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Nicht nur für Impfstoff Bund verdreifacht Mittel für Covid-Forschung

Eine Laborantin bereitet Proben für Corona-Tests für die weitere Analyse vor. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archiv/Symbolbild

45 Millionen Euro sollen in die 90 Projekte gesteckt werden.

(Foto: Sven Hoppe/dpa/Archiv/Symbolbild)

Die Bundesregierung beschließt, die Fördermittel zur Forschung rund um das Coronavirus zu verdreifachen. Insgesamt soll das Geld in 90 Projekte investiert werden, die ein breites wissenschaftliches Spektrum abdecken. Dies sei essenziell, um das Virus und seine Verbreitungswege besser zu verstehen.

Für die Erforschung wirksamer Strategien und Therapien gegen das Coronavirus hat das Bundesforschungsministerium die Fördermittel deutlich erhöht. "Wir wollen 45 Millionen Euro in knapp 90 herausragende Projekte investieren", kündigte Ministerin Anja Karliczek an. Die ursprünglich vorgesehenen Mittel für den Aufruf zur Erforschung des Coronavirus würden damit verdreifacht. Die ersten Forschungsprojekte seien bereits gestartet.

"Die Biologie des Virus und seine Verbreitungswege noch besser zu verstehen, ist der Schlüssel für wirksame Therapien und weitere mögliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus", betonte Karliczek. "Gleichzeitig wollen wir untersuchen, wie sich die politischen Entscheidungen und sozialen Empfehlungen im Zusammenhang mit der Pandemie auf jeden einzelnen und unsere Gesellschaft als Ganzes auswirken."

Stärkung der Universitätsmedizin

Die geförderten Vorhaben decken laut Karliczek ein breites wissenschaftliches Spektrum ab: "Sie reichen von Grundlagenforschung über klinische Studien bis hin zur Analyse ethischer, rechtlicher und sozialer Fragestellungen im Zusammenhang mit der Pandemie."

Damit die Projekte so schnell wie möglich starten können, galten für den Förderaufruf vom 3. März besondere Bedingungen. In einem besonders schnellen Verfahren seien weit über 500 Projektideen von unabhängigen Experten begutachtet worden, sagte Karliczek. Die Förderung ergänze die bereits laufende Unterstützung des Ministeriums zur Impfstoffentwicklung und zur Stärkung der Universitätsmedizin, erläuterte das Ministerium.

Karliczek stellte beispielhaft vier Forschungsvorhaben vor. Eines der Projekte untersucht demnach, wie der soziale Austausch in Gemeinschaften und Familien von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beeinflusst wird. Daraus werden Strategien und Empfehlungen zum Umgang mit Unsicherheit und Sorgen abgeleitet.

Dreidimensionale Nachbildung aus Stammzellen

Um die Details einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus unter möglichst natürlichen Bedingungen erforschen zu können, lässt ein anderes Forschungsteam menschliche Lungenorganoide - also organähnliche Mikrostrukturen, die das Lungengewebe dreidimensional nachbilden - aus Stammzellen wachsen. Diese bieten ein verlässliches 3D-Modell, mit dem sich komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen Zelltypen des Lungengewebes untersuchen lassen.

Ziel einer weiteren Studie ist es, die Wirksamkeit der Behandlung von Corona-Patienten mit Plasma von Menschen zu untersuchen, die eine Infektion überstanden und Antikörper bildeten. Eine andere Studie widmet sich der Frage, welche Faktoren den Schweregrad der Krankheit bestimmen. Untersucht wird hier der Einfluss genetischer Signaturen auf den Krankheitsverlauf, beispielsweise ob Blutgruppen für den Infektionsprozess oder die Schwere der Erkrankung relevant sind.

Quelle: ntv.de, nan/AFP