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Am Wochenende ist Zeitumstellung Tipps zur Vorbereitung auf die Sommerzeit

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Träge am Morgen? Frühsport bringt den Kreislauf in Schwung! Gilt es bloß noch, den inneren Schweinehund zu überwinden.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Von Samstag auf Sonntag wird uns eine Stunde Schlaf geraubt: Sommerzeit ist angesagt, die Uhren werden vorgestellt. Tagelange Müdigkeit kann die Folge sein. Doch mit ein paar Tricks lässt sich der Körper auf den neuen Rhythmus vorbereiten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht hat das regelmäßige Vor und Zurück an den Uhren ja doch bald ein Ende. Immerhin machte das EU-Parlament im Februar entsprechend Druck. Die EU-Kommission soll die Zeitumstellung mit allem, was dafür und dagegen spricht, unter die Lupe nehmen und sie gegebenenfalls abschaffen. Das wäre, wie eine neue Umfrage zeigt, im Sinne einer großen Mehrheit der Deutschen. Im Auftrag der DAK-Gesundheit befragte das Forsa-Institut Anfang März mehr als 1000 Menschen. 73 Prozent von ihnen sprachen sich gegen das Umstellen der Zeit im Frühjahr und Herbst aus. Dass sich an der Regelung in den nächsten fünf Jahren tatsächlich etwas ändert, glauben jedoch nur 31 Prozent – der Diskussionen im EU-Parlament zum Trotz.

Dabei wäre das für mehr als ein Viertel der Befragten eine echte Erleichterung. 27 Prozent nämlich gaben an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben. Davon weiß auch Hans-Günter Weeß zu berichten, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin und Leiter des interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. "Viele meiner Patienten mit Schlafstörungen 'zittern' vor der Zeitverschiebung", sagt Weeß im Gespräch mit n-tv.de. "Sie reagieren mit Müdigkeit, Antriebsschwäche, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder gar mit depressiven Verstimmungen auf das unnatürliche Drehen an der Uhr."

Bewährtes Erfolgsrezept: heiße Milch mit Honig

Bei der Umstellung auf Sommerzeit ist es nicht nur ein neuer Rhythmus, mit dem der Körper zurechtkommen muss. Es fehlt ihm auch noch eine Stunde Schlaf. Ab Sonntag heißt es: eine Stunde früher aufstehen und eine Stunde früher ins Bett. "Früher in die Kissen, das kann schwerfallen", sagt der Schlafforscher. "Daher sind Einschlafprobleme verbunden mit Schlafmangel in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung für viele Menschen eher die Regel als die Ausnahme." Doch die gute Nachricht ist: Darauf kann man den Organismus vorbereiten, und zwar so:

"Gehen Sie jetzt, an den Tagen vor der Zeitumstellung, jeweils zehn Minuten früher ins Bett", rät Weeß. "Beginnen Sie also auch alle gewohnten Aktivitäten am Abend früher: Abendessen ebenso wie Fernsehen und die Unterhaltungen mit der Familie." Damit es dann auch klappt mit dem Einschlafen, empfiehlt der Experte ein altbewährtes Getränk: heiße Milch mit Honig. "Mit Ruhe und Bedacht zubereitet und getrunken, wird sie zum abendlichen Schlaf-Blockbuster!", sagt Weeß. Sie unterstütze nämlich die Bildung der Aminosäure Tryptophan, die unser Gehirn für die Bildung des Schlafbotenstoffs Melatonin benötigt.

Träum schön? Nicht mit Alkohol

Von einem Schlummertrunk mit Alkohol hingegen hält der Forscher nichts. Nicht allein, dass er erholsame Schlafstadien unterdrücke, er führe in der zweiten Schlafhälfte auch zu vermehrtem Erwachen und außerdem zu Albträumen. Auch auf Schlafmittel sollte man möglichst verzichten. "Die bergen die Gefahr der Abhängigkeit und Gewöhnung", warnt Weeß.

Was aber schon vor heißer Milch mit Honig müde machen kann, ist – das kennt man vom Mittagessen – eine leichte eiweiß- und kohlenhydratreiche Mahlzeit. "Aber achten Sie darauf, dass Sie die mindestens zwei, besser vier Stunden vor dem Zubettgehen zu sich nehmen", sagt der Experte. "Denn ein voller Bauch studiert nicht nur ungern, er schläft auch nicht gut."

Geht man nun also abends früher ins Bett, sollte man – so ein weiterer Tipp des Schlafforschers – am Morgen auch etwas früher aufstehen. "So stellt sich Ihr Körper rechtzeitig um." Doch das kann natürlich ebenfalls eine Qual sein. Sollte man nur schwer aus den Federn kommen, rät der Experte zur wechselwarmen Dusche. "Das macht wach!" Auch eine Bürstenmassage könne das Herz-Kreislauf-System aktivieren. Und wenn es gelingt, den inneren Schweinehund zu überwinden, dann ist Frühsport ein gutes Mittel, um in Schwung zu kommen. Raus ins Licht – das vertreibt auch das Dunkelhormon Melatonin, das Müdigkeit und Trübsal am Morgen begünstigt. In den ersten Tagen nach der Zeitumstellung allerdings ist es frühmorgens erstmal wieder dunkel. Sicherlich ein Punkt, den die EU-Kommission bei ihrer Bilanz berücksichtigen muss.

Dr. Hans-Günter Weeß ist auch Autor: 2016 erschien im Schattauer-Verlag sein Buch "Die schlaflose Gesellschaft: Wege zu erholsamen Schlaf und mehr Leistungsvermögen".

Quelle: n-tv.de

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