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Mehr als eine Drohung Foxconn braucht China fürs iPhone nicht

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Das taiwanische Foxconn ist Apples größter Auftragnehmer und produziert bisher noch vorwiegend in China.

(Foto: dycj - Imaginechina)

Auftragsfertiger Foxconn sagt, er könne das iPhone komplett außerhalb Chinas bauen, wenn es im Handelskrieg hart auf hart käme. Apple müsse nur Bescheid geben, die Kapazitäten reichten für eine Auslagerung aus. Wie ist das genau gemeint?

Tim Cook ist zwar aus guten Gründen der ziemlich festen Überzeugung, dass Peking im Handelskrieg mit den USA Apple nicht direkt angreifen wird. Trotzdem wird er gerne vernommen haben, was sein größter taiwanischer Auftragsfertiger Foxconn mitteilte. Wenn es nötig werde, verfüge sein Unternehmen über die nötigen Kapazitäten, um die komplette iPhone-Produktion aus China auszulagern, sagte Halbleiter-Chef Young Liu bei einer Investorenkonferenz. Zu 25 Prozent produziere Foxconn bereits außerhalb Chinas, und man könne schnell reagieren, wenn sich der Handelskonflikt verschärfe und unberechenbarer werde. Bisher habe Apple aber nicht darum gebeten.

"Auswirkungen bleiben in Grenzen"

Unter anderem baut Foxconn Fabriken in Indien. "Bloomberg" berichtet, derzeit fänden in Chennai Qualitätstests statt, um dort später das iPhone XR zusammenzusetzen. Ältere Modelle werden bereits von Wistron in Bangalore gefertigt, einem weiteren taiwanischen Auftragnehmer. Insgesamt habe Foxconn Fabriken in 16 verschiedenen Ländern, schreibt Reuters. Der Handelskrieg zwischen den USA und China werde Auswirkungen haben, sagte Liu, aber sie würden sich in Grenzen halten.

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US-Präsident Trump und Foxconn-Chef Terry Gou bei der Grundsteinlegung in Wisconsin.

(Foto: REUTERS)

Der Foxconn-Manager erwähnte in diesem Zusammenhang auch die geplante Anlage im US-Bundesstaat Wisconsin, in der ursprünglich mal bis zu 13.000 Menschen einen Job finden sollten. Jetzt sollen es ab Ende 2020 nur noch 2000 sein. Obwohl das taiwanische Unternehmen für den Rückzieher schon heftige Kritik seitens der Trump-Regierung einstecken musste, betonte Liu, das Engagement sei angesichts des Handelskonflikts noch wichtiger als bisher.

Keine Sache von Monaten

Ist das wirklich so einfach? Wohl kaum. Wahrscheinlich ist Foxconn tatsächlich relativ schnell in der Lage, die iPhone-Produktion aus China abzuziehen. Aber trotzdem wird es wohl eher Jahre als Monate dauern. Ausschließen kann man die Fertigung der 2019er-Modelle, die Apple im September vorstellen wird. Hier steht der Beginn der Massenproduktion kurz bevor. Auch 2020 scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Schließlich müssen nicht nur die Fertigungslinien installiert und Infrastrukturen aufgebaut werden, Foxconn muss auch noch tausende Mitarbeiter an den neuen Standorten schulen. Und wenn man bedenkt, dass es auch bisher immer wieder Verzögerungen bei der iPhone-Herstellung gab, weil einzelne Zulieferer zu viel Ausschuss produzierten, mag man selbst an eine komplette iPhone-Fertigung 2021 außerhalb Chinas kaum glauben.

Mit der Ankündigung will Foxconn sicher seine Investoren beruhigen, die in jüngster Zeit Berichte über zurückgefahrene Produktionen wegen des Huawei-Banns lesen mussten. Auch wenn das Unternehmen dies umgehend gegenüber "Forbes" dementierte, wird sein Geschäft so oder so unter einer Verschärfung des Handelskonflikts leiden, wenn wichtige Märkte für seine chinesischen Auftraggeber wegbrechen. Die Aussagen sind aber wohl auch als Warnung an Peking zu verstehen, eine Eskalation zu vermeiden und mit einem Apple-Bann kein Öl ins Feuer zu gießen, das danach kaum noch zu löschen wäre.

Foxconn-Gründer will Präsident werden

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Terry Gous Präsidentschaftskandidatur macht die Sache für Foxconn nicht einfacher.

(Foto: REUTERS)

Die Rede Lius hat außerdem einen innenpolitischen Aspekt. Foxconn-Boss Terry Gou hatte im April angekündigt, im kommenden Jahr bei der Präsidentschaftswahl anzutreten und dafür seinen Chefposten abzugeben. Zu diesem Zeitpunkt ging man davon aus, dass der reichste Mann Taiwans das Verhältnis seines Landes zu Peking verbessern wollte, da er für die Kuomintang (KMT) antritt, die eigentlich gegen eine Unabhängigkeit Taiwans und für engere Beziehungen zu China ist.

Doch kaum einen Monat später sagte Gou, er werde nach einer erfolgreichen Wahl nicht zögern, seine Fabriken in China zu schließen und die Produktion in andere Länder auszulagern, falls die Regierung in Peking ein Problem damit habe, dass er Präsident von Taiwan sei. Er wolle damit Bedenken entgegentreten, dass er durch die Foxconn-Fabriken in China als Präsident nicht unvoreingenommen sein könne, schrieb "Nikkei Asian Review". Gou ging sogar so weit zu sagen, er werde sich nicht mit Präsident Xi Jinping treffen, so lange seine Regierung nicht die Existenz der Republik China (Taiwans früherer Name) anerkenne.

Quelle: n-tv.de

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