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Dank Röntgenstrahlen sichtbar Neue Spuren auf Himmelsscheibe entdeckt

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine in einer Ausstellung. Foto: Anne Pollmann/dpa/Archiv

Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als älteste Darstellung astronomischer Phänomene.

(Foto: Anne Pollmann/dpa/Archiv)

Immer wieder finden Forscher etwas Neues über die Himmelsscheibe von Nebra heraus. Moderne Röntgenuntersuchungen bringen nun bislang verborgen gebliebene Details ans Licht. Die hochauflösenden Aufnahmen zeigen: Unterschiedliche Handwerker machten sich an dem Artefakt zu schaffen.

Mit hochauflösender bildgebender Technik ist die komplette Oberfläche der Himmelsscheibe von Nebra neu kartiert worden. "Hunderte Bilder wurden am Computer im spanischen Barcelona in monatelanger Kleinarbeit ausgewertet, wobei die Digitalmikroskopie 3D-Darstellungen winzigster Ausschnitte der Himmelsscheibe ermöglichte", sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller in Halle. "Die Ergebnisse zeigen die detaillierte Bearbeitung und dass tatsächlich mehrere bronzezeitliche Handwerker beteiligt waren." Die Arbeiten seien in Vorbereitung der Landesausstellung "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte" erfolgt. Die Schau wird am 4. Juni im Landesmuseum Halle eröffnet.

Die grünlich schimmernde Bronzescheibe stellt den Himmel dar. Die Goldauflagen bilden Archäologen zufolge unter anderem Mond, Sterne und ein Schiff ab. Auf der Vorderseite der Scheibe machen 3D-Abbildungen die genaue Befestigung der Goldauflagen sichtbar. "Durch Hämmerung entstanden bei der Sonnenbarke, also dem Schiff, kleine Bronzezungen, die die Goldblechapplikationen einklemmen und an Ort und Stelle halten", beschrieb Meller die Arbeitsweise der Handwerker.

Neue Röntgenaufnahmen machten bislang verborgene Spuren sichtbar. Als Beispiel nannte Meller, dass für die Bearbeitung zwei unterschiedliche Werkzeuge verwendet wurden: ein stumpfer und ein scharfer Meißel. Mit dem stumpfen Meißel wurde vorgezeichnet. Eine "Probespur" auf der Rückseite der Scheibe diente einem anderen Handwerker zur Prüfung der Materialeigenschaften. "Das ist ein Beleg für die Beteiligung unterschiedlicher Handwerker", sagte Meller.

Ebenso konnten mithilfe der Aufnahmen unterschiedliche "Kratzspuren" zugeordnet werden. Diese belegen, dass einer der Finder, die die Scheibe 1999 entdeckt hatten, den Fund mit Stahlwolle-Pads reinigte. "Die bronzezeitlichen Handwerker polierten die Oberfläche mit dem Hauer eines Wildschweins, einem sogenannten Sauzahn", sagte der Landesarchäologe. Diese Methode sei noch bis in die Neuzeit bei Goldschmieden üblich gewesen.

Ästhetik schlägt Konzept

Materialuntersuchungen am Institut für Geowissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ergaben zudem, dass sich auf der Scheibe Spuren des Kupferoxids Tenorit ablagerte. Dieses Oxidationsprodukt entsteht den Angaben zufolge durch Erhitzung bis zur sanften Rotglut auf circa 800 Grad Celsius. "Die Himmelsscheibe wurde mehrmals durchgeglüht und dabei dunkel gefärbt, was einen guten Kontrast zu den Goldauflagen ergab", sagte Meller.

Zudem zeigten Röntgenbilder, dass es während der Arbeit eine Konzeptionsänderung gab. Die Gestaltung des Schiffes, der Sonnenbarke, im unteren Bereich der Himmelsscheibe war offensichtlich anders geplant. Die Profile der in die Bronze vorgeritzten Sonnenbarke und der Goldblechauflage unterscheiden sich deutlich voneinander. "Wahrscheinlich erfolgte die Veränderung aus ästhetischen Gründen", sagte der Landesarchäologe.

Die mit Goldsymbolen beschlagene Himmelsscheibe von Nebra gilt als die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. Die smaragdgrüne runde Platte wurde auf ein Alter von 3600 Jahren und damit in die Bronzezeit datiert. Nach ihrem Fund im Jahr 1999 verkauften Raubgräber ihre Beute, erst im Jahr 2002 konnte die Himmelsscheibe in einer fingierten Verkaufsaktion in der Schweiz beschlagnahmt werden. Es gab mehrere Prozesse gegen Diebe und Hehler. Seit 2013 gehört die Himmelsscheibe zum Unesco-Weltdokumentenerbe.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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