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Neuer Stoff für Unfall-These Video soll Fledermäuse in Wuhan-Labor zeigen

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Das Institut für Virologie in Wuhan steht im Zentrum der Hypothese eines Laborunfalls als Ursprung von Sars-CoV-2.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Wie Sars-CoV-2 auf den Menschen übertragen wurde, ist bis heute umstritten. Die Hypothese eines Laborunfalls wird früh als "Verschwörungstheorie" abgetan - unter anderem von einem bekannten Zoologen. Ein neues Video weckt jedoch Zweifel an der Verlässlichkeit seiner Aussagen.

Mehr als anderthalb Jahre nach dem ersten Auftreten von Sars-CoV-2 ist die Herkunft des Virus weiterhin unbekannt. Die meisten Forscher gehen nach wie vor davon aus, dass der Erreger natürlichen Ursprungs ist und vom Tier auf den Menschen übertragen wurde - entweder direkt von Fledermäusen oder über einen Zwischenwirt. Aber auch eine andere Hypothese wird zuletzt wieder rege diskutiert: die Möglichkeit, dass Sars-CoV-2 bei einem Laborunfall auf den Menschen übersprang - was schließlich die Pandemie in Gang setzte.

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Ein neues Video soll belegen, dass lebende Fledermäuse im Institut für Virologie in Wuhan (WIV) gehalten wurden.

(Foto: Screenshot Sky News)

Eine Mission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach China im Frühjahr 2021 konnte in dieser Frage keine Klarheit bringen. Die Experten hatten in ihrem Abschlussbericht einen Laborunfall als "extrem unwahrscheinlich" bezeichnet. Die Mission stand jedoch in der Kritik. Etwa deshalb, weil das Team zur Hälfte aus Chinesen bestand und daher eine politische Beeinflussung befürchtet wurde. Auch die Unabhängigkeit einzelner internationaler Mitglieder der WHO-Mission wurde infrage gestellt, wie etwa die des britischen Zoologen Peter Daszak.

Daszak ist etwa dafür bekannt, dass er mithalf, eine im Februar 2020 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Stellungnahme von 27 Forschern zu organisieren. In dieser wurden "Verschwörungstheorien" angeprangert, welche die natürliche Herkunft des Virus infrage stellen würden - wie etwa ein Laborunfall. Daszak hatte zudem mit der chinesischen Virologin Shi Zengli und ihrem Institut für Virologie in Wuhan (WIV) mehrfach zusammengearbeitet - jener Einrichtung, die im Zentrum der Hypothese eines Laborunfalls als Ursprung von Sars-CoV-2 steht.

Fledermäuse in Käfigen

Ein neuer Bericht könnte Daszak nun in Erklärungsnöte bringen: Wie die Investigativjournalistin Sharri Markson herausfand, existiert ein Video aus dem WIV, das zeigt, wie dort Fledermäuse in Käfigen gehalten werden. Gleichzeitig verweist Markson auf ältere Tweets von Daszak, in denen dieser bestreitet, dass Fledermäuse vor Ort waren. Das Video wurde laut Markson von der Online-Ermittlergruppe Drastic aufgespürt. Es stammt demnach von der Chinese Academy of Sciences und dreht sich um den Start eines neuen WIV-Labors der Biosicherheitsstufe 4 im Mai 2017.

Laut dem Markson-Bericht hatte Daszak im Dezember 2020 auf Twitter geschrieben: "Es wurden keine Fledermäuse für Gen-Analysen von Viren ins Wuhan-Labor geschickt. So funktioniert Wissenschaft nicht. Wir sammeln nur Proben. Wir lassen sie wieder frei, wo wir sie fangen." In einem weiteren Tweet vom 10. Dezember 2020 schrieb Daszak zudem, dass die Labore, mit denen er seit 15 Jahren zusammenarbeite, "keine lebenden oder toten Fledermäuse" hätten. "Es gibt nirgendwo einen Beweis dafür, dass dies geschehen ist."

Allerdings ist der erstgenannte Tweet von Daszak auf Twitter nicht auffindbar. Dieser sei gelöscht worden, twitterte Markson.

Neue Berichte, neue Ermittlungen

Schon früh nach Beginn der Pandemie war die Theorie aufgetaucht, das Coronavirus könnte aus dem WIV entwichen sein. Beweise dafür gibt es jedoch bisher nicht. Der frühere US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger bauschten dies zu einem Vorwurf gegen China auf, manche meinten sogar, das Virus sei womöglich absichtlich freigesetzt worden. Trumps Nachfolger Joe Biden ordnete im Mai eine Untersuchung durch US-Geheimdienste an. Die angekündigten Ermittlungen sowie Berichte, wonach drei Forscher des Instituts im Jahr 2019 nach dem Besuch einer Fledermaus-Höhle krank geworden seien, verschafften der Theorie neuen Aufwind.

Jüngst hatte sich jedoch auch Wissenschaftlerin Shi Zhengli vom WIV zu Wort gemeldet und die Theorie eines Corona-Ausbruchs durch einen Laborunfall erneut zurückgewiesen. "Wie um alles in der Welt kann ich Beweise für etwas vorlegen, für das es keine Beweise gibt?", sagte sie der "New York Times". Es sei ihr ein Rätsel, "wie die Welt so weit gekommen ist, einen unschuldigen Wissenschaftler ständig mit Dreck zu bewerfen".

Laut "New York Times" veröffentlichten Shi und ihre Kollegen im Jahr 2017 einen Forschungsbericht, bei dem sie neue Fledermaus-Coronaviren schufen, indem sie Teile mehrerer Coronaviren zusammenbauten und aneinander anpassten - darunter mindestens eines, "das fast auf den Menschen übertragbar war". In einer E-Mail an die Zeitung erklärte Shi jedoch, dass es sich bei ihren Experimenten nicht um Gain-of-Function-Versuche handle. Es sei nicht darum gegangen, ein Virus gefährlicher zu machen.

Quelle: ntv.de, kst

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