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Eine Frage der Frequenzen Wird Deutschland mit 5G-Masten gespickt?

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Wird man in Zukunft in Deutschland auf Schritt und Tritt 5G-Masten begegnen?

(Foto: REUTERS)

Müssen für den 5G-Ausbau in Deutschland tatsächlich 800.000 Funkmasten errichtet werden? Wird es den neuen Mobilfunkstandard wirklich flächendeckend geben und wann soll es so weit sein? Es ist alles eine Frage der Frequenzen.

Deutschland müsse für einen flächendeckenden 5G-Ausbau mit 800.000 Funkmasten gespickt werden, warnte Bitkom-Präsiden Achim Berg, nachdem die Bundesnetzagentur im vergangenen November die Vergaberegeln für die kommende Versteigerung von 5G-Frequenzen bekannt gegeben hatte. "Deutschland müsste im Abstand von je einem Kilometer mit Funkmasten gespickt und schachbrettmusterartig aufgebaggert oder aufgefräst werden." Damit erregte der Branchenverband wie gewollt großes Aufsehen, für bare Münze darf man die Aussagen seines Präsidenten allerdings nicht nehmen.

Falsche Frequenzen für Flächenausbau

Versteigert werden voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte die Frequenzen um 2 und 3,6 Gigahertz (GHz). Müssten die mitbietenden Mobilfunkanbieter alleine damit 5G in Deutschland flächendeckend ausbauen, würde die Aussage wohl stimmen. Denn vor allem das 3,6-GHz-Band hat den großen Nachteil, dass es zwar hohe Datenraten transportieren kann, dies aber nur über kurze Distanzen (maximal 1 Kilometer).

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Die Voraussetzung für den 5G-Ausbau ist, dass eine Glasfasernetz vorhanden ist, dass die Masten versorgt.

(Foto: Deutsche Telekom)

Je niedriger eine Frequenz ist, umso größer ist ihre Reichweite. Auch 2 GHz sind mit einer Reichweite von 3 bis 4 Kilometern für einen flächendeckenden Ausbau kaum geeignet. Außerdem stehen die Frequenzen in diesem Bereich frühestens ab 2021 zur Verfügung, da sie noch für UMTS genutzt werden. Teilweise werden die Lizenzen auch erst 2026 frei.

Für die Fläche unter 1 GHz

Für den flächendeckenden 5G-Ausbau sind Frequenzen unter 1 GHz vorgesehen, deren Stationen maximale Reichweiten von ungefähr 20 Kilometer erreichen. Laut Bundesnetzagentur endet die aktuelle Zuteilung für das 800-MHz-Band am 31.12.2025. Die Frequenzen um 700 und 900 MHz sind bis 2033 befristet.

Das heißt aber nicht unbedingt, dass Telekom, Vodafone oder Telefónica sie nicht schon für 5G einsetzen könnten - schließlich besitzen sie für diese Frequenzen Lizenzen. Allerdings können diese auch nicht beliebig umgewidmet werden. Unter anderem werden sie für die LTE-Versorgung benötigt, oder es kann Komplikationen mit Nachbarländern geben, wenn die Frequenz-Nutzung noch unterschiedlich ist. Dies ist bei 700 MHz der Fall.

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Die 5G-Antenne einer Versuchsanlage in NRW.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Betreiber wollen sich zumindest in der Anfangsphase wohl auf das 3,6-GHz-Band für kurze Distanzen und für den Flächenausbau auf die 800er-Frequenzen und das 700 MHz-Band konzentrieren. Die Telekom hat dies kürzlich mitgeteilt. Vodafone hat n-tv.de geschrieben, man wolle auch die 700-MHz-Frequenzen "zum mobilen Breitband-Ausbau in der Fläche" nutzen, Ähnliches kann man bei Telefónica nachlesen.

Auch Funkmikrofone brauchen eine eigene Frequenz

Das 600-MHz-Band könnte noch hinzukommen, wird allerdings auch dringend für Funkmikrofone und andere sogenannte PMSE-Geräte benötigt. Was mit diesem Frequenzbereich geschehen wird, entscheidet sich bei der Weltfunkkonferenz, die im Herbst dieses Jahres in Ägypten stattfindet. Laut "EventElevator" will sich die Bundesnetzagentur gegen einen künftigen Mobilfunk-Einsatz des Spektrums unterhalb von 700 MHz einsetzen. Sicher ist das aber nicht.

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In der Fläche bauen die Betreiber zunächst noch das LTE-Netz aus.

(Foto: Telefónica)

Ein tatsächlicher Flächenausbau von 5G wird kaum vor 2025 beginnen. Er wird realistisch betrachtet auch nicht flächendeckend sein, obwohl die Bundesnetzagentur mit der Frequenzvergabe die Auflage verbindet, bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit Download-Geschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu versorgen. Außerdem müssen die Betreiber je 500 Basisstationen in "weißen Flecken" errichten.

LTE statt 5G

Dafür müssen die Telekom, Vodafone oder Telefónica aber keine 5G-Technik verwenden. LTE kann das auch, denn es geht nicht um praktisch erreichbare, sondern um technisch mögliche 100 Mbit/s. Dies bestätigte die Bundesnetzagentur in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Welche Technik sie einsetzten, um die Vorgaben zu erfüllen, sei den Netzbetreibern überlassen, heißt es darin.

Aktuell sind die Mobilfunkbetreiber aus der Frequenzvergabe von 2015 bereits verpflichtet, bis 2020 wenigstens 97 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, was sie vielleicht schon nicht erreichen werden. Aber auch eine 98-prozentige Abdeckung würde bei derzeit rund 41,3 Millionen Haushalten bedeuten, dass immer noch etwa 830.000 Haushalte durchs Raster fallen.

Daran werden auch die 500 Basisstationen in weißen Flecken nicht viel ändern. Sie werden voraussichtlich möglichst nahe an einer bestehenden oder für den kommenden 5G-Ausbau geplanten Infrastruktur errichtet. Kein Anbieter wird extra ein Glasfaserkabel in eine Einöde ziehen, um dort einen einzelnen Sendemast aufzustellen. Außerdem gibt es in Deutschland weit mehr als ein paar Hundert weiße Flecken. Wie viele es tatsächlich sind, ahnt man beispielsweise, wenn man in die Netzausbau-Karte der Telekom hineinzoomt.

Keine Höchstgeschwindigkeiten

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In Berlin sollen unter anderem 5G-Netze für Technologieparks gespannt werden.

(Foto: Deutsche Telekom)

Nach welchem Zeitplan die Frequenz-Gewinner den 5G-Flächenausbau vorantreiben werden, ist noch offen. Voraussichtlich werden die 800er- und 700er-Frequenzen zunächst genutzt, um die LTE-Abdeckung zu gewährleisten. Wann und ob ein Ausbau der Stationen auf 5G erfolgt, hängt wohl von der jeweiligen Infrastruktur der Anbieter ab, wie viel Geld zur Verfügung steht und welche Lizenzen man in diesem Bereich hat. Bei Telekom und Vodafone ist dies früher zu erwarten, Telefónica hinkt bei der LTE-Abdeckung noch hinterher, hat aber bereits gut aufgeholt.

Auch wenn der Ausbau mit 5G erfolgt, darf man auf der Fläche nicht mal ansatzweise die theoretischen Höchstgeschwindigkeiten des Standards erwarten. Auch hier liegt die Messlatte bei 100, eher 75 Mbit/s. Mehr ist bei den niedrigen Frequenzen nicht zu machen. Das ist aber für private oder geschäftliche Nutzer, die lediglich eine schnelle Breitbandverbindung benötigen, kein Grund zum Jammern. Um Filme in 4K-Qualität zu streamen, braucht man beispielsweise nicht mehr als stabile 25 Mbit/s.

Auch an Autobahnen sowie wichtigen Bundesstraßen und Schienenwegen ist ein 5G-Einsatz zunächst nicht zwingend. Hier erwartet die Bundesnetzbehörde bis Ende 2022 wie auf der Fläche mindestens 100 Mbit/s. Die geforderte Latenz von höchstens 10 Millisekunden ist eine größere Herausforderung, könnte aber wohl mit LTE Advanced gemeistert werden. Die Bundesnetzagentur fordert bis 2022 von den Netzbetreibern nur jeweils 1000 5G-Basisstationen, jeder weitere 5G-Ausbau ist freiwillig.

Deutschland wird nicht gespickt

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in einem sogenanten Campus-Netz werden hohe Datenraten auf kurze Distanz benötigt.

(Foto: Deutsche Telekom)

Was also bleibt übrig vom Schreckgespenst eines mit 5G-Masten gespickten Deutschland? Möglicherweise herzlich wenig. Der Flächenausbau findet voraussichtlich mit entsprechend weittragenden Frequenzen zunächst mit LTE statt und wird dann nach und nach auf 5G umgestellt. Ähnliches passiert wohl an den Autobahnen.

Und was ist mit dem 3,6-GHz-Band? Bundesnetzagentur-Sprecher Fiete Wulff erwartet, dass die Frequenzen tatsächlich dafür eingesetzt werden, wofür sie am besten geeignet sind: dem regionalen, industriellen Einsatz, wo auf kurze Distanzen große Bandbreiten erforderlich sind. Oder in Städten, beispielsweise in Berlin, wo Telekom und Senat schon vor 2021 ein 5G-Netz spannen möchten. Dort sollen laut Pressemitteilung unter anderem der Technologiepark Adlershof und der künftige Siemens-Innovationscampus versorgt werden.

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Quelle: n-tv.de

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