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Gefahr durch Covid-19 Sterblichkeitsrisiko für Schwangere erhöht

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Risikofaktoren wie deutliches Übergewicht und Bluthochdruck wirken sich auch bei Schwangeren aus.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zunächst schien das Risiko für Schwangere durch eine Covid-19-Erkrankung nicht so groß. Doch im Lauf der Monate ändert sich diese Einschätzung. Nun beziffert eine weltweite Studie die Risiken für Schwangere genauer.

Frauen, die während der Schwangerschaft an Covid-19 erkranken, haben ein 20-mal höheres Sterberisiko als Schwangere, die sich nicht mit dem Virus angesteckt haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie, die in JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung unter der Leitung von Ärzten der School of Medicine der Universität Washington und der University of Oxford wurden zwischen April und August 2020 erhobene Daten von 2100 schwangeren Frauen aus 43 Entbindungskliniken in 18 Ländern analysiert.

Dabei zeigte sich, dass schwangere Frauen keine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Covid-19 zu bekommen. "Aber wenn sie es bekommen, werden sie wahrscheinlicher schwer krank und benötigen mit höherer Wahrscheinlichkeit Intensivpflege, Beatmung oder erleben eine Frühgeburt und Präeklampsie", sagte Dr. Michael Gravett, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie an der University of Washington School of Medicine. Er ist einer der leitenden Autoren der Studie. Das Risiko für eine schwere Erkrankung war am größten für Frauen mit Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder Diabetes, zeigen die Ergebnisse.

Der Hamburger UKE-Intensivmediziner Stefan Kluge hatte dies kürzlich damit erklärt, dass die Lunge vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft weniger Raum hat, sich auszudehnen. "Die Frauen haben dann weniger Luft - und eine Lungenentzündung, wie sie Sars-CoV-2 auslösen kann", das sei eine "besonders kritische Situation", erläuterte Kluge in der "Welt". In Hamburg müssen zunehmend auch Schwangere intensivmedizinisch versorgt werden. Bisher sei es aber immer gelungen, Mutter und Kind zu retten.

Stillen ist kein Risiko

Für jede infizierte Schwanger nahmen die Forscher zum Vergleich zwei schwangere Frauen, die im gleichen Krankenhaus und im gleichen Schwangerschaftsstadium ohne eine bekannte Corona-Infektion betreut wurden. Anschließend verfolgten sie beide Frauengruppen - 706 mit einer Covid-19-Infektion und 1424 ohne - bis zur Geburt und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Elf Frauen mit Covid-19 starben, verglichen mit nur einer Frau in der nicht infizierten Gruppe.

Schwangere, deren Covid-19 asymptomatisch oder mild war, hatten hingegen kein erhöhtes Risiko für Intensivpflege, Frühgeburt oder Präeklampsie. In der Studie waren das etwa 40 Prozent der Frauen. Gravett rät deshalb schwangeren Frauen, mit ihren Gesundheitsdienstleistern zu sprechen, weiterhin Masken zu tragen und "sich bitte impfen zu lassen".

Die Autoren der Studie stellten fest, dass es bei infizierten Frauen eine um 60 bis 97 Prozent erhöhte Frühgeburtenrate gab. Bei infizierten Frauen mit Fieber und Atemnot stellten sie eine Verfünffachung der Komplikationen bei Neugeborenen fest, unter anderem unreife Lungen, Hirnschäden und Augenstörungen. Von den Babys, die von infizierten Müttern geboren wurden, wurden elf Prozent positiv auf das Coronavirus getestet. Die auf die Babys übertragenen Infektionen scheinen jedoch nicht mit dem Stillen zusammenzuhängen. Vielmehr bringt sie die Studie mit der Entbindung per Kaiserschnitt in Verbindung.

Priorisierung bei Impfung

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Diese Ergebnisse unterstrichen, wie wichtig es sei, schwangere Frauen in Prioritätsgruppen für Corona-Impfstoffe aufzunehmen, betont Aris Papageorghiou, Spezialist für vorgeburtliche Medizin an der Universität Oxford. Auch Gravett schlug vor, schwangere Frauen bei der Impfberechtigung vorzuziehen. "Ich würde allen schwangeren Frauen wärmstens empfehlen, die Covid-19-Impfstoffe zu erhalten", sagte er.

In Deutschland wird die Impfung in der Schwangerschaft jedoch derzeit von der Ständigen Impfkommission (STIKO) nicht empfohlen, da bisher keine ausreichenden Daten für eine Empfehlung vorliegen. Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch die Ärztin oder den Arzt und nach Aufklärung eine Impfung angeboten werden.

Quelle: ntv.de, sba

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