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Studie untersucht Immunisierung Ein Antikörper könnte vor Malaria schützen

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Das Mainzer Unternehmen Biontech plant, einen mRNA-Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es bislang keinen Impfstoff gegen Malaria. Eine neue Studie macht nun allerdings Hoffnung: Demnach kann die einmalige Gabe eines bestimmten Antikörpers Menschen mindestens neun Monate lang vor der gefährlichen Infektionskrankheit schützen.

Ein Antikörper kann Menschen nach einmaliger Gabe mindestens neun Monate lang vor Malaria schützen. Das zeigt eine kleine US-Studie, die vor allem die Sicherheit des Antikörpers prüfen sollte. Von jenen neun Teilnehmern, die den Wirkstoff CIS43LS erhielten, erkrankte nach einer gezielten Infektion niemand, wie das Team um Robert Seder von der US-Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) im "New England Journal of Medicine" berichtet. Dagegen erkrankten fünf von sechs Menschen aus der unbehandelten Kontrollgruppe.

Malaria zählt weltweit zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten: Im Jahr 2019 registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 229 Millionen Erkrankungen und mehr als 400.000 Todesopfer, die meisten von ihnen Kinder in Afrika südlich der Sahara. Obwohl Wissenschaftler seit Jahrzehnten an einem Impfstoff forschen, ist bislang kein Präparat zugelassen.

So wirkt der Antikörper

Das liegt einerseits an der regionalen Vielfalt des Erregers Plasmodium falciparum und andererseits an seinem komplexen Lebenszyklus: Die durch Stiche bestimmter Mückenarten übertragenen Parasiten nisten sich als sogenannte Sporozoiten zuerst in der Leber ein und vermehren sich dort. Malaria-Symptome treten erst dann auf, wenn die Parasiten später ins Blut gelangen und massenhaft rote Blutkörperchen befallen. Der nun geprüfte Antikörper bindet an ein bestimmtes Protein auf der Oberfläche der Sporozoiten, das bei allen Varianten auftritt. Er soll die Parasiten abfangen, bevor sie in die Leber gelangen.

Im ersten Teil der Studie, die die Sicherheit prüfte, wurde der Antikörper 21 Teilnehmern entweder intravenös in verschiedenen Dosierungen oder aber unter die Haut injiziert. Die Forscher registrierten in den folgenden sechs Monaten kaum Nebenwirkungen. In der zweiten Phase wurden neun Teilnehmer, die den Antikörper bekommen hatten, sowie sechs weitere Menschen gezielt den Stichen infizierter Mücken ausgesetzt. In den folgenden drei Wochen erkrankten fünf der sechs Menschen aus der Kontrollgruppe, aber keine Teilnehmer, die den Antikörper bekommen hatten. Kontrolliert infiziert wurden nur Teilnehmer, die den Antikörper intravenös bekommen hatten. Bei den anderen, die ihn subkutan bekamen, verhinderte die Corona-Pandemie zunächst das weitere Vorgehen.

Angesichts der Resultate schreibt das Team von einem ermutigenden Machbarkeitsnachweis ("proof of concept"), dass der Antikörper grundsätzlich schützen könne. Derzeit prüft bereits eine Phase-2-Studie in Mali die Sicherheit und Wirksamkeit des Antikörpers in größerem Maßstab und jenseits von Laborbedingungen. Resultate werden Anfang kommenden Jahres erwartet. "Monoklonale Antikörper können einen neuen Ansatz darstellen, um Malaria bei Reisenden, Militär und Gesundheitspersonal zu verhindern", wird Seder in einer NIH-Mitteilung zitiert.

Kommt bald eine Malaria-Impfung?

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Erst kürzlich hatten ebenfalls NIH-Mitarbeiter nach einer kleinen Phase-1-Studie im Fachblatt "Nature" Hoffnungen auf eine Malaria-Impfung geweckt. Darin schützte eine dreimal verabreichte Impfung die Teilnehmer mindestens drei Monate lang vor verschiedenen Stämmen des Erregers. Allerdings war der Aufwand deutlich größer: Zunächst bekamen die Teilnehmer infektiöse Sporozoiten intravenös injiziert. Zusätzlich bekamen sie das Mittel Chloroquin, das die Erreger unschädlich macht, wenn sie nach dem Leber-Stadium ins Blut gelangen. Drei Monate später wurden sechs Teilnehmer gezielt mit Malaria-Erregern infiziert - und keiner erkrankte.

Ende Juli hatte das Mainzer Unternehmen Biontech angekündigt, in den kommenden Jahren einen mRNA-Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln. Man plane den Start einer klinischen Studie bis Ende 2022, teilte das Unternehmen mit. Ein mRNA-Impfstoff enthält den Bauplan für einen Teil des Erregers, gegen den der Körper dann eine Immunantwort aufbauen kann.

Quelle: ntv.de, law/dpa

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