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Not macht erfinderisch Forscher bauen einfaches Atemgerät selbst

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Das einfache Atemgerät gibt es für 67 Euro.

(Foto: R. Farré / UB)

Spanien ist hart von der Corona-Pandemie getroffen. Es gibt viele schwer Erkrankte. Aus diesem Grund entwerfen Forscher ein einfaches Gerät für Patienten, die beim Atmen Unterstützung brauchen, und testen es an Freiwilligen. Sowohl die Ergebnisse als auch der Preis für die Teile aus dem Internet lassen aufhorchen.

Die meisten Covid-19-Patienten in Krankenhäusern haben Probleme beim Atmen. Aus diesem Grund wird ihre Atmung oft durch eine Maske und ein Gerät unterstützt. In einigen Kliniken gibt es jedoch zu wenige Geräte. Ein Forscherteam um Professor Ramon Farré von der Universität Barcelona hat deshalb nun ein eigenes Gerät entworfen, zusammengebaut und getestet. Die wesentlichen Teile dafür konnten im Internet bestellt werden, berichtet das "Deutsche Ärzteblatt".

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Frau mit Atemunterstützung.

(Foto: imago images/YAY Images)

Bei der sogenannten Maskenbeatmung handelt es sich um ein nicht-invasives Verfahren, bei dem der Patient selbstständig atmet. Das Gerät erhöht lediglich den Luftdruck und hilft so beim Einatmen. Beim Ausatmen wird der Druck dann wieder gesenkt. So wird auch das Atmen durch das Gerät unterstützt. Atemgeräte mit Masken dieser Art werden auch zur Behandlung von Personen mit Atemaussetzern im Schlaf, der sogenannten Schlaf-Apnoe eingesetzt. Die Kosten dafür liegen bei rund 2500 Euro.

Mit Teilen aus dem Internet

Das Gerät Marke Eigenbau besteht aus einem Hochdruckgebläse, zwei Drucksensoren und einem Controller mit digitalem Display. Alle diese Komponenten sind im Internet für insgesamt umgerechnet 67 Euro erhältlich. Dazu kommen die Kosten für die Anschlussschläuche, die Maske und die Zeit für den Zusammenbau des Gerätes. Damit ist das Do-it-yourself-Gerät um ein Vielfaches preiswerter als kommerzielle Geräte, die Kliniken sonst kaufen.

Die Forscher wollten nun auch wissen, wie gut ihr Gerät funktioniert. Sie fanden zwölf gesunde Freiwillige. Bei ihnen wurden mit eng um den Brustkorb geschnürten Gürteln Atemprobleme simuliert. Die Probanden wurden gebeten, über Wohlergehen oder Unbehagen zu berichten. Bei den Tests konnte die Atemunterstützung an die Spontanatmung der Probanden angepasst werden. Zudem wurde das Gerät für technische Tests an einem Patientensimulator angeschlossen und bestand auch dort. Die Forscher sahen, dass ihr Gerät sowohl bei den Freiwilligen als auch am Simulator genauso gut funktioniert wie die kommerziellen Geräte, schreiben sie in einer Mitteilung der Universität Barcelona.

Aus diesem Grund entschieden sie sich, den Bauplan im "European Respiratory Journal" zu veröffentlichen. Gleichzeitig wiesen sie Kollegen darauf hin, dass dieses DIY-Atemgerät nur bei Patienten mit leichter Atemnot eingesetzt werden sollte. Das kostengünstige Gerät könnte vor allem in Kliniken mit begrenzten Mitteln Abhilfe schaffen und Patienten helfen.

Quelle: ntv.de, jaz

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