Redelings Nachspielzeit

TV-Legende Heribert Faßbender Gespottet mit Kalle, verspottet von Hoeneß

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Heribert Faßbender hat in seiner erfolgreichen Laufbahn viel erreicht. Auch, dass jeder seiner Zuhörer eine feste Meinung zu seinem Stil hat.

(Foto: imago stock&people)

Heute feiert der legendäre Kommentator und Moderator Heribert Faßbender seinen 80. Geburtstag. Seine zahlreichen Sprüche machten ihn berühmt. Und seine TV-Reportage zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge bei der WM 1990 gegen die Niederlande wird für immer unvergessen bleiben!

Wie kann man einen Mann nicht lieben, der Sätze gesagt hat wie "Tagsüber, wenn die Sonne scheint, ist es hier noch wärmer" oder "Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden"? Seit dem 8. August 1986 begrüßte Heribert Faßbender sein "Sportschau"-Publikum stets mit einem gut gelaunten "N'Abend allerseits". Anschließend führte er uns gönnerhaft-jovial durch die bunte Welt des Sports. Die Zuschauer hingen an seinen Lippen, doch Reporter-Kollege Rudi Michel wurde trotzdem nie sein Fan: "Faßbender kann alles besser, Faßbender weiß alles besser."

"Toulouse or not to lose, das ist hier die Frage. Bitte verzeihen Sie mir diesen kleinen Kalauer", hat der große Mann der ARD einmal bei einem Europapokalspiel des 1. FC Köln in Frankreich gesagt und die Lacher damit auf seiner Seite gehabt. Als das Fernsehen erstmals live eine komplette Bundesligapartie übertrug, war es Heribert Faßbender, der kommentierte. Es war das Nachholspiel des zwölften Spieltags Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München (3:2) am 11. Dezember 1984. Spätestens seit diesem Tag war der gebürtige Ratinger in der Beletage der deutschen Reportergilde angekommen. Als Uli Potofski Anfang der neunziger Jahre mit RTL die Fußballrechte übernahm und die Show "Anpfiff" aus der Taufe hob, hatte der Lockenkopf mit der riesigen Brille nicht von ungefähr ausgerechnet das Bild von Heribert Faßbender in einem Goldrahmen in seiner Schreibtischschublade liegen.

"Quatschen Sie nicht so viel!"

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Am Anfang seiner Karriere reagierte das Publikum häufig noch sehr ablehnend auf den Mann mit dem Vollbart. Offensichtlich waren die Leute zu sehr an seinen Vorgänger bei der "Sportschau", Ernst Huberty, gewöhnt. Immer wieder erreichte den WDR Zuschauerpost. "Gucken Sie nicht so ernst" oder "Quatschen Sie nicht so viel" waren noch die freundlicheren Reaktionen.

Dabei konnte Faßbender schon immer herrlich erzählen. Einmal war er mit dem BVB in Spanien unterwegs und erlebte dort folgende Geschichte: "Ich wollte ins Prado, um mir Utrillo, Velázquez, Goya anzusehen. Plötzlich stand Lothar Emmerich im Trainingsanzug vor mir: 'Heribert, was machst du?' Da habe ich ihm das erklärt, was ich machen möchte und er hat gemeint: 'Komme ich mit!' Sag ich: 'Habt ihr denn kein Training?' 'Doch, ich habe eine leichte Zerrung. Fischken weiß Bescheid. Müssen nur um eins zum Essen da sein.' Wir also in den Prado. Ich mit dem Spezial-Reiseführer und las alles über Goya, Utrillo und Velázquez. Emma ging immer etwas schneller durch, saß am Ende dieser riesen Hallen und las den 'kicker'. Stressfrei. Nur als es dann auf ein Uhr zuging, wartete ich auf ihn. Er konnte sich von Goya nicht losreißen. Da sagte er: 'Das muss ich mir noch einmal reinziehen. Das ist ja unglaublich. Das ist jetzt die vierte Halle von dem Goya (überlebensgroße Bilder). Was die Jungens früher malochen mussten!'"

Auf derselben Reise, so erzählte Faßbender dann gerne weiter, kam Siggi Held morgens als Letzter zum Frühstück rein - mit dicken Augen. Trainer Fischken Multhaup fragte ihn: "Siggi, was ist denn mit dir los?" "Trainer, ich brauche einen neuen Zimmergenossen. Das geht nicht mehr so weiter. Der Emma spricht im Traum. Immer wenn ich gerade eingeschlafen bin, dann stand er im Bett und schrie: Siggi, steil!"

Hohn-Tirade mit Rummenigge

Den Höhepunkt seiner Karriere feierte Heribert Faßbender bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Zusammen mit Co-Kommentator Karl-Heinz Rummenigge schaukelte sich der alte Hase zu immer neuen Höhen hinauf. Im WM-Achtelfinale zwischen den Niederlanden und Deutschland zogen die beiden mit beeindruckender Konsequenz über den argentinischen Schiri Patricio Loustau her: "Den Schiedsrichter, den sollte man zurück in die Pampa schicken!" Später rief Karl-Heinz Rummenigge: "Ich hoffe, wir sehen diesen Schiedsrichter nicht mehr bei dieser WM." Und Heribert Faßbender setzte noch einen oben drauf: "Höchstens als Kartenabreißer."

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Hier und da verlor sich "Mister Sportschau" aber auch in seltsam anmutenden Sätzen wie diesem: "Norwegen in Rot, die deutsche Mannschaft, das muss ich Ihnen nicht mehr sagen und da brauche ich auch gar nicht viel zu erklären, wie so oft - wie eigentlich immer, wie fast immer, in den Farben, die Sie kennen: In den weißen Trikots und den schwarzen Hosen! Aber, meine lieben Zuschauer, das wissen Sie ja sicher auch so, da muss man keine großen Worte mehr verlieren." Auch private Informationen wurden gerne in die offizielle Berichterstattung mit eingebunden: "Hier sehen sie den schottischen Schiedsrichter McCurry. Mein Kollege Gerd Delling hat vorhin schon eine gleichnamige Wurst verdrückt. Ich werde mir das bis nach dem Spiel verdrücken."

"Eher Araber statt Asiaten"

Problematisch und undurchsichtig konnte es schon einmal werden, wenn bestimmte Informationen ausführlich versucht wurden zu erklären: "Die Saudis sind übrigens Asienmeister, obwohl das ebenso wenig Asiaten sind wie die Türken Europäer. Die Saudis haben ja gar keine Mandelaugen, wie man das von Asiaten erwartet. Das sind eher Araber statt Asiaten."

Als die Redaktion der "Frankfurter Rundschau" bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich bei der ARD anfragte, warum Heribert Faßbender die WM-Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft immer noch kommentieren dürfe, lautete die Antwort frank und frei: "Ihre Kritik an Herrn Faßbender ist sicherlich berechtigt, jedoch gibt es während dieser WM kaum noch Chancen, ihn auszutauschen. Das hängt auch damit zusammen, dass er als Leiter des WDR-Sports ein Moderationsvorrecht genießt und dieses dementsprechend ausnutzt. Wir bedauern, Ihnen keine bessere Mitteilung machen zu können. Mit freundlichen Grüßen Ihr ARD WM Service Team".

"So, jetzt ziehen wir mal ein Fazit", sagte Heribert Faßbender einmal bereits nach fünf Spielminuten. Das war einer dieser Sprüche, die unweigerlich hängen blieben bei seinem Publikum. Seine Kalauerdichte war einfach immens hoch: "Ein Tor muss her, soll es nach 90 Minuten nicht noch so stehen wie jetzt!". Oder: "Es steht 1:1, genauso gut könnte es umgekehrt stehen." Heribert Faßbender sprach einfach sehr gerne und viel. Doch da er das zumeist auf eine - wie soll man sagen - durchaus "salbungsvolle" Art tat, fielen die zahlreichen kleinen Sprachabenteuer zwar auf, wurden ihm aber in der Regel verziehen.

"Der gibt sich die Kugel"

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Nur Uli Hoeneß bemerkte einmal beiläufig, welch große Schwachstelle der legendäre TV-Reporter noch hatte - seine Eitelkeit: "Was glauben Sie denn, was der Herr Faßbender ohne seine Sportschau ist? Der gibt sich die Kugel." Das hat er natürlich nicht getan. Doch das Zitat des Bayern-Managers hat damals mit dazu beigetragen, dass der Poker um die Fernsehrechte eröffnet war. Nicht ganz fair von Hoeneß könnte man aus der Rückschau sagen, aber legitim. Auch wenn Faßbender sicherlich erwidert hätte: "Dem Kampf gegen unsportliches Verhalten soll ja hier der Kampf angesagt werden".

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand wurde Faßbender Mitglied des Gesellschafterausschusses der Bayer 04 Fußball GmbH. Das passte, da er auch in Leverkusen lebt. Das Motto der Karriere des "Mister Sportschau" hat Heribert Faßbender selbst einmal sehr schön umrissen: "Auch auf der Straße zum Erfolg gerät man bei allzu kühnen Überholmanövern leicht in den Gegenverkehr". Seine Laufbahn klang schließlich ohne großes Aufhebens aus. Das Ende erinnerte an einen Ausruf Faßbenders bei einer Partie, als ein Spieler verletzt auf der Bahre vom Platz getragen wurde: "Der war sowieso für eine Auswechslung vorgesehen."

Herzlichen Dank, lieber Heribert Faßbender, für viele schöne gemeinsame TV-Stunden und alles Gute und Glück auf zum 80. Geburtstag!

Quelle: ntv.de

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