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Startschuss gefallen Braucht man bald ein 5G-Smartphone?

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Der 5G-Startschuss ist in Deutschland endlich gefallen, aber der Ausbau wird noch viele Jahre dauern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die ersten 5G-Frequenzen sind versteigert, die Mobilfunkanbieter geben über 6 Milliarden Euro dafür aus. Damit kann auch in Deutschland jetzt der Ausbau beginnen, doch ein 5G-Smartphone muss sich deshalb noch niemand kaufen.

Während andere Länder bereits mit dem 5G-Ausbau begonnen haben, hat sich Deutschland erstmal Zeit für eine Frequenzversteigerung genommen. 52 Tage hat es gedauert, bis das zur Verfügung stehende Spektrum von insgesamt 420 Megahertz (MHz) an die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Drillisch für zusammen rund 6,55 Milliarden Euro verkauft war. Doch jetzt kann es endlich losgehen, laut Bundesnetzagentur bedeutet das Ende der Auktion auch den "Startschuss für 5G in Deutschland". Es liege nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen.

Die Industrie hat Vorrang

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Auf dem Land müssten beim Einsatz von 3,6 GHz die Funkmasten in Sichtweite zueinander aufgestellt werden.

(Foto: REUTERS)

Das bedeutet aber nicht, dass jetzt alles ganz schnell geht. So kann die Industrie zwar schon bald Vollgas geben, normale Nutzer müssen sich aber ganz sicher nicht beeilen, ein 5G-Smartphone zu kaufen - vor allem, wenn sie auf dem Land leben. Versteigert wurden nämlich Frequenzen in den Bereichen um 2 und 3,6 Gigahertz (GHz), die wegen zu geringer Reichweiten kaum oder gar nicht für den flächendeckenden Ausbau geeignet sind. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Frequenz, desto höher die Reichweite. Umgekehrt wachsen mit steigenden Frequenzen die Datenraten.

Mit 3,6 GHz deckt ein Funkmast unter realen Bedingungen gerade mal einen Radius von rund einem Kilometer ab, versorgt seinen Bereich aber mit hohen Datenraten. Geschwindigkeiten von 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) sind hier realistisch. Weil außerdem die Latenzzeiten (Verzögerungen) sehr gering sind und eine Funkzelle besonders viele Teilnehmer verkraftet (Kapazität), ist dieser Frequenzbereich vor allem für größere Industriestandorte interessant. Via 5G werden dort beispielsweise Maschinen in der Produktion und Logistik vernetzt. Außerdem können die Frequenzen genutzt werden, um stark frequentierte Bereiche in Städten mit 5G zu versorgen.

Es geht auch ohne Telekom & Co.

Das 3,6-GHz-Spektrum steht zwar schon jetzt zur Verfügung und die vier Lizenzinhaber wollen auch zügig mit dem Ausbau beginnen. Allerdings bereitet ihnen Bauchschmerzen, dass die Bundesnetzagentur ein Viertel der verfügbaren 400 MHz in der zweiten Jahreshälfte direkt an lokale Betreiber vergibt. Das heißt, große Industrieunternehmen können ihr eigenes 5G-Netz spannen.

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Auch Volkswagen plant für seine Werke eigene 5G-Netze aufzuspannen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Verknappung des zu versteigernden Frequenzspektrums hat die Preise für die Frequenzen nicht nur in die Höhe getrieben. Dass VW, Siemens, Airbus, BASF und andere potenzielle Großkunden wegfallen, drückt vor allem die Einnahmen der Mobilfunkbetreiber. Der so angeheizte Wettbewerb könnte andererseits auch den Ausbau beschleunigen.

Für Privatnutzer interessanter ist das 2,1-GHz-Band, da es bei immer noch hohen Datenraten und Kapazitäten eine vergleichsweise weite Reichweite von bis zu 4 Kilometern hat und damit ideal für die großflächige 5G-Versorgung von Ballungsräumen ist. Hier kann der kommerzielle Ausbau allerdings nicht vor 2021 starten, da Frequenzblöcke dann erst verfügbar sind. Wie schnell das dann passieren wird, ist noch offen. Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter will, "bis Ende 2021 bis zu 20 Millionen Menschen in Deutschland mit 5G erreichen". Allerdings ließ auch seine Pressestelle bisher offen, wie genau Vodafone dieses Ziel erreichen will.

Bin ich schon drin?

Doch selbst Bewohner einer Stadt, die vielleicht schon in diesem Jahr ein 5G-Netz bekommt, müssen sich nicht wuschig machen. Der Nutzen besteht für sie vorerst weniger in der Geschwindigkeit, sondern vor allem in der Kapazität und geringen Latenzen. Wenn sie grundsätzlich eine gute LTE-Versorgung haben, würden sie den Unterschied vielleicht gar nicht merken, so lange sie kein hochauflösendes Video oder grafisch aufwendige Spiele im Mobilfunknetz streamen.

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Noch Zukunftsmusik: Über 5G kann man hochauflösende VR- und AR-Inhalte streamen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn die Datenvolumen in Deutschland nicht kräftig wachsen, machen so etwas wohl ohnehin nur echte Flatrate-Nutzer. Und selbst wenn man ein 5G-fähiges Smartphone haben sollte, käme der neue Standard nur bei Bedarf zum Einsatz, beispielsweise in einem vollen Fußballstadion. Der Normalbetrieb erfolgt auch künftig im 4G-Netz.

Auf dem Land geht's immer noch um LTE

Außerhalb der Ballungsräume könnte die abgelaufene 5G-Auktion für Verbraucher sogar ein Nachteil sein. Denn das Geld, das die Mobilfunkbetreiber für die ersteigerten Frequenzen ausgegeben haben, fehlt ihnen beim Flächenausbau. Dabei geht es zwar vorläufig weiter um LTE, aber wenn ab 2025 die entscheidenden Frequenzen unterhalb von 1 GHz frei werden, dient eine vorhandene 4G-Infrastruktur als Basis für den 5G-Ausbau. Mit den bezahlten 6,55 Milliarden Euro hätten laut Branchenverband Bitkom 32.000 neue Mobilfunkmasten errichtet werden können, die Telekom geht sogar von 50.000 aus.

Die Netzbetreiber fordern deshalb staatliche Förderprogramme und setzen mal mehr, mal weniger auf Kooperationen bei der Nutzung von Sendemasten und beim Glasfaserausbau, ohne den es in der Fläche kein 5G geben wird. Die Kritik an den hohen Kosten der Auktion ist berechtigt, aber immerhin will Finanzminister Scholz (SPD) die Einnahmen in die digitale Infrastruktur fließen lassen.

Drillisch muss kooperieren

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Neuling Drillisch hat es besonders schwer.

(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)

Besonders kritisch sind Förderungen und Kooperationen für den Neueinsteiger Drillisch, der bis auf Glasfaserleitungen seiner Kabel-Tochter Versatel bisher keine eigenen Netze hat, sondern Kapazitäten von Telefónica nutzt. Und ein 5G-Netz alleine ändert vorerst wenig, da es noch keinen genormten Sprachdienst gibt, man über 5G also ohne Umwege noch nicht telefonieren kann. Die Drillisch-Strategie wird wohl sein, zunächst mit den erstandenen Frequenzen 5G-Netze in Ballungsgebieten und eventuell für die Industrie zu errichten und ansonsten die Infrastruktur der drei großen Anbieter zu nutzen.

Die Bundesnetzagentur wünscht beim 5G-Ausbau auch ausdrücklich ein "nationales Roaming" und verlangt von den Lizenznehmern Verhandlungsbereitschaft. Laut "Welt" hat Drillisch eine Option, den Vertrag mit Telefónica bis 2030 zu verlängern und in Roaming umzuwandeln. Telekom und Vodafone haben dagegen eigentlich keinen Grund, mit Drillisch zu kooperieren, da sie ja außer Geld kaum eine Gegenleistung erwarten können.

Quelle: n-tv.de

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