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Jagd, Landwirtschaft, Abholzung Jede fünfte Reptilienart droht auszusterben

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Eine Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata) in freier Wildbahn auf Madagaskar: Schildkröten gehören zu den am stärksten gefährdeten Arten.

(Foto: Anders G.J. Rhodin, Chelonian Research Foundation/dpa)

Der Grad der Gefährdung von Vögeln, Amphibien und Säugetieren ist seit Langem bekannt. Für die Reptilien wird nun erstmals umfassend erfasst, wie sehr die Arten vom Aussterben bedroht sind. Die Studie eines Forscherteams stellt fest: Sie sind stärker gefährdet als Vögel, aber weniger als Säugetiere.

Rund 21 Prozent aller Reptilien sind vom Aussterben bedroht. Das hat eine Bewertung von mehr als 10.000 Reptilienarten ergeben, für die mehr als 900 Wissenschaftler Daten geliefert haben. Reptilien, zu denen Echsen, Schlangen, Krokodile und Schildkröten gehören, sind damit stärker gefährdet als Vögel (13,6 Prozent der Arten vom Aussterben bedroht), aber weniger stark gefährdet als Säugetiere (25,4 Prozent) und Amphibien (40,7 Prozent). Die Studie des internationalen Teams um Bruce Young von der Non-Profit-Organisation Natureserve in Arlington (Virginia, USA) ist in der Fachzeitschrift "Nature" erschienen.

"Umfangreiche Risikobewertungen für Vögel, Säugetiere und Amphibien sind seit weit über einem Jahrzehnt verfügbar", schreiben die Forscher. "Reptilien wurden hingegen bisher nicht umfassend bewertet." Deshalb haben sie die Beurteilung der vierten großen Gruppe der Landwirbeltiere in Angriff genommen. Das Team um Young verwendete für seine Analyse die Risikobewertungskriterien der Weltnaturschutzunion IUCN. Alle Reptilienarten, die in die Kategorien "gefährdet", "stark gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht" eingeordnet sind, gingen in die Gesamtzahl der vom Aussterben bedrohten Arten ein.

Schildkröten und Krokodile am stärksten gefährdet

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Gangesgavial (Gavialis gangeticus), ein fischfressendes Krokodil, in Indien. Die Art ist stark bedroht.

(Foto: Johannes Els/dpa)

Am stärksten gefährdet sind demnach Schildkröten (57,9 Prozent aller Arten) und Krokodile (50 Prozent), vor allem, weil Menschen Jagd auf sie machen. Aber auch vom Menschen eingeschleppte Arten sind den Forschern zufolge eine Bedrohung: Allein invasive Säugetiere auf Inseln gefährdeten 257 Reptilienarten (2,8 Prozent). Weitere Bedrohungen für Reptilien seien die Landwirtschaft, die Verstädterung und das Abholzen von Wäldern.

Von den in Wäldern lebenden Reptilienarten sind der Studie zufolge sogar 26,6 Prozent vom Aussterben bedroht, mehr als in anderen Ökosystemen. Auch bei den übrigen Landwirbeltieren seien Waldbewohner besonders stark bedroht. Aus diesem Grund helfen Schutzmaßnahmen, die Vögeln, Säugetieren und Amphibien zugute kommen, auch Reptilien, etwa Naturschutzparks, schreiben die Forscher.

"Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt"

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Doch das reiche nicht aus. "Da Reptilien so vielfältig sind, sind sie in einer Vielzahl von Lebensräumen einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt", wird der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Neil Cox von IUCN-Conservation International (Washington DC, USA) in einer Mitteilung seiner Institution zitiert. Eine weitere Autorin, Monika Böhm von der Zoological Society of London (Großbritannien), sagt: "Wir müssen jetzt das, was wir aus dieser globalen Bewertung von Reptilien gelernt haben, nutzen, um gezielte Schutzmaßnahmen vor Ort einzuleiten, den Erhaltungszustand dieser großartigen Kreaturen zu verbessern und das Rot umzukehren."

Besonders viele bedrohte Reptilien gibt es der Studie zufolge in Südostasien, Westafrika, Nordmadagaskar, in den nördlichen Anden und der Karibik. In australischen Trockengebieten, in den Wüsten Kalahari, Karoo und Sahara, im nördlichen Eurasien, in den Rocky Mountains und im nördlichen Nordamerika seien hingegen nur sehr wenige Arten gefährdet. Seit dem Jahr 1500 sind 31 Reptilienarten ausgestorben.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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