Fußball

Klubchef gesteht Fehler ein Watzke stochert in Krisen-Wunden des BVB

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Watzke will ja keine Namen nennen, aber ... Die Krise beim BVB macht sich auch an einigen Spielern fest.

(Foto: dpa)

Trainer Lucien Favre darf sich beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund weiter bewähren, in Barcelona und in Berlin. Doch vor allem das Team muss sich zusammenreißen. Das stellt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke unumwunden fest - und räumt erstmals eigene Fehler bei den Transfers ein.

Namen nannte Hans-Joachim Watzke keine. Aber auf den schwarzen Plastikstühlen in der zweiten Reihe der Halle 3 der Westfalenhallen saßen hübsch aufgereiht einige Stars des Bundesligisten Borussia Dortmund, die sich von den mahnenden Worten ihres Chefs angesprochen fühlen durften. Die Krise des BVB ist nicht alleine eine des Trainers Lucien Favre - sie ist auch eine Krise der Schlüsselspieler. "An der gleichzeitigen Formschwäche einiger Spieler müssen wir am meisten arbeiten." Die Aktionäre bei der Hauptversammlung des einzigen deutschen börsennotierten Fußballklubs applaudierten.

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"Du hast alle Unterstützung, die wir dir geben können": Lucien Favre.

(Foto: dpa)

Er wolle öffentlich niemanden herauspicken, sagte der Geschäftsführer, aber die deutlichen Schwankungen seien auffällig. Das zu ändern, sei vor allem die Aufgabe der Spieler. Aber auch der Trainer sei gefragt, sagte Watzke. Favre habe "alle Unterstützung, die wir dir geben können". Am Mittwoch geht es (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zum FC Barcelona. Am Samstag dann steht (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) das Bundesligaspiel bei Hertha BSC an. Favre, der seit Wochen in der Kritik steht, bekommt also zumindest zwei Chancen, sich zu bewähren. Aber schauen wir auf die Mannschaft:

Problemfall 1: der Kapitän

Marco Reus schafft es nicht, seine Mitspieler mitzureißen und selbst mit Leistung voranzugehen. Watzke lobte den deutschen Nationalspieler zwar ausdrücklich für dessen Entschuldigung bei den Fans nach dem blamablen 3:3 gegen den SC Paderborn, als der BVB am Freitag im Westfalenstadion zur Halbzeit mit 0:3 hinten lag. Reus ist auch derjenige, der stets klare Worte ("Absolute Scheiße!") wählt. Taten allerdings kamen viel zu selten. Hinzu kommt seine Verletzungsanfälligkeit - immer wieder hat er Probleme am Sprunggelenk und kann nicht spielen. Watzke kritisierte aber auch das Publikum. Einige Zuschauer hatten bei den Toren der Paderborner applaudiert und die eigene Mannschaft damit verhöhnt. "Wer vorgibt, BVB-Fan zu sein, und die Tore des Gegners bejubelt, der sollte unsere Gemeinschaft einfach verlassen."

Problemfall 2: der Shootingstar

Ständig gibt es Unruhe um Jadon Sancho. Zwölf Tore und 17 Vorlagen in der vergangenen Saison waren ein Raketenstart in seine Karriere. Dann folgten Stagnation, Allüren und Disziplinlosigkeiten. Angeblich fühlt sich der 19 Jahre alte englische Nationalspieler, dessen Marktwert explodiert ist, zum Sündenbock gestempelt. Dem Portal "The Athletic" sagte er, dass er sich "gedemütigt" fühle. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hatte im Oktober gesagt: "Eines vorausgeschickt: Er ist ein anständiger und guter Junge, aber er ist noch sehr jung. Er testet hin und wieder noch seine Grenzen aus - und wir müssen diese setzen."

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Im Winter schon weg? Jadon Sancho.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Seinerzeit war Sancho vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach aus dem Kader gestrichen worden und musste eine Geldstrafe zahlen. Die vier Tore und sieben Vorlagen dieser Saison lesen sich besser, als der 19-Jährige spielt. Gegen den SC Paderborn hatte er wieder einmal lustlos und unengagiert gewirkt. "Wir erwecken nicht den Eindruck einer stabilen Einheit", sagt Watzke. Das liegt auch an Sancho. Der wohl darauf spekuliert, dass er in der Winterpause zurück auf die Insel wechseln könnte. Laut "Bild"-Zeitung ist der BVB ab 140 Millionen Euro Transfererlös gesprächsbereit. In Kürze soll es ein Gespräch mit ihm, seinen Beratern und den Verantwortlichen des BVB geben. Der FC Liverpool und Manchester United, aber auch Real Madrid und der FC Barcelona sollen interessiert sein.

Problemfall 3: der Innenverteidiger

Manuel Akanji hat sich zum Wackelkandidaten entwickelt, nach seinem nächsten Aussetzer ließ sich zuletzt die Uhr stellen. Der Schweizer sah gegen Inter Mailand schlecht aus, er legte Borussia Mönchengladbach drei Großchancen auf und fand seine Leistung dennoch okay. "Die Fans müssen merken, dass ihr euch nicht nur im Alibi-Bereich befindet", forderte Watzke. Damit meinte er auch: Akanji. Und Julian Weigl. Der hat zwar in zehn der zwölf Bundesligapartien gespielt, konnte aber überhaupt nicht auf sich aufmerksam machen. So wird derzeit häufiger in der Boulevard-Presse über seine Hochzeitspläne geschrieben, als im Sportteil über die Leistungen des 24-Jährigen.

Problemfall 4: die Transfers

"Wir haben das Potenzial der Zugänge noch nicht komplett ausgeschöpft", monierte Watzke. Thorgan Hazard wirkte lange wie ein Fremdkörper, kommt aber nun langsam in Fahrt. Mats Hummels ist der Abwehrchef. Aber: Für Julian Brandt hat Trainer Favre noch keinen richtigen Platz gefunden. Und Nico Schulz? Der Linksverteidiger ist sich selbst und den Fans ein Rätsel. "Er hat noch nicht die Stärke und Power, die er mal hatte", sagt auch Bundestrainer Joachim Löw. Einen Stürmer hatte der BVB erst gar nicht verpflichtet - ein klarer Fehler. Das räumte auch Watzke ein: "Wir hätten definitiv eine zweite Nummer neun verpflichten müssen." So müssen die Dortmunder damit leben, dass sie keinen Ersatz für ihren einzigen und zudem verletzungsanfälligen Mittelstürmer Paco Alcácer haben.

Quelle: ntv.de, sgi/ara/sid