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Vulkanausbruch vor 3500 Jahren Opfer der Thera-Katastrophe entdeckt

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Von Santorini aus schaut man bis heute auf die Spuren von Thera.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Vom Ausbruch des Thera-Vulkans vor mehr als 3500 Jahren zeugt bis heute die Insel Santorini. Doch bisher wurden noch nie Überreste von menschlichen Opfern dieser Katastrophe gefunden. Das ändert sich nun bei einer Ausgrabung an der Westküste der Türkei.

Archäologen in der Türkei haben erstmals die Gebeine eines Menschen entdeckt, der beim Ausbruch des Thera-Vulkans in der Ägäis vor rund 3500 Jahren ums Leben kam. Das Skelett wurde im ehemaligen Küstenort Çeşme-Bağlararası in einer Tsunami-Trümmerschicht gefunden. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Forschenden aus der Türkei, Israel und Österreich in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Heute zeugen in der südlichen Ägäis nur noch die zum Großteil ringförmig angeordneten Inseln des Santorin-Archipels von der einstigen Vulkaninsel Thera. Der dortige Ausbruch in der späten Bronzezeit, dem die Forscher den zweitheftigsten Vulkanexplosivitätsindex 7 zuordnen, wurde unter anderem von Erdbeben, Ascheregen und Tsunamis begleitet. Forscher schätzen, dass die Flutwellen an der Nordküste von Kreta mindestens neun Meter Höhe erreichten.

"Die Eruption des Thera in der späten Bronzezeit war eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der Menschheit", erklären Vasif Sahoglu von der Universität Ankara und sein Team. Der Ausbruch und seine Folgen müssen ein einschneidendes Ereignis für die damaligen Hochkulturen rund um das Mittelmeer gewesen sein, denn Spuren zerstörter Gebäude und Häfen sowie Ablagerungen von vulkanischem Material und Asche finden sich in einem Gebiet von Ägypten bis in die Türkei hinein. Der Ausbruch des Thera könnte sogar mitverantwortlich für den Niedergang der ersten Hochkultur Europas gewesen sein - der Minoer.

Geflohen oder verbrannt?

"Trotz der Stärke dieses Ereignisses wurden bisher noch nie Überreste von menschlichen Opfern dieser Katastrophe identifiziert, nicht einmal im besonders stark betroffenen Gebiet um Aktrotiri", so Sahoglu. Einige Archäologen vermuten, dass die Einwohner der meisten Orte rechtzeitig fliehen konnten, andere halten es für wahrscheinlich, dass pyroklastische Ströme die Menschen im nahen Umfeld des Vulkans komplett verbrennen ließen.

Um zu erforschen, welche Folgen die Katastrophe für den in der Bronzezeit küstennahen Ort Çeşme-Bağlararası an der Westküste der Türkei hatte, wurden dort neue Ausgrabungen durchgeführt. Das damalige Regionalzentrum liegt westlich von Izmir auf einer Landzunge an der türkischen Westküste, knapp 230 Kilometer von dem Vulkan entfernt. Dabei drang das Forschungsteam bis in bronzezeitlichen Schichten vor.

In den Ablagerungen fand das Team die ersten dokumentierten mutmaßlichen Opfer der Flut-Katastrophe - zwei Skelette, von einem jungen Mann und einem Hund. Nach der Analyse von Erdschichten, die Rückstände von Meeresbewohnern wie Lagunen-Herzmuscheln (Cerastoderma glaucum) und Napfschnecken (Patella) enthalten, geht das Team davon aus, dass der Ort damals von mehreren Tsunami-Wellen überrollt wurde.

Dass die Zerstörungen von Tsunamis stammen und nicht etwa von Erdbeben, schließen die Forscher auch aus der einseitigen Ausrichtung der Trümmer. So wurden etwa Teile der Festungsmauer und angrenzender Häuser landeinwärts gespült.

Vereinzelte tiefe Gruben innerhalb der Tsunami-Schichten zeugen demnach davon, dass Menschen in den Trümmern nach Überlebenden und Toten suchten. "Das menschliche Skelett befand sich etwa einen Meter unter einer solchen Grube, was darauf hindeutet, dass es zu tief lag, um gefunden zu werden, und daher (wahrscheinlich unwissentlich) zurückgelassen wurde."

Vier Tsunamis hintereinander

Radiokarbon-Datierungen der Schichten kommen zu unterschiedlichen Jahreszahlen, von denen jedoch keine älter ist als 1612 vor Christus. Das würde die bislang ältesten Datierungen ausschließen. Die insgesamt über einen Meter dicken Tsunami-Ablagerungen unterteilen die Forscher in vier Abschnitte, die unter anderem durch vulkanische Asche voneinander getrennt sind.

Daraus rekonstruieren sie verschiedene Phasen des Ausbruchs: Demnach führte die erste Flutwelle zu starken Zerstörungen und auch zum Tod jenes jungen Mannes, dessen Skelett gefunden wurde. Wenige Stunden danach folgte eine zweite Welle, die möglicherweise mit derselben Eruptionsphase des Vulkans zusammenhing. Auf eine etwas längere Ruhephase folgte dann ein dritter, kleinerer Tsunami, der auch verkohltes Material anschwemmte.

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Danach setzte demnach eine mehrtägige Ruhephase ein, während der die Menschen Trümmer wegräumten und nach Verletzten und Toten suchten. "Zu ihrem Unglück traf ein weiterer Tsunami ein, mit einer ähnlichen Stärke wie die erste Flutwelle, und hinterließ über der bereits zerstörten Gegend eine weitere dicke Schicht, und füllte die bereits gegrabenen Gruben wieder auf", schreiben die Forscher.

Die Schäden durch den Ausbruch hatten demnach langfristige Folgen für die Stadt: Die Tsunamis und der Ascheregen hätten Bauwerke und Wasserleitungen beschädigt und Ernten vernichtet, so das Team. Das einst blühende Regionalzentrum Çeşme-Bağlararası sei danach mindestens ein Jahrhundert lang nicht mehr bewohnt worden.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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