Wissen

"Sehr schmelzintensiver Sommer" Extremwetter lässt Gletscher schrumpfen

2f919e762bf81000b8f733facb79b1e1.jpg

Der längste und größte Eisfluss der Alpen: Blick auf den schrumpfenden großen Aletschgletscher.

(Foto: dpa)

Der ungewöhnlich heiße Sommer könnte eine bedrohliche Entwicklung in den Alpen beschleunigen. Mit Sorge blicken Experten auf die abschmelzenden Eismassen in den Bergen. Der Schnee des letzten Winters ist auf vielen Gletschern längst verschwunden.

Der Hitzesommer hat den Alpengletschern stark zugesetzt. "Es gibt schon Anzeichen, dass der Sommer sehr schmelzintensiv war", bestätigte der Schweizer Glaziologe Andreas Bauder erste Befürchtungen. "Viele Gletscher sind in den vergangenen Monaten bereits komplett ausgeapert." Der Winterschnee ist demnach auf der gesamten Gletscherfläche bereits restlos abgetaut.

Das vollständige Ausapern sei für den Zustand des Gletschers doppelt problematisch, heißt es: Zum einen reflektiert der hellere Winterschnee die Sonne besser und schützt die darunter liegenden dunkleren Eisschichten vor Sonneneinstrahlung, wie Bauder erklärte. Zum anderen ist Winterschnee nötig, damit die Gletscher Rücklagen bilden können.

Durch den außergewöhnlich warmen Sommer ist die Regeneration des Gletschers vorerst komplett unterbrochen: Denn unter normalen Umständen werden die Lagen des Winterschnees, der den Sommer überdauert, über Jahre kompakter, bis sie sich schließlich in Gletschereis verwandeln. Dabei waren im zurückliegenden Winter in den westlichen Alpen außergewöhnlich große Mengen an Neuschnee gefallen. Wetterexperten sprachen in diesem Zusammenhang sogar von einem Rekordwinter.

Die Gletscher sind für die Ökosysteme der Alpen und bis weit hinein ins Flachland hinein von herausragender Bedeutung. Als natürliche Trinkwasserspeicher halten sie riesige Mengen an Niederschlägen zurück, die ansonsten während der Schneeschmelze im Frühjahr ungebremst zu Tal fließen würden. Auch die Wasserstände in großen Strömen wie etwa dem Rhein hängen letztlich von der Entwicklung der Alpen-Gletscher ab.

Die Alpen bröckeln

Wenn der Boden rund um den Gletscher auftaut, kommen noch ganz andere Probleme hinzu: In den Gipfelregionen der Alpen kann der Felsuntergrund instabil werden. Wenn der Permafrost im Untergrund zu tauen beginnt, laufen Erosionsprozesse plötzlich beschleunigt ab - mit teils dramatischen Folgen: Im Schweizer Kanton Graubünden rutschten im vergangenen Jahr dadurch bereits ganze Bergflanken ab.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels halten Schweizer Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) das Gletschersterben in den Alpen genau im Blick. Genaue Zahlen zur aktuellen Situation gibt es noch nicht. Gemessen wird üblicherweise erst im September. Die Auswertung der Daten aus dem Schweizerischen Gletschermessnetz wird im Oktober erwartet.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema