Wissen

Kurioses Experiment Rätsel um Zebrastreifen scheint gelöst

imago88805598h (1).jpg

Im Gegensatz zu den meisten anderen Säugetieren sind Zebras nicht einfarbig, sondern auffällig gemustert.

(Foto: imago/Mint Images)

Bereits Charles Darwin zerbrach sich den Kopf über den Grund der Streifen auf dem Fell von Zebras. Mehr als 100 Jahre später scheint das Rätsel gelöst. Mit einer Videokamera und Party-Kostümen bestätigen Forscher eine These, die bereits als Favorit galt.

Was tut man, wenn man rausfinden möchte, warum Zebras Streifen haben? Na, klar: Man zieht Pferden einfach ein Streifenkostüm über und guckt, was passiert. Das hat sich auch der Biologe Tim Caro von der Universität von Kalifornien in Davis gedacht. Praktisch, dass es Zebrakostüme im Handel zu kaufen gibt. Caro nutzte die Verkleidung, um ein altes Rätsel zu lösen, das ihn schon seit Jahren beschäftigt.

Caro watches flies zebra.jpg

Forscher Tim Caro ist schon seit Jahren dem Rätsel der Zebrastreifen auf der Spur.

(Foto: Katherine Kerlin/UC Davis)

Warum Zebras Streifen haben, dazu gibt es einige Theorien: Der große Charles Darwin glaubte, die Streifen könnten im hohen Gras der Savanne bei heißer, flimmernder Luft als Tarnung dienen. Eine ähnliche Hypothese besagt: Die Streifen lassen eine Zebraherde optisch verschwimmen und verwirren mögliche Angreifer wie Löwen oder Hyänen.

Solche Tarnungs-Hypothesen konnte die Forscherin Amanda Melin zusammen mit Caro allerdings 2016 entkräften: Sie fanden heraus, dass die Augen von Raubtieren wie Löwen und Hyänen gar nicht in der Lage sind, die Streifen der Zebras zu erkennen, ohne ihnen sehr nahe zu kommen. Denn im Vergleich zum Menschen haben die Raubtier-Augen eine schlechtere Auflösung. Für sie sehen Zebras aus der Ferne schlicht grau aus. Auch die Idee, die Zebrastreifen dienten den Tieren zur Abkühlung im heißen Afrika, konnte experimentell widerlegt werden.

Übrig bleibt eine andere These: Das Streifenmuster der Zebras helfe bei der Abwehr von blutsaugenden Insekten. Hinweise darauf gab es bisher viele: Bereits 2014 fanden Caro und seine Mitstreiter heraus, dass Zebras und ein Wildesel mit gestreiften Beinen in afrikanischen Regionen lebten, in denen es viele Bremsen gibt. Auch konnten andere Forscher nachweisen, dass die Insekten Schwierigkeiten haben, auf gestreiften Oberflächen zu landen. Doch es fehlte noch der letzte Beweis, dass dies auch bei lebenden Zebras der Fall ist.

Videoaufnahmen bestätigen Verdacht

horse in zebra clothing2.jpg

Pferd im Zebrakostüm: Blutsaugende Insekten stellt diese spezielle Decke für Pferde vor Schwierigkeiten.

(Foto: Katherine Kerlin/UC Davis)

Also kauften die Biologen Zebra-Kostüme und zogen sie Pferden auf einer britischen Farm über. Auf dem Gestüt in Hill Livery fanden sie ideale Bedingungen für ihren Versuch vor: Neben Pferden gibt es dort auch Zebras, die in Gefangenschaft gehalten werden. Das Experiment bestätigte den Verdacht: Zebras und kostümierte Pferde wurden deutlich seltener von Bremsen gestochen als Tiere ohne Streifen, berichten Caro und seine Mitstreiter im Fachblatt "Plos One".

Videoaufnahmen aus den Ställen zeigten, dass Bremsen keine Schwierigkeiten dabei hatten, die Tiere zu finden. Bei der Landung auf der gestreiften Haut jedoch hatten die Bremsen Probleme. Das galt für Zebras, aber auch bei Pferden, sobald sie ein Streifen-Kostüm anhatten. Sobald die Pferde keinen Streifen mehr aufwiesen, stürzten sich die bluthungrigen Insekten wie gewohnt auf sie.

Stellt sich die Frage, warum nicht auch viele andere Tiere in der afrikanischen Steppe Streifen haben - wie etwa Gazellen oder Büffel. Zu einem evolutionären Vorteil besonders bei Zebras könnte das Muster daher geworden sein, weil die Tiere in zweierlei Hinsicht besonders unter Blutsaugern leiden. Zum einen sind sie sehr anfällig für tödliche Krankheiten wie die Schlafkrankeit, Pferdegrippe und die Afrikanische Pferdepest, die von Bremsen und Tsetsefliegen übertragen werden. Zudem ist das Fell von Zebras vergleichsweise kurz, was es Parasiten einfach macht, Blutgefäße zum Ansaugen zu finden.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema