Redelings Nachspielzeit

Redelings zum Bundesliga-Start Die schöne Fußball-Maid weiß zu verführen

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Auch die holde Maid von Marco Reus wird wieder mitfiebern.

(Foto: imago/ActionPictures)

Vor vierzig Jahren malt der Kolumnist des "Playboy", Max Merkel, schwarz für die Zukunft der Liga. Nun gibt es wieder viele Unkenrufe über miserablen Zustand der Fußball-Bundesliga. Dabei gibt es vieles, auf das sich die Fans freuen dürfen.

An diesem Freitag startet sie wieder, die Fußball-Bundesliga, in ihre bereits 57. Saison. Voller Zuversicht und Hoffnung schauen Millionen Fans auf ihre Vereine und freuen sich auf das große Spektakel in den Stadien und zu Hause an den Fernsehbildschirmen. Doch was können die Anhänger von ihren Klubs und der Liga erwarten? Hochleistungssport mit attraktiven Protagonisten aus der ersten Reihe des Weltfußballs? Naja. Das wohl eher nicht.

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Max Merkel sah ziemlich schwarz für den Fußball.

(Foto: imago/WEREK)

Aber so schwarz, wie vor genau vierzig Jahren der ehemalige Meistertrainer und damalige Kolumnist Max Merkel in seinem Text für den "Playboy" den Zustand der Bundesliga skizzierte, muss man die Lage auch nicht sehen. Übrigens: Merkels Wortwahl fiel wie stets äußerst direkt aus. Kleiner Tipp: Sensible Gemüter sollten diesen Teil vielleicht besser überspringen: "Sie ist 17 und macht jedes Jahr sieben Millionen Männer an. Doch sie selbst hat die richtigen Männer nicht. Vielleicht liegt es daran, dass sie trotz ihrer Jugend schon ziemlich alt aussieht. Die Maid heißt Bundesliga und tritt in 18 Häusern der Republik auf, oben ohne und unten schwach wie nie. Sie bumst nicht mehr so schön wie ehedem, als die Deutschen noch Europameister und Weltmeister waren."

Eines ist wohl wahr: Im Augenblick erteilen die ganz großen Stars den Piloten ihrer Privatjets keine Landegenehmigung für deutschen Boden. Selbst die Bayern müssen sich wie früher die verpickelten Jünglinge beim Tanztee hinten anstellen. Bei der Wahl der Damen muss genommen werden, was die anderen übrig lassen. Das mag auf den ersten (und zumeist auch auf den zweiten) Blick zu Enttäuschungen führen - doch die Lehren aus Tanzschulzeiten und dem Leben zeigen: Die Vorzeigepärchen sind meist eh nicht lange zusammengeblieben.

Bobic hütet seine Lämmchen

Da beeindruckt es tatsächlich sehr, wie Fredi Bobic bei der Frankfurter Eintracht seelenruhig seine liebgewonnenen Lämmchen rechtzeitig zur neuen Saison fast vollzählig wieder auf die Weide führt. Kleinere Ausfälle kompensiert der erfahrene Hirte durch Verstärkungen von anderen Betrieben. Die Fans der Eintracht, die in der vergangenen Spielzeit völlig zu recht die Sympathien der übrigen Fußballanhänger für ihre lautstarke wie kreative Unterstützung der eigenen Mannschaft einheimsten, können des Nachts beruhigt mit Schäfchen-Zählen die Augen schließen. Mit dieser Herde sollten sie wieder viel Spaß haben.

Wie ein guter Hausmann schlenderte der Dortmunder Manager Michael Zorc mit einem sauber ausgearbeiteten Einkaufszettel direkt nach Ladenöffnung durch den Spieler-Supermarkt. Und bevor irgendjemand überhaupt nur die Chance hatte, auch ins Regal zu greifen, lag alles Gewünschte im Korb des BVB. Da blieb noch genug Zeit, überflüssigen Plunder im Internet feilzubieten. Und siehe da: Auch hier lief alles bestens. Jetzt muss sich nur noch zeigen, ob der Plan des guten Hausmanns auch aufgeht. Oder hat er vielleicht doch eine Zutat für den perfekten Sonntagsbraten vergessen? Es bleibt spannend.

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Die Kölner feiern mit - dank Trainer Beierlorzer.

(Foto: imago images / Eibner)

Eines noch nachgeschoben zum BVB. Auch vor vierzig Jahren war Merkel schon euphorisiert von den Fans der Borussia: "Im Westfalenstadion berauscht dich die Masse dermaßen, da kannst du vom Beifall fast 'nen Orgasmus kriegen." Die eigenen Anhänger sind auch beim 1. FC Köln stets ein spezielles Thema. Von außen betrachtet hat man gerne den Eindruck, die FC-Fans sind so etwas wie natur- und dauergeil - und haben dabei stets die Champions League im Blick. Doch in diesem Jahr ist alles etwas anders. Ausgelaugt, müde und nicht besonders gut drauf wirken sie. Fast so wie an einem Freitagabend nach einer langen stressigen Woche. Eigentlich haben sie gar keinen Bock auf die Party zu gehen, doch ihr Kollege (in diesem Fall ist es der neue und immer optimistische Coach Achim Beierlorzer) überredet sie, es dennoch zu tun. Und wie wir alle wissen: Die besten Feiern sind in der Regel die, auf die wir erst gar nicht gehen wollten. Das könnte also eine echt launige Saison für den FC und seine Fans werden.

Pizarro wird jede Minute genießen

Den Spaß wird sich einer in dieser Spielzeit auf gar keinen Fall nehmen lassen: Der Opa der Liga, Claudio Pizarro, wird jede einzelne Minute genießen – und jeden Rekord mitnehmen, den er auf seiner letzten Kutterfahrt mit dem Werder-Kahn fischen kann. Denn es geht um nichts weniger als die Ewigkeit – oder wie es der Ex-Bremer Thomas Delaney so treffend formulierte: "Es geht darum, dass bei Wikipedia etwas Gutes über mich steht, wenn ich irgendwann fertig bin mit dem Fußball." Wie das auf fantastische Weise funktioniert, zeigte bereits in der Vorbereitung der großartige Werder-Coach Florian Kohfeldt, als er einem Mädchen seine Unterschrift auf einem Bayern-Trikot ("Tut mir leid. Es gibt Grenzen") verweigerte. Doch Kohfeldt wäre nicht Kohfeldt, wenn er anschließend nicht noch ein schweißnasses und unterschriebenes Werder-Jersey dem dankbaren Mädchen überreicht hätte. Nicht zuletzt wegen diesem besonderen Trainer und "Jopi" Pizarro schippert Werder bei den Sympathie-Werten ganz weit vorneweg.

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Paderborn ist zurück in Liga eins.

(Foto: imago images / Team 2)

Und was machen die Aufsteiger? Beim 1. FC Union Berlin haben sie ein eigenes Branchenbuch, mit dem die Anhänger des Vereins stets den Handwerker in ihrer Stadt finden, dessen Herz auch für die Köpenicker schlägt. Das ist genauso genial, wie mit drei Stehplatztribünen der satten Erstliga-Mischpoke wieder auf die Füße zu helfen. Das kann in keinem Fall schaden. Und wenn in Paderborn die Gästefans das erste Mal das Gefühl haben, die Heide würde brennen, dann wissen sie nicht nur, was Hermann Löns damit zu tun hat, sondern auch, dass trotz aller Unkenrufe die Liga auch 40 Jahre nach Merkels Abgesang noch lebt. Wie sie allerdings im Herbst den Rückzug vom "Vater der Bundesliga", dem Mann, der dem Fußball in Deutschland so unzählig viele Anekdoten, Schlagzeilen und Storys geschenkt hat, verkraften wird - das ist eine andere Geschichte. Aber noch hat Uli Hoeneß sein Ausscheiden ja nicht bestätigt. Das letzte Kapitel wird also noch geschrieben. Wie gesagt: Es bleibt spannend - und darauf darf man sich ruhig freuen.

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Quelle: n-tv.de

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