Redelings Nachspielzeit

Radio-Legende Manni Breuckmann Selbst Hoeneß und Assauer bot er die Stirn

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Seine Stimme kennt jeder Fußball-Fan: Manni Breuckmann.

(Foto: imago/Eibner)

Früher gehörte die samstägliche Konferenz-Schaltung der Fußball-Bundesliga im Radio zu einem Wochenende dazu wie länger Ausschlafen und der Sonntagsbraten. Und so war Manni Breuckmann einem Millionenpublikum wohl vertraut. Heute feiert die Radio-Legende seinen 70. Geburtstag!

"Diego Klimowicz - ein Name wie Winnetou Koslowski." Auf solch einen herrlichen Unsinn muss man erst einmal kommen. Manni Breuckmann, die "Stimme des Westens" bei der samstäglichen Radio-Reportage, konnte das schon immer. Als er vor einiger Zeit aus der verdienten Rente noch einmal ans Mikrofon zurückkehrte, meinte er: "Was David Wagner aus Amine Harit gemacht hat! Letztes Jahr war er noch ein Lamborghini-Lutscher." Die jüngeren Hörer fassten sich in diesem Moment erstaunt an die Ohren, während die älteren an die vielen schönen Stunden, die sie gemeinsam mit "ihrem" Manni an den Hörfunkgeräten verbracht hatten, zurückdachten.

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Manfred Breuckmann, der Baumstammsägen für eine unterschätzte Sportart erachtet, absolvierte seine erste Übertragung 1972 beim Regionalligaspiel zwischen dem VfR Neuss und der SG Wattenscheid 09. Ein echter Kracher. Aber auch eine Schule fürs Leben. Denn auch später ging es nicht immer nur munter weiter, sondern der Reporter-Alltag hielt so manch harte Probe parat, wie Manni Breuckmann einmal selbst erzählte: "Bochum gegen Cottbus, das ist eh kein Straßenfeger. Dann auch noch keine Tore - ich kenne Reporter, die wären da persönlich beleidigt." Aber nicht der Manni!

Breuckmann gab den Zuhörern in seiner über 36 Jahre währenden Karriere stets ein kniffeliges Rätsel auf. Nicht selten bezichtigten sich Schalker und Dortmunder gegenseitig, mit dem beliebten Rundfunkreporter unter einer Decke zu stecken. S04-Manager Rudi Assauer meinte einmal: "Manni, du hast zu lange aus der Wellblechbude kommentiert. Das färbt schwattgelb ab." Assauer nannte den WDR-Rundfunkmann sogar unverblümt ein "BVB-Arsch". Erst nach dem Ende seiner Berufslaufbahn beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestand Breuckmann seine "Schwäche für die Schalker" ein.

"Wenn die Eckfahne Nutella-Fahne heißt, höre ich auf"

Eine andere Schwäche offenbarte er einmal in einem Interview. Eine bestimmte Sache wäre nicht so seins: "An den richtigen Stellen aus taktischen Gründen das Maul zu halten." Nicht wenige munkeln, dass dies auch einer der Gründe gewesen sein könnte, warum sich Manni Breuckmann bereits mit 57 Jahren in die "passive Altersteilzeit" verabschiedete. Einen anderen Grund hat er so umschrieben: "Ich muss keinem 18 Jahre alten Jungspund hinterherrennen, der mit einem 180.000-Euro-Wagen vorgefahren kommt. Zu dem ganzen Drumherum sollte man große Distanz haben." In diesen Zusammenhang passt auch einer seiner klügsten und schönsten Sätze: "Wenn die Eckfahne Nutella-Fahne heißt, höre ich auf."

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Manni Breuckmann kann aber auch anders. In einer WDR-Sendung intonierte der Mann aus Datteln, der jahrelang auch für ausgewiesene Pappnasen-Muffel sehr amüsant Karnevalsumzüge moderierte, einmal sehr schmissig Lieder der fünften Jahreszeit und wies dabei seinen bellenden Bearded Collie temperamentvoll in die Schranken ("Halt's Maul, Camillo!"). Zudem boxte er die Tonangel mit erhobenen Armen dem zuständigen Menschen aus den Händen.

Bei dem Gassenhauer "Viva Colonia" der unvergleichlichen Höhner präsentierte sich Manni schließlich gänzlich außer Rand und Band. Mit einer äußerst gewöhnungsbedürftigen Perücke auf dem Kopf schmetterte er inbrünstig die berühmten Liedzeilen: "Da simmer dabei! Dat es prima! VIVA COLONIA! Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust, wir glauben an den lieben Gott und han auch immer Durst." So temperamentvoll präsentiert sich der heutige Jubilar übrigens immer noch auf wechselnden Bühnen. Und dort erzählt er dann auch gerne seinen Lieblingswitz: "Gehen zwei Radioreporter an der Kneipe vorbei." Den muss man sacken lassen!

Zwischen großen Sprüchen und Empathie

Auch mit dem Bayern-Manager Uli Hoeneß stand er gerne und häufig zusammen auf der Bühne und sagte dennoch Sätze wie diesen: "Das Einzige, was flutscht bei den Bayern, ist die Weißwurstproduktion in der Fleischfabrik von Uli Hoeneß." Eine seiner Lieblingsgeschichten aus der bunten Welt des Alltags: "Ich kenne da einen zwölfjährigen Jungen, der ist auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium. Und der hat ernsthaft geglaubt, das seien die Geschwister von Mehmet Scholl."

Manni Breuckmann war auch bei einer Sternstunde des Radios live mit dabei. Damals bei der legendären Schlusskonferenz der Saison 1998/1999. Im Mittelpunkt stand in diesen bewegenden Minuten der Franke Günther Koch in Nürnberg. Der Club stieg in diesen Minuten überraschend ab. Und Koch leitete völlig am Ende seiner Kräfte rüber ins Ruhrstadion zu Manni Breuckmann: "Respekt und Anerkennung an die Adresse der anderen Vereine, der Spieler und der Offiziellen, wenn es denn dabei bleibt, und ich rufe noch einmal Manni Breuckmann in Bochum". Der nahm den Ball auf und sprach vor einem Millionenpublikum einen Satz voll ehrlicher Empathie: "Und Günther, du tust mir auch Leid, erlaube mir dieses persönliche Wort an der Stelle …".

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Als er mit 57 Jahren in die Altersteilzeit ging, hatten einige Kollegen die Sorge, dass Manni ohne Mikro nicht könne und Dummheiten machen würde. Doch Breuckmann beruhigte die Menschen, dass seine Planungen nicht vorsehen würden, sich "in die Emscher zu stürzen". Er hätte noch genug Ideen für die Zeit nach dem Job beim Rundfunk: "Denn der Fußball, dat is' mein Leben - die Schokoladen-Torte aber auch!"

Seine letzten Worte für die WDR-Schlusskonferenz waren diese: "Das war's für mich. Ich hab' geschrien, ich hab' geflüstert, ich hab' gegähnt, ich hab' gezittert, ich hab' gefroren, ich hab' geschwitzt, aber ich hab' Spaß gehabt. Jedenfalls meistens in diesen 36 Jahren." Und dann war noch einmal alles wie immer: "Der Schiedsrichter pfeift ab, ich packe ein, trinke noch ein Bier, esse eine Stadionwurst und Feierabend". Alles Gute zum 70. Geburtstag, lieber Manni, und ein herzliches Glück auf!

Quelle: ntv.de

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