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In Australiens Regenwäldern Baumsterblichkeit hat sich verdoppelt

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Nordostaustraliens alte tropische Regenwälder gehören zu den ältesten und isoliertesten Regenwäldern der Erde.

(Foto: Alexander Schenkin)

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Dass Bäume in Wäldern absterben, gehört zum natürlichen Kreislauf. Doch seit den 1980er Jahren geschieht das in australischen Regenwäldern schneller und öfter als je zuvor. Die Wälder wandeln sich damit von einer Senke zu einer Quelle von Kohlenstoff.

In den australischen Regenwäldern hat sich die Baumsterblichkeit seit den 1980er Jahren verdoppelt. Verantwortlich dafür ist nach den Analysen eines internationalen Forschungsteams der Klimawandel, genauer gesagt eine Kombination aus steigenden Temperaturen und trockenerer Luft. Das mache aus den einstigen Kohlenstoffsenken nun Kohlenstoffquellen, schreibt das Team im Fachblatt "Nature". Dieser auch in anderen Regenwäldern beobachtete Trend gefährde das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten.

"Es war ein Schock, eine derart ausgeprägte Steigerung der Baumsterblichkeit festzustellen, und auch, dass der Trend sich über die Vielfalt der untersuchten Arten und Areale erstreckte", wird Erstautor David Baumann von der englischen University of Oxford in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert. "Eine dauerhafte Verdoppelung der Sterberate bedeutet, dass der in Bäumen gespeicherte Kohlenstoff doppelt so schnell in die Atmosphäre zurückkehrt."

Auch für andere Tropenwälder gibt es inzwischen Hinweise darauf, dass sie sich von Kohlenstoffsenken zu -quellen entwickeln - etwa für den größten Regenwald der Erde im Amazonasgebiet. Tropische Regenwälder nehmen den Forschenden zufolge bislang etwa 12 Prozent der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen auf und bremsen damit den Treibhauseffekt.

Einander verstärkende Faktoren

In der Studie hatte das Team - unter anderem aus Australien, Großbritannien, Frankreich und den USA - von 1971 bis 2019 das Wachstum von 81 Baumarten in verschiedenen Arealen des australischen Bundesstaats Queensland untersucht und dabei mehr als 70.000 Bäume vermessen. Demnach stieg die Sterblichkeit der Bäume ab Mitte der 1980er Jahre deutlich, und zwar bei fast allen Arten und in fast allen der mehr als 20 untersuchten Areale.

Nach ihren Analysen halten die Forscher vor allem zwei Entwicklungen für maßgeblich: gestiegene maximale Tagestemperaturen und - damit zusammenhängend - eine verringerte Feuchtigkeitssättigung der Luft (Vapour Pressure Deficit). Beide Faktoren nahmen demnach über den Zeitraum von 49 Jahren zu, und wo diese Tendenz am ausgeprägtesten war, stieg auch die Sterblichkeit am deutlichsten. Tropische Wirbelstürme könnten zwar zu dem Trend beigetragen haben, würden ihn aber alleine nicht erklären, schreiben die Forscher.

Gefährliche Umkehr

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Generell gehe die erhöhte Baumsterblichkeit darauf zurück, dass die wärmere Atmosphäre den Pflanzen mehr Feuchtigkeit entziehe. Dies erhöhe ihre Anfälligkeit für andere widrige Einflüsse, etwa für die Folgen von Stürmen oder Krankheiten. Der Verlust der Biomasse wurde demnach weder durch neue Bäume noch durch ein stärkeres Wachstum aufgewogen.

Dieser Prozess betreffe möglicherweise die Tropen auch außerhalb Australiens, mahnt das Forschungsteam. "Sollte das der Fall sein, können tropische Wälder bald Kohlenstoffquellen werden, und die Aufgabe, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, wird sowohl dringender als auch schwieriger", sagt Co-Autor Yadvinder Malhi.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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