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Übergewicht und Covid-19 Hoher BMI führt zu schweren Verläufen

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Fettleibige Menschen können Probleme beim Atmen haben.

(Foto: imago/China Foto Press)

Klar ist, dass Erkrankungen wie Diabetes oder COPD und Covid-19 eine riskante Kombination darstellen. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass ein weiterer körperlicher Faktor zu schweren Verläufen bei der Lungenkrankheit führen kann: Fettleibigkeit.

Je länger die Pandemie durch Sars-CoV-2 anhält, umso mehr weiß man über das Virus und die damit verbundene Erkrankung. Forscher aus Frankreich und China haben nun in verschiedenen Untersuchungen über mögliche Auswirkungen von Übergewicht bei ihren Covid-19-Patienten berichtet. Das Team um Arthur Simonnet vom Universitätsklinikum Lille bezog die Daten aller 124 Covid-19 Patienten, die vom 27. Februar bis zum 5. April 2020 auf der Intensivstation des Klinikums behandelt wurden, in ihre Untersuchung mit ein. Sie stellten schon vorab fest, dass etwas mehr als drei Viertel aller Patienten Fettleibigkeit oder schwere Fettleibigkeit aufwiesen. Die Einordnung wurde aufgrund des Body-Mass-Index (BMI) vorgenommen.

Zunächst wurde nachgeschaut, wie sich der BMI und die Notwendigkeit zur künstlichen Beatmung mit einer Intubation zueinander verhielten. Von den 124 intensivmedizinisch behandelten Patienten mussten 85 über einen Tubus beatmet werden, schreiben die Forscher in ihrem Bericht, der im Wissenschaftsjournal "Obesity" veröffentlicht wurde. Von denen hatten 56 Prozent einen BMI von über 30 und weitere 38 Prozent einen BMI von über 35. Die Forscher stellten aufgrund ihrer Daten fest, dass die Notwendigkeit zur Beatmung graduell mit dem BMI ansteigt, so dass sie bei Patienten mit einem BMI von 35 und höher sogar 90 Prozent erreicht.

Ähnliche Ergebnisse gab es auch schon aus Wuhan, dem ersten Infektionsherd für die Verbreitung des neuartigen Coronavirus. Forscher hatten die Daten von insgesamt 112 Covid-19-Patienten, die im Zeitraum vom 20. Januar bis zum 15. Februar im Union Hospital in Wuhan behandelt worden waren, gesammelt und ausgewertet. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Demnach hatten 88,2 Prozent der an Covid-19 Verstorbenen einen BMI über 25 und galten damit als übergewichtig beziehungsweise fettleibig. Bei den Überlebenden hatten lediglich 18,9 Prozent einen BMI, der höher als 25 lag.

ACE-Rezeptoren im Fettgewebe

Die Daten legen einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und der Schwere von Covid-19 nahe. Wie genau überflüssige Pfunde sich auf das Virus auswirken, kann zu diesem Zeitpunkt jedoch niemand erklären. Es gibt erste Hinweise darauf, dass sich an den Zellen im Fettgewebe die sogenannten ACE2-Rezeptoren befinden. Diese benötigt das neue Coronavirus, um sich an die Zelle anzudocken und zu vermehren.

Forscher aus China sind noch einen Schritt weiter. Sie haben festgestellt, dass die sogenannte ACE-Expression im Fettgewebe höher ist als im Lungengewebe. Das könnte bedeuten, dass Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit anfälliger sind, sich mit dem Virus zu infizieren, als Menschen mit Normalgewicht.

Bekannt ist, dass ein hoher Körperfettanteil dazu führt, dass Botenstoffe freigesetzt werden, die Entzündungen fördern und die Immunreaktionen des Körpers dementsprechend negativ beeinflussen. Darüber hinaus sind Menschen mit sehr hohem Körpergewicht oftmals kurzatmig. Das Körperfett im Bauchraum kann Atmung und Lungenfunktion einschränken.

Auch wenn bisher abschließende wissenschaftliche Erkenntnisse zur Rolle von Übergewicht und Fettleibigkeit auf den Verlauf von Covid-19 noch ausstehen, könnten die ersten Ergebnisse auf einen weiteren unabhängigen Risikofaktor hinweisen. Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit sind deshalb besonders aufgerufen, in der Pandemie besonders vorsichtig zu sein und Abstand zu halten, um sich nicht zu infizieren.

Quelle: ntv.de, jaz