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Angespült aus den Flüssen Mikroplastik aus Europa treibt im Nordpolarmeer

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Akkumulationszonen im Ozean und geschätzter Zeitpunkt des Eintreffens von schwimmfähigem Mikroplastik aus Europa in der Arktis.

(Foto: Huserbråten et al., 2022./dpa)

Jahr für Jahr spülen die Flüsse in Europa Hunderte Tonnen Mikroplastik in die nördlichen Meere. Von dort gehen die Kunststoffpartikel auf eine lange Reise - bis ins Nordpolarmeer. Allein aus dem Rhein kommen fast 500 Tonnen jährlich. Das findet ein norwegisches Forscherteam heraus, das mit der Untersuchung auch politisch etwas bewegen will.

Mikroplastik aus europäischen Flüssen driftet durch das Nordpolarmeer und häuft sich in mehreren Gebieten an. Das legen Simulationen der Strömungen in den arktischen Meeresgebieten nahe. Die größte Menge Mikroplastik gelangt demnach über den Norwegischen Strom an der Küste Norwegens bis in die Laptewsee nördlich von Russland. Ein Teil der Partikel wird nach der Überquerung des Nordpols sogar bis in die Baffinbucht zwischen Kanada und Grönland getrieben. Die Forschergruppe um Mats Huserbråten vom Institute of Marine Research in Bergen (Norwegen) veröffentlichte ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Scientific Reports".

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Hauptdriftpfade des europäischen schwimmfähigen Mikroplastiks durch das arktische Meer.

(Foto: Huserbråten et al., 2022./dpa)

"Die fortgesetzte Suspension von schwimmfähigem Mikroplastik in der oberen Mischschicht kann zu einem erheblichen horizontalen Transport durch Meeresströmungen führen, wenn es in die Hauptzirkulationssysteme der Erde gelangt", schreiben die Meeresforscher. Wie die feinen Kunststoffpartikel (kleiner als fünf Millimeter) sich im Nordpolarmeer verteilen, war bisher nicht im Detail bekannt. Huserbråten und Kollegen berücksichtigten in ihrem Modell alle Flüsse, die jährlich mehr als eine Tonne Mikroplastik in die nördlichen Meere spülen. Dazu gehören auch die deutschen Flüsse Rhein (473 Tonnen), Oder (98 Tonnen), Elbe (77 Tonnen), Weser (25 Tonnen) und Ems (3 Tonnen).

Partikelstrom teilt sich

Die Simulationen ergaben, dass sich der Partikelstrom vor der Nordwestküste Norwegens aufteilt: Etwa 65 Prozent driften in Richtung der Nordküste Russlands. Das Mikroplastik sammelt sich in der Barentssee und vor allem in der Laptewsee an. Etwa 30 Prozent der Kunststoffteilchen werden jedoch von Norwegen aus in Richtung der Inselgruppe Spitzbergen getrieben. Südwestlich von Spitzbergen vereinigt sich der Partikelstrom mit jenem, der von den Meeresgebieten nördlich von Russland über den Nordpol in die Framstraße gelangt, die zwischen Spitzbergen und Grönland liegt.

An der Ostküste Grönlands gibt es nördlich von Island wieder eine Verzweigung: Ein Teil der Partikel treibt in der Simulation zurück zur südwestlichen Küste Norwegens, der andere Teil driftet um die Südspitze Grönlands herum bis in die Baffinbucht. Allerdings dauert es eine Weile, bis das Mikroplastik dort ankommt. Die Forscher simulierten einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.

Als sie die Simulationswerte mit Messdaten aus dem Norwegischen Strom verglichen, ergab sich die größte Übereinstimmung für die simulierte Zeit von zehn Jahren. In dieser Zeit hätten sich die Partikel aus den Flüssen im gesamten Simulationsgebiet ausgebreitet, erklären die Meeresforscher.

Bereits in Schnee, Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen

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Der gesundheitliche Einfluss des allgegenwärtigen Mikroplastiks auf Lebewesen beschäftigt schon länger die Forschung. Solche winzigen Partikel wurden unter anderem bereits in Schnee, Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen.

Die nun ausgewerteten Messdaten stammen aus der Analyse von Meerwasserproben, die das Team um Huserbråten von Mai 2017 bis August 2018 im zweimonatigen Rhythmus an einer Reihe von Messstellen quer zum Norwegischen Strom genommen hat. Mit ihrer Forschung möchten die Wissenschaftler auch politisch etwas bewegen: "Die vorliegende Forschung dient als zeitgemäßes Argument für politische Entscheidungsträger, um Schlüsselattribute von Kunststoffprodukten (das heißt Dichte und Haltbarkeit) zu regulieren", schreiben die Studienautoren. Außerdem werde die Bedeutung einer Verbesserung der Abfallbewirtschaftung unterstrichen.

Quelle: ntv.de, Stefan Parsch, dpa

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