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Gefahr in Inkubationszeit Coronavirus ist ohne Symptome übertragbar

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Kein vollständiger Schutz: Reisende in einer Pekinger U-Bahn-Station werden auf Fieber kontrolliert. Allerdings können auch Infizierte ohne Symptome das Virus übertragen.

(Foto: AP)

Forscher haben herausgefunden, dass sich das neue Coronavirus in einem wichtigen Punkt von dem Sars-Erreger aus dem Jahr 2002 unterscheidet: Infizierte Menschen können das Virus weitergeben, bevor die Lungenkrankheit bei ihnen ausgebrochen ist.

Die Inkubationszeit des neuen Coronavirus hinter der sich schnell ausbreitenden Lungenkrankheit in China ist meist etwa zehn Tage. In dieser Zeit könnten infizierte Menschen das Virus bereits weitergeben, warnen Experten. Die Inkubationszeit ist die Zeitspanne zwischen der Infektion mit einem Erreger und dem Auftreten erster Symptome.

Wie der Direktor der nationalen Gesundheitskommission, Ma Xiaowei, in Peking berichtete, sei die kürzeste registrierte Inkubationszeit aber auch nur ein Tag gewesen - die längste 14 Tage. Die Infizierten seien in dieser Zeit bereits ansteckend, auch wenn noch keine Symptome erkennbar seien. Das unterscheide die neue Variante des Coronavirus von dem eng verwandten Sars-Erreger, der die Pandemie 2002/2003 ausgelöst hatte.

Auch eine Studie im britischen Fachjournal "Lancet" hatte ergeben, dass das Virus auch von Personen weitergegeben werden könne, die noch keine Erkältungssymptome zeigen. Die Forscher bezogen sich auf eine Familie in der chinesischen Stadt Shenzhen. Zwei Mitglieder hatten in Wuhan Kontakt zu einem erkrankten Verwandten im Hospital. Am Ende hatten sechs Familienmitglieder das Virus, darunter eines, das nicht einmal in Wuhan war. Ein infiziertes Kind zeigte keine Symptome. Bei der Sars-Pandemie waren vor 17 Jahren rund 8000 Menschen infiziert worden, von denen knapp 800 starben.

Um das Ansteckungsrisiko zu senken, sollen den chinesischen Behörden zufolge Reisende aus der Stadt Wuhan, wo das Virus zuerst aufgetaucht war, 14 Tage lang zur medizinischen Beobachtung zu Hause bleiben. Nach einer Anordnung der Gesundheitskommission muss sich jeder, der kürzlich in der von der Lungenkrankheit schwer betroffenen Provinzhauptstadt von Hubei war, bei den Behörden melden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag meldete. Auch sollen sie sich selber für zwei Wochen zu Hause isolieren, um zu sehen, ob die Viruskrankheit ausbricht.

Universitäten und Schulen bleiben geschlossen

Zudem bleiben in der Hauptstadt Peking Universitäten und Kindergärten auch über das Ende der Ferien zum Neujahrsfest hinaus geschlossen. Wie lange damit die Ferien verlängert werden, ließ die Bildungskommission der chinesischen Hauptstadt am Sonntag offen. Normalerweise hätten die Universitäten je nach Hochschule die Vorlesungen zwischen dem 9. und 23. Februar wieder aufgenommen. In den Grund- und Mittelschulen sollte ursprünglich am 16. Februar der Unterricht wieder beginnen.

Trotz drastischer Gegenmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China ist die Zahl der Todesopfer der Lungenkrankheit inzwischen auf 56 gestiegen. Nahezu 2000 Menschen haben sich mit dem Virus offiziellen Angaben zufolge infiziert. Weltweit kommen nach bisherigen Informationen rund 30 bestätigte Fälle hinzu - darunter drei Patienten in Frankreich, wobei es sich um die ersten bekannt gewordenen Erkrankungen in Europa handelt.

Inzwischen wurden mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen Chinas weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt. Wie das Staatsfernsehen berichtete, verkündeten am Sonntag weitere Regionen Einschränkungen des Verkehrs. Demnach stellt die ostchinesische Provinz Shandong ihren Busverkehr mit anderen Städten und Provinzen ein. Gleiches gilt für die zentralchinesische Metropole Xi'an. Bereits am Samstag hatte auch die Hauptstadt Peking ähnliche Beschränkungen verhängt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa