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Bakterien-Risiko reduziert Kläranlagen helfen gegen Resistenz-Problem

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Eine große europäische Vergleichsstudie hat ergeben: Moderne Kläranlagen verringern die Verbreitung von Resistenz-Genen.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

In Kliniken und Pflegeheimen weltweit machen resistente Krankheitserreger große Probleme, da sie auf Medikamente nicht mehr reagieren. Nun untersucht eine große europäische Studie, wie sich Kläranlagen auf Resistenzen auswirken. Das Ergebnis ist durchaus positiv - aber nicht in allen Ländern.

Kläranlagen spiegeln die Situation von Antibiotika-Resistenzen in einer Region recht zuverlässig wider. Eine europäische Vergleichsstudie zeigt die Belastung mit Resistenzgenen für sieben Länder, darunter Deutschland. Demnach können moderne Kläranlagen die Verbreitung von Resistenz-Genen verringern, wie das Team um Katariina Pärnänen von der Universität Helsinki und David Kneis von der Technischen Universität Dresden im Fachblatt "Science Advances" betont.

Antibiotika-Resistenzen sind ein großes Problem für die Medizin, da viele Krankheitserreger nicht mehr auf die Medikamente reagieren. "Antibiotika-resistente Bakterien und ihre Widerstandsgene breiten sich weltweit unter Menschen, Lebensmitteln, Tieren, Pflanzen und in der Umwelt (Boden, Wasser und Luft) aus", schreiben die Forscher. Bisher wisse man jedoch nur wenig darüber, wie sich Resistenzgene in der Umwelt entwickeln.

Zwölf Kläranlagen in sieben europäischen Ländern untersucht

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1. Antibiotika-Verbrauch nach Ländern (2015) 2. Anzahl der gegen Antibiotika resistenten E. coli-Bakterien in klinischen Proben (2015) 3. Ausmaß der Resistenz im Abwasser der untersuchten Länder. Gelb steht für niedrige, rot für hohe Werte.

(Foto: ECDC, Pärnänen et al./Antti Karkman/dpa)

Um das zu klären, untersuchte das internationale Team zwölf Kläranlagen in sieben europäischen Ländern - Zypern, Spanien, Portugal, Irland, Norwegen und Finnland sowie in Deutschland jeweils eine Anlage in einer großen Stadt in Sachsen und Baden-Württemberg. Dabei analysierten die Forscher an mehreren Tagen sowohl den Zulauf als auch den geklärten Ablauf auf 229 gängige Resistenzgene. Dies sei das erste Mal in Europa, dass man dies koordiniert länderübergreifend mit gleicher Methodik länderübergreifend überprüft habe, sagt Kneis.

Grundsätzlich wurden die Wissenschaftler in allen Anlagen fündig. Doch tendenziell fanden sie ein Süd-Nord-Gefälle: Die Belastung war in Südeuropa und auch in Irland deutlich höher als in Deutschland und Nordeuropa. Das passt dazu, dass in Südeuropa deutlich mehr Antibiotika verordnet werden. Grundsätzlich entsprachen die gefundenen Resistenzgene jenen von resistenten Bakterien, die in Krankenhäusern Probleme bereiten. Als Beispiele nennt das Team Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus.

Moderne Anlagen verringern Bakterienlast

Zusätzlich belegen die Analysen, dass die Anlagen die Bakterienlast verringern. "In dieser Studie milderten elf der zwölf untersuchten Kläranlagen das Resistenzproblem, was darauf hindeutet, dass moderne Anlagen diesbezüglich gut funktionieren", wird Studienleiter Marko Virta von der Universität Helsinki in einer Mitteilung seiner Einrichtung zitiert. Lediglich in einer portugiesischen Anlage war die Belastung des geklärten Wassers deutlich höher als die des ungeklärten.

Dennoch entlassen alle Kläranlagen noch Resistenzgene in die Umwelt. Dabei war die Belastung des geklärten Wassers in den südeuropäischen Ländern und Irland höher als in den drei nördlicheren Ländern. Das müsse aber nicht nur an der Zahl der Antibiotika-Verordnungen liegen, betont Kneis. Auch andere Faktoren spielten eine Rolle, darunter die Höhe der Niederschläge, die Antibiotika-Vergabe an Tiere in der Landwirtschaft, die Größe der Kläranlagen und insbesondere die Temperaturen. Denn viele der im menschlichen Verdauungstrakt lebenden Bakterien haben optimale Bedingungen bei über 30 Grad. "Daher ist es nicht überraschend, dass diese Bakterien in der Umwelt von wärmeren Regionen besser überleben", schreibt das Team.

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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