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Heftige Stürme und Starkregen Ist das schon der Klimawandel?

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Heftige Regenfälle überschwemmten auch in Magdeburg die Straßen.

(Foto: imago images / Christian Schroedter)

Extreme Regenfälle prasseln zur Wochenmitte auf den Osten Deutschlands nieder und überfluten Straßen und Keller. Es drängt sich die Frage auf: Sind das schon die ersten Folgen des Klimawandels? Ein Experte erläutert gegenüber n-tv.de die Zusammenhänge.

Explosive Sommergewitter tobten zur Wochenmitte vor allem über dem Osten Deutschlands. Stürme erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern je Stunde. Sintflutartige Regenfälle überfluteten Straßen und Keller in Berlin und Potsdam. Der Zug- und Flugverkehr in der Hauptstadt musste zeitweise eingestellt werden. Der Deutsche Wetterdienst schrieb auf Twitter von einem Starkregen, der in manchen der betroffenen Gegenden nur alle 100 Jahre oder seltener vorkomme - zumindest rein statistisch.

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Für viele Menschen stellt sich die Frage: Sind das bereits die ersten Folgen des Klimawandels, die wir zu spüren bekommen? Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist man sich sicher: "Ja, der Klimawandel beschert uns immer häufiger und extremere Wetterlagen", sagt Meteorologe Peter Hoffmann zu n-tv.de. Das reiche von längeren Phasen mit Hitze und Trockenheit bis hin zu immer kräftigeren Starkniederschlägen an Gewittertagen.

Aber wie hängt das zusammen? "Die wichtigen Höhenwinde, die in unseren Breiten die Erde umkreisen, werden immer langsamer, weil die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Äquator kleiner werden", so Hoffmann. Dadurch könnten einzelne Wetterlagen viel länger an einem Ort "hängenbleiben" - und aus dem ersehnten Regen etwa eine Überschwemmung werden.

Regen fällt seltener, dafür intensiver

Auch für die Zukunft ist mit immer extremerem Wetter zu rechnen, warnt Hoffmann. "Im Sommerhalbjahr spüren wir das besonders in Form von Hitze und Unwettergefahr." Regen hingegen falle an immer weniger Tagen im Jahr und dafür intensiver. "Wir müssen uns also stärker auf Schwankungen zwischen den Extremen einstellen", so der Meterologe. Gleichzeitig betont er, wie wichtig es sei, dass "wir schnell eine wirksame Klimapolitik machen, denn nur so können wir diese Schäden begrenzen".

Auch Forscher aus Großbritannien warnten im vergangenen Jahr in einer Studie, dass die Häufigkeit von Extremstürmen über Europa in Zukunft zunehmen werde - bis zum Ende des Jahrhunderts werden es demnach dreimal so viele sein wie bisher. "Die Häufigkeit der besonders zerstörerischen extremen Sturmtiefs steigt deutlich an", schrieben Matt Hawcroft von der University of Exeter und sein Team.

Einzelne Studien kommen bereits zu dem Schluss, dass die Extremniederschläge in Deutschland in den Jahren 1901 bis 2000 zugenommen haben - aber bisher vor allem im Winter und in Westdeutschland, heißt es etwa in einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegeben Studie aus dem Jahr 2005. Für den Sommer hingegen wurde in der Untersuchung ein minimal gegenläufiger Trend festgestellt. Neuere Studien stützen diese Beobachtungen.

2018 war ungewöhnlich trockenes Jahr

Im vergangenen Jahr hat es in Deutschland insgesamt deutlich weniger geregnet als sonst: 2018 fielen nur rund 60 Prozent der üblichen Niederschläge, wie der Deutsche Wetterdienst auf seiner Klima-Pressekonferenz Ende März vermeldete. Vor allem die Monate April bis November seien außergewöhnlich trocken gewesen. Allerdings gibt es in Bezug auf Trockenheiten in Deutschland noch keinen erkennbaren Trend - laut dem Klimabericht der Bundesregierung von 2015 ist die Anzahl der Trockenperioden in Deutschland seit 1951 im Schnitt gerade mal um 0,3 Ereignisse pro Jahr angestiegen.

Sicher scheint aber, dass die Extremwetterlagen bei den Temperaturen zunehmen. Zwischen 1951 und 2018 ist in Deutschland die Zahl der "heißen Tag", also jene mit Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad Celsius, im Schnitt von drei auf mehr als sieben pro Jahr angestiegen. Das ergeben langjährige Messreihen des Deutschen Wetterdienstes.

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Quelle: n-tv.de

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