Wirtschaft

Blamage für Trump Foxconn dampft Mega-Werk in den USA ein

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Gouverneur Scott Walker, US-Präsident Donald Trump und Foxconn-Chef Terry Gou bei der Grundsteinlegung in Wisconsin.

(Foto: REUTERS)

Arbeiter am Fließband zu teuer und Fachkräfte als Mangelware: Der Elektronik-Zulieferer Foxconn wird in den USA nun doch nicht die Fabrik bauen, die US-Präsident Trump als "achtes Weltwunder" bezeichnete.

Als der taiwanische Elektronik-Riese Foxconn ankündigte, im US-Bundesstaat Wisconsin ein Werk für Bildschirme von Flachbild-Fernsehern mit bis zu 13.000 Arbeitsplätzen zu errichten, feierte Donald Trump sich selbst. "Dies ist eine der größten Fabriken der Welt", kündigte der US-Präsident im vergangenen Juni bei der Grundsteinlegung mit einer goldenen Schaufel in der Hand an und bezeichnete das Projekt später als "achtes Weltwunder". Doch nun sieht es so aus, als ob das Ganze ein paar Nummern kleiner ausfällt.

Foxconn (Hon Hai)
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Foxconn teilte mit, seine Pläne "anzupassen". Grund seien "neue Realitäten" in einem veränderten Marktumfeld. Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben, ob es am neuen Standort wirklich "traditionelle Produkte wie Fernsehbildschirme" herstellen will. Stattdessen könnten Bereiche wie Forschung und Entwicklung stärker berücksichtigt werden. "Wir bauen in Wisconsin keine Fabrik", sagte Foxconn-Manager Louis Woo. "Man kann diese Investition nicht mit dem Wort 'Fabrik' bezeichnen."

Mit anderen Worten: Das Projekt wird nicht das vom US-Präsidenten erhoffte Startsignal für die Wiedergeburt des Mittleren Westens als Heimat zahlloser Fabriken. Ein zentrales Versprechen Trumps im Wahlkampf war, Industrie-Jobs in die USA "zurückzuholen". Diese Ankündigung gilt als ein wesentlicher Grund, warum er in Wisconsin und anderen Bundesstaaten im Mittleren Westen gegen Hillary Clinton gewann.

Hohe Steuervorteile

Woo begründete die Abkehr von den bisherigen Ankündigungen mit den Fertigungskosten. "In Sachen Fernseher-Produktion sind die USA nicht unser Standort", sagte der Manager. "Wir wären nicht wettbewerbsfähig." Die Kosten für Arbeiter sind in den USA seit der Fabrik-Ankündigung Foxconns allerdings nur moderat gestiegen.

Woo, der als rechte Hand von Firmenchef Terry Gou gilt, nannte auch den Handelsstreit zwischen den USA und China als Grund. Foxconn lässt die meisten seiner Produkte in China zusammenbauen - viele davon werden in die USA exportiert.

Foxconn beteuert zwar, weiterhin am Ziel von 13.000 neuen Jobs festzuhalten. Doch festlegen will sich das Unternehmen nicht und es ist fraglich, ob es in weniger personalintensiven Bereichen wie Forschung und Entwicklung am neuen Standort einen so großen Bedarf gibt.

Dass Foxconn den Standort nicht aufgibt, mag damit zusammenhängen, dass der Bundesstaat Wisconsin unter dem republikanischen Gouverneur Scott Walker dem Unternehmen im Gegenzug zur versprochenen Zehn-Milliarden-Dollar-Investition Steuervergünstigungen in Höhe von vier Milliarden Dollar einräumte. Walker hatte die Gouverneurswahlen Ende vergangenen Jahres zwar verloren, sein demokratischer Nachfolger Tony Evers will sich jedoch an die Abmachung halten.

Um die über 15 Jahre gestreckten Steuervergünstigungen zu erhalten, muss Foxconn jedes Jahr eine Mindestzahl von neu geschaffenen Jobs nachweisen. Für 2018 gehen die Taiwaner deshalb leer aus - statt der angekündigten 260 Vollzeitstellen entstanden lediglich 178.

Ein Grund dafür ist wohl, dass Foxconn bei der Suche nach geeignetem Personal nicht fündig wird. Im November hatte das "Wall Street Journal" berichtet, das Unternehmen suche händeringend nach qualifizierten Fachkräften.

Quelle: n-tv.de, mit AFP

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