten Karte bedacht. Die Regeln treten zum 1. Juni 2019 in Kraft, werden aber nicht auf Spiele angewandt, die zur laufenden Saison zählen, etwa das Finale in der Champions League an diesem Tag. Bei der Weltmeisterschaft der Frauen dagegen, die am 7. Juni eröffnet wird, sowie bei den Mitte Juni beginnenden Turniere Copa America, Gold Cup und Afrika-Cup gelten die neuen Regeln schon.

Quelle: n-tv.de

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