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"Superspreader" im Skigebiet Mann steckt elf Menschen mit 2019-nCoV an

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Der 53-Jährige wurde ganz ohne Symptome in eine Isolierstation im St. Thomas Krankenhaus in London aufgenommen.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus soll so schnell wie möglich gestoppt werden. Ein Ansatzpunkt dafür könnten sogenannte Superspreader sein. Einer von ihnen wird nun identifiziert. Ein Brite steckt nachweislich elf Menschen aus drei Ländern an, obwohl er selbst keine Symptome hat.

Manche Forscher sind der Auffassung, dass sich Epidemien eingrenzen lassen, wenn man schon zu Beginn der Krankheitsausbreitung Personen ausmacht, die sogenannte Superspreader sind. Diesen Personen, die ungewöhnlich viele andere mit Krankheitserregern infizieren, sollte nur der geringstmögliche Kontakt zu ihrer Umwelt ermöglicht werden. So könnten die rasante Ausbreitung der Krankheit und gegebenenfalls sogar eine Epidemie verhindert werden. Als "Superspreader", also Superverteiler, werden Menschen bezeichnet, die selbst infiziert sind und aufgrund zahlreicher Sozialkontakte die Erreger an besonders viele Menschen weitergeben.

In einem aktuellen Fall handelt es sich um einen Mann aus Großbritannien, der sich im Januar auf einer Verkaufskonferenz in Singapur mit 2019-nCoV infiziert haben soll, berichtet der britische "Guardian". An der Konferenz nahmen rund 100 Personen aus aller Welt teil. Ein Teilnehmer kam aus Wuhan, der chinesischen Stadt, die als Ursprung der Epidemie mit dem neuen Coronavirus gilt. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Teilnehmer infiziert war und das Virus weitergegeben hat, unter anderem an den britischen Gast.

Infektionen beim Ski-Urlaub im Chalet

Der 53-jährige Brite, der nicht wusste, dass er selbst das Virus in sich trug, machte kurz nach der Geschäftsreise Urlaub mit seiner Familie. Er reiste für vier Tage nach Frankreich. Im Skigebiet von Les Contamines-Montjoie, in der Nähe des Mont Blanc, war der Mann mit seiner Familie in einem Chalet untergebracht. Dort übertrug er das Virus höchstwahrscheinlich auf elf weitere Menschen. Fünf Personen wurden in Frankreich positiv auf das neue Coronavirus getestet, fünf stammen aus Großbritannien, darunter ein neunjähriges Kind und eine Person, die sich ebenfalls zu der Zeit im Chalet aufhielt, kehrten infiziert nach Mallorca zurück. Die Behörden gehen davon aus, dass sich alle Infizierten bei dem Geschäftsmann in den französischen Alpen angesteckt hatten.

Der Brite flog, immer noch vollständig symptomfrei, am 28. Januar von Genf nach Gatwick und kehrte schließlich in seine Heimatstadt Hove zurück. Erst nachdem er von den Organisatoren der Konferenz die Nachricht bekam, dass ein anderer Teilnehmer an dem neuen Coronavirus erkrankt war, ließ sich der Mann selbst testen und meldete sich bei der Gesundheitsbehörde. Nachdem am 6. Februar klar wurde, dass auch er mit dem Coronavirus infiziert war, wurde der Brite auch jetzt noch ganz ohne Symptome in eine Isolationsstation im St. Thomas Krankenhaus in London aufgenommen. Zeitgleich starteten die Behörden die Suche nach Personen, die Kontakt mit dem Mann hatten, zum Beispiel auf dem Flug in seiner Nähe saßen oder ihn in einer Kneipe in Hove trafen.

Weil es im Durchschnitt zu zwei bis drei Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus kommt, er aber bisher vermutlich elf Menschen ansteckte, wird der Brite als "Superspreader" bezeichnet. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern um Möglichkeiten zur Eindämmung der Epidemie. Was genau einen Menschen zu so einer gefährlichen Keimschleuder macht, wissen Experten bis heute nicht genau. Offen bleiben auch die Fragen, warum sich in diesem Fall niemand aus der Familie des Mannes mit dem Virus infizierte und wieso der Superspreader selbst keine Symptome hatte und dennoch hoch ansteckend war.

Quelle: ntv.de