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Risiko bis zu 50 Prozent höher Minderheiten in UK sterben häufiger an Virus

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Großbritanniens Premierminister Johnson steht in der Kritik für seine Gesundheitspolitik.

(Foto: REUTERS)

Oft war zu hören, das Coronavirus behandle alle gleich, es kenne keine Grenzen. Eine Studie aus Großbritannien legt dagegen nahe, dass das Virus Schwarze oder Menschen asiatischer Abstammung sehr viel öfter das Leben kostet - womöglich, weil sie öfter mit ihm in Kontakt kommen.

In England sind Menschen mit schwarzer und asiatischer Abstammung einem deutlich erhöhten Sterberisiko ausgesetzt, wenn sie mit dem Coronavirus infiziert sind. Das ist das Ergebnis einer Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE).

Demnach sterben Personen mit chinesischer, indischer, pakistanischer oder karibischer Herkunft um zehn bis 50 Prozent häufiger an Covid-19 als weiße Briten. Für Menschen, die aus Bangladesch stammen, ist das Risiko sogar fast doppelt so hoch. Die Resultate der Studie entsprechen denen einer früheren Erhebung des britischen Statistikamts ONS.

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Der Koordinator des britischen Coronavirus-Testprogramms, John Newton, gab zu bedenken, dass die ethnische Herkunft nicht unbedingt eine unmittelbare Ursache für das erhöhte Sterberisiko sein müsse. Möglicherweise seien die Betroffenen wegen ihres Berufs oder anderer Gründe dem Virus stärker ausgesetzt. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte, die Regierung werde die näheren Zusammenhänge umgehend prüfen.

Bereits Anfang Mai hatte die BBC über eine ähnliche Studie des Institutes for Fiscal Studies (IFS) berichtet. IFS-Forscher Ross Warwick hatte damals höhere Sterberisiken unter anderem damit erklärt, dass beispielsweise über zwanzig Prozent der schwarzen Frauen in Großbritannien im Gesundheitswesen oder in Pflegeberufen arbeiteten. Für pakistanische Männer sei die Wahrscheinlichkeit, in einem dieser Bereiche zu arbeiten sogar 90 Prozent höher als bei weißen britischen Männern.

Der BBC-Beitrag zitierte außerdem Wirtschaftsprofessorin Lucinda Platt, die darauf hinwies, dass der Lockdown die wirtschaftliche Stabilität von Menschen in unterschiedlichem Maß angreife, je nachdem zu welcher ethnischen Gruppe diese gehörten. "Bei Männern aus Bangladesch ist die Wahrscheinlichkeit, in stillgelegten Industrien zu arbeiten, viermal so hoch wie bei weißen britischen Männern, bei pakistanischen Männern fast dreimal so hoch", sagte sie. Dies sei zum Teil darauf zurückzuführen, dass sie überdurchschnittlich häufig im Restaurant- und Taxisektor tätig seien, so Plattner.

Quelle: ntv.de, lwe/rts