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Frühstadium der Sprache? Bonobos kommunizieren wie Menschenbabys

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"Peep" ist nicht gleich "Peep": Auch bei den Bonobos ist der Kontext in der Kommunikation entscheidend.

(Foto: REUTERS)

Bonobos sind nach den Gemeinen Schimpansen die engsten Verwandten des Menschen. Wie eng, zeigt sich auch an ihrer Kommunikation. Die Primaten verständigen sich ähnlich wie Menschenbabys. Möglicherweise stehen sie gar am Beginn der Sprachentwicklung.

Bestimmte Rufe von Bonobos sind mit Tönen menschlicher Säuglinge vergleichbar und stellen möglicherweise eine frühe Übergangsform zu Sprache dar. Das vermutet ein Team um Zanna Clay von der Schweizer Universität Neuchâtel (Neuenburg) im Journal "PeerJ". Die zur Gattung der Schimpansen zählenden Bonobos (Pan paniscus) äußern ihre typischen "Peep"-Töne, die sich stark ähneln, in grundlegend verschiedenen Situationen. Vermutlich hänge ihre Bedeutung daher, ähnlich wie bei vielen Lauten menschlicher Babys, vom jeweiligen Kontext ab.

Die Forscher analysierten in der Demokratischen Republik Kongo "Peep"-Rufe einer wildlebenden Bonobo-Gruppe von etwa 40 Tieren zwischen Oktober 2013 und März 2014. Die Autoren beschreiben die charakteristischen "Peeps" als hohe, kurze Töne, die die Bonobos mit geschlossenem Mund und meist neutraler Miene äußern. Dies tun sie in sehr unterschiedlichen Situationen – etwa beim Essen, Laufen, Ruhen, bei der Fellpflege, beim Streiten oder als Warnung.

Bonobos kennen den Kontext

Unabhängig davon, ob es sich um neutrale, positive oder negative Gefühle handelte, waren die Laute akustisch kaum voneinander zu unterscheiden, schreiben die Forscher. Zum Vergleich: Andere Tiere setzen bestimmte Töne nur in ganz speziellen Situationen ein. Dass bei den Bonobos die Bedeutung vermutlich vom Kontext abhängt, werten die Forscher als eine Voraussetzung für die Entwicklung von Sprache.

"Die Laute der Bonobos sind flexibel, denn die Töne tragen je nach Situation verschiedene Bedeutungen: ein sprachliches Merkmal, das wir auch bei menschlichen Säuglingen sehen", schreiben sie. Erstautorin Clay erklärt: "Je genauer wir hinschauen, desto mehr Ähnlichkeiten entdecken wir zwischen Tieren und Menschen." Die Töne der Bonobos könnten möglicherweise einen evolutionären Übergang von einfachen zu flexibleren Kommunikationsformen darstellen. Diese Art der Verständigung könnte bei gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Bonobos vor etwa sechs bis zehn Millionen Jahren entstanden sein.

Der Bonobo-Forscher Martin Surbeck vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hält eine andere Erklärung für möglich: "Vielleicht piepen Bonobos in ganz verschiedenen Situationen, um den Gruppenzusammenhalt zu stärken", sagt er. Das täten auch andere soziale Arten wie etwa Erdmännchen. Dennoch seien Bonobos Menschen in vieler Hinsicht ähnlich. So bleiben Männchen stets im Familienbund oder gehen eine starke Bindung mit der Mutter ein. "Bonobos sind auch sehr empathisch", sagt Surbeck. Zudem seien sie sehr friedfertig. Die früher als Zwergschimpansen bezeichneten Bonobos bilden zusammen mit dem Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) die einzigen beiden Arten der Gattung Schimpanse (Pan).

Quelle: ntv.de, ail/dpa

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