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Studie mit brisantem Ergebnis Effekt von Schulschließungen "nahezu null"

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"Im Ergebnis lässt die Studie Zweifel aufkommen, ob Schulschließungen eine adäquate Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie sind."

(Foto: imago images/Michael Weber)

Während Bund und Länder noch um die Corona-Strategie für die Weihnachtsfeiertage feilschen, ist weiterhin unklar, welche Orte die zweite Welle in Deutschland ausgelöst haben. Eine Studie kommt nun zu dem Ergebnis: Die Schulen waren es nicht. Daher müsse man sie auch nicht schließen.

Schulen spielen in Deutschland einer Studie zufolge bislang keine große Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus. Die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien habe weder bei Kindern noch bei Erwachsenen zu erhöhten Infektionszahlen geführt, teilte das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen mit. Gleichzeitig hätten die Ferien auch nicht zu einem signifikanten Sinken der Infektionszahlen geführt.

Die Studie basiert auf Daten des Robert-Koch-Instituts. Für die Analyse wurden statistische Methoden angewandt, welche die zeitversetzten Beginn- und Endpunkte der Ferien in den Bundesländern ausnutzen.

Der Effekt der Schulschließungen liegt demnach bei nahezu null. Während der Ferien waren die Kinder einem ähnlichen Infektionsrisiko ausgesetzt wie während des Schulbetriebs. Auch in den Herbstferien kam es zu keiner signifikanten Verringerung der Infektionen. Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass die Schulschließungen im Sommer und Herbst Auswirkungen auf die Ansteckungswahrscheinlichkeit Erwachsener hatten.

Kein Beitrag von Schulen zur zweiten Welle

Nach dem Ende der Sommerferien kam es nicht zu einem Anstieg der Infektionen. Vielmehr stieg die Zahl in den letzten Wochen der Sommerferien, bevor sie vor allem bei den jüngeren Altersgruppen in den ersten Tagen nach Schulbeginn wieder sanken.

Die Annahme, dass die Rückkehr zum vollen Schulbetrieb nach den Sommerferien wesentlich zur zweiten Welle der Corona-Pandemie beigetragen habe, erscheine unbegründet, erklärten die Forscher. Grund dafür seien möglicherweise die in den Schulen eingeführten Regeln zur Verhinderung von Ansteckungen. "Im Ergebnis lässt die Studie Zweifel aufkommen, ob Schulschließungen eine adäquate Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie sind."

Lüften besser als Filtergeräte

Zuvor hatten Forscher eine Studie zur Lufthygiene in Schulen veröffentlicht: Laut der Untersuchung hessischer Wissenschaftler ist das Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer als der Einsatz von Luftfiltergeräten. Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hatten dafür in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule die Wirkung auf zuvor freigesetzte Aerosole ermittelt, die per Ventilator im Raum verteilt wurden.

"Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent senkte", teilte die THM mit. Mit vier mobilen Luftfiltergeräten in dem Raum sei nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden. Die Wissenschaftler verweisen zudem auf den Lärm beim Betrieb der Geräte und die hohen Kosten bei der Anschaffung.

Derzeit ist unklar, wie es für die Schüler in den nächsten Wochen weitergeht. Bund und Länder hatten ihre Entscheidung über das weitere Vorgehen im Zuge der Corona-Pandemie auf den morgigen Mittwoch verschoben.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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