Wissen

Embryo aus Mensch und Tier Japan erlaubt Geburt von Mischwesen

Es klingt wie aus einem Film: ein künstlich erzeugter Embryo, der menschliche und tierische Zellen vereint. Ein Forscher darf weltweit zum ersten Mal in Japan eine Mensch-Tier-Chimäre bis zur Geburt reifen lassen. Das Experiment verfolgt ein klares Ziel.

Ein Japaner darf als erster Forscher weltweit Mensch-Tier-Chimären erzeugen und bis zur Geburt wachsen lassen. Die Regierung in Tokio unterstützt das Vorhaben, wie das Fachjournal "Nature" schreibt. Menschliche Zellen sollen demnach in Ratten- und Mäuse-Embryos eingepflanzt und von einem Leihmutter-Tier ausgetragen werden, erklärt Hiromitsu Nakauchi, der die Forscherteams an der Universität von Tokio und der Stanford-Universität in Kalifornien leitet.

Das Ziel der Forscher ist es, menschliche Organe in den Mischwesen für Transplantationen wachsen zu lassen. Die Technik soll eines Tages Patienten helfen, die auf Spenderorgane warten. Bei den menschlichen Zellen, die in die Tiere eingepflanzt werden sollen, handelt es sich um sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Die Zellen werden in ein frühes Entwicklungsstadium zurückversetzt, damit sie sich dann wieder in jede Art von Gewebe neu entwickeln können. Kritiker zweifeln daran, ob damit jemals Spenderorgane hergestellt werden können.

Mit Mensch-Tier-Chimären wurde in verschiedenen Ländern wie den USA bereits experimentiert. Doch die Embryos durften nur wenige Wochen im Mutterleib heranwachsen. Ein Gesetz in Japan, das bis vor Kurzem das Wachsen solcher Embryos nur bis zur 14. Woche erlaubte, wurde im März 2019 gekippt. Offiziell vom Wissenschaftsministerium genehmigt werden die Versuche wohl im August.

Embryos sollen 70 Tage in Schweinen wachsen

Nakauchi ist der erste Forscher, der von den Änderungen profitiert, will es aber offenbar langsam angehen lassen. Zunächst plant er einen Maus-Embryo 14,5 Tage wachsen zu lassen, bis sich die meisten menschlichen Organe gebildet haben. Danach will er das Gleiche mit Ratten-Embryos probieren und sie 15,5 Tage reifen lassen. Anschließend will er die Regierung um Erlaubnis bitten, einen Embryo in einem Schwein rund 70 Tage im Mutterleib wachsen zu lassen.

Fachleute äußerten ethische Bedenken. Eine Angst ist, dass die menschlichen Zellen nicht nur die Organe, sondern auch die Gehirnzellen verändern könnten. So könnte sich beispielsweise die Kognition der Tiere verändern. Nakauchi ist sich nach eigenen Angaben der Gefahr bewusst, will die menschlichen Zellen aber so genetisch anpassen, dass sie sich nur in einen bestimmten Zelltyp entwickeln können und damit nicht das Gehirn beeinflussen.

Quelle: n-tv.de, vck