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Wird Einstein recht behalten? Erstes Bild von Schwarzem Loch erwartet

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Computergrafik des Ereignishorizonts um das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie.

(Foto: M. Moscibrodzka, T. Bronzwaar und H. Falcke, Radboud University)

Astronomen wollen der Welt das erste Bild eines Schwarzen Lochs präsentieren. Die Aufnahme stammt von einem virtuellen Riesenteleskop, das so groß ist wie die Erde. Seine Aufnahmen könnten unser Verständnis vom Universum revolutionieren.

Kaum ein anderes Objekt im All fasziniert Menschen wie Schwarze Löcher. Sie sind der tödliche Gegenentwurf zur Erde, alles in ihrer Umgebung verschlingende Abgründe. Hat man einmal ihre Schwelle überschritten, gibt es kein Zurück mehr. Auch Licht kann ihrer gewaltigen Gravitation nicht entkommen, was sie für das menschliche Auge unsichtbar macht.

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Doch Astronomen wollen nun einen Weg gefunden haben, sie sichtbar zu machen. Vor knapp 20 Jahren hatten Forscher um den deutschen Astronomen Heino Falcke die Idee, mehrere Radioteleskope auf der ganzen Welt zusammenzuschalten. Sie wollen so den "Schatten" des riesigen Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxie einfangen. Am Mittwoch könnte die Welt erfahren, ob die Methode Erfolg hatte. Und alles deutet bisher darauf hin.

Im April 2017 wurden Radioteleskope an acht Standorten auf der ganzen Welt für eine Woche auf das Zentrum unserer Galaxie gerichtet. Dort wird ein gigantisches Schwarzes Loch vermutet, das den Namen Sagittarius A* trägt. Es ist den Forschern durch die Radiowellen bekannt, die es aussendet. Aus ihnen wollen die Wissenschaftler ein Bild zusammenfügen, auf dem der sogenannte Ereignishorizont ("Event Horizon") des Schwarzen Lochs sichtbar wird. Dieser setzt sich laut Berechnungen optisch wie eine dunkle Silhouette von der hell leuchtenden Umgebung aus heißem Gas ab. Das Mammut-Projekt trägt daher auch den Namen "Event Horizon Telescope" (EHT).

"Monster" im Sternbild Jungfrau im Visier

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Auch ein anderes Objekt nahmen die Astronomen ins Visier: das Schwarze Loch im Zentrum der gigantischen Galaxie Messier 87 im Sternbild Jungfrau. Es handelt sich um ein wahres Monster - es ist so schwer wie sieben Milliarden Sonnen und speit einen energetischen Jet Tausende Lichtjahre weit ins All. Das Objekt ist rund 54 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt.

Noch weiß niemand, ob es den Astronomen wirklich gelungen ist, ein Bild von einem oder sogar beiden Schwarzen Löchern zu machen. Das EHT-Team hielt sich zuletzt mit Auskünften bedeckt. Am 10. April werden die Forscher um 15 Uhr MESZ das Rätsel lüften, zeitgleich an mehreren Orten auf der Welt. Am Sitz der EU-Kommission in Brüssel wird dies auch vom geistigen Schöpfer des Projekts, Heino Falcke, begleitet. "Ich bin ein bisschen nervös", kommentierte er das Ereignis auf Twitter.

Das erste Bild eines Schwarzen Lochs könnte bahnbrechende Erkenntnisse liefern. Astronomen können damit etwa überprüfen, ob die Vorhersagen von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie tatsächlich zutreffen. Zudem hoffen die Forscher, eine Erklärung für die energetischen Jets von supermassereichen Schwarzen Löchern zu finden. Unser Verständnis von Schwarzen Löchern, Gravitation und vielleicht sogar dem ganzen Universum könnte sich grundlegend ändern.

Quelle: n-tv.de

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