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Auswirkungen wie Bürgerkrieg Corona drückt Lebenserwartung der Spanier

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Nicht nur in Barcelona wird mit weiteren Corona-Toten gerechnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie tödlich ist das Coronavirus? Darüber wurde lange gestritten. Nun rechnen spanische Forscher aus, wie sich die Pandemie auf die Lebenserwartung ihres Landes auswirkt. Sie kommen zu "besorgniserregenden" Ergebnissen.

Spanien gehört zu den Ländern, die bereits im Frühjahr mit am stärksten von der Corona-Pandemie getroffen wurden. Als erstes EU-Land wurde dort die Schwelle von einer Million Corona-Infizierten überschritten. Neben Katalonien gab es auch in der Hauptstadt Madrid unzählige Covid-19 Erkrankungen mit vielen Toten. Die Auswirkungen zeigen sich nun auch in der Lebenserwartung des Landes.

Wissenschaftler des spanischen Zentrums für demografische Studien kommen zu dem Schluss, dass die Lebenserwartung auf dem Höhepunkt der Krankheitswelle in Madrid für zwei Wochen um 15 Jahre sank. Auf das ganze Jahr bezogen könnte die Lebenserwartung in Madrid bei Männern um 2,8 Jahre sinken. Auf ganz Spanien bezogen könnte die Lebenserwartung um 11 Monate zurückgehen. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin "PLOS ONE!" veröffentlicht.

Normalerweise gehört Spanien zu den Ländern mit der höchsten Lebenserwartung; es lag zuletzt mit über 83 Jahren auf Platz zwei hinter Japan. Auch deshalb spricht Sergi Trias-Llimos vom Zentrum für demografische Studien gegenüber der Internetzeitung "El Confidencial" von "sehr hohen und besorgniserregenden Zahlen".

Kanaren blieben verschont

Bis zum 19. Juli wurden in Spanien 28.000 Covid-19-Todesfälle registriert. Die Zahl ist vermutlich noch höher, da möglicherweise nicht alle Erkrankungen erkannt wurden. Zudem könnte es auch bei anderen Erkrankungen zu einer gestiegenen Sterblichkeit gekommen sein, weil Menschen aus Angst vor einer Infektion auf lebenserhaltende Therapien verzichtet haben oder in einem überforderten Gesundheitswesen nicht behandelt werden konnten.

Für ihre Studie verwendeten die Forscher die Zahlen des spanischen Daily Mortality Monitoring System (MoMo) sowie Informationen aus Sterbeurkunden, Bevölkerungszahlen und demografische Informationen des spanischen Nationalen Statistikinstituts. Auf dieser Basis schätzte das Team die wöchentliche und jährliche Lebenserwartung.

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Besonders deutlich ist der Anstieg der Todesfälle in den Kalenderwochen 13 und 14 (23. März bis 5. April). In Madrid kam es in dieser Zeit zu einem Rückgang der Lebenserwartung um 11,2 Jahre bis 14,8 Jahre. In Katalonien betrug der Rückgang zwischen 8,4 und 9,4 Jahren. Betroffen waren auch die Regionen Kastilien-La Mancha und Kastilien y León, während Galizien und Asturien im Nordwesten und Murcia im Süden sowie die Kanarischen Inseln weitgehend verschont blieben. Ab der 21. Kalenderwoche (18. bis 24. Mai) hatten die wöchentlichen Berechnungen der Lebenserwartung wieder in etwa das Niveau von 2019 erreicht.

Trias-Llimos weist darauf hin, dass es in Spanien seit dem Bürgerkrieg kein so deutliches Absinken der Lebenserwartung mehr gegeben hat. Die Forscher gehen auch davon aus, dass vermutlich im nächsten Jahr die Lebenserwartung noch weiter absinken wird, da es derzeit erneut "eine Übersterblichkeit aufgrund der zweiten Welle" gibt". Die Übersterblichkeit beschreibt den Zuwachs an Todesfällen im Jahr 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre.

Quelle: ntv.de, sba