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Erdähnlich und lebensfreundlich? Was Exoplaneten so spannend macht

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Kepler-22b in einer Grafik: Er war der erste bestätigte Exoplanet der Kepler-Mission, der sich in der habitablen Zone um seinen Stern bewegt. Das war 2011.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehrere Tausend Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind bekannt und doch feiert die Nasa jede weitere Entdeckung. Denn im Zentrum steht eine existenzielle Frage: Sind wir allein im All? Auf die Antwort müssen wir noch eine Weile warten.

In steter Regelmäßigkeit berichtet die Nasa von neu entdeckten Exoplaneten. Der US-amerikanischen Weltraumbehörde zufolge sind mittlerweile rund 3500 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekannt. Auch wenn diese Zahl auf Wahrscheinlichkeiten beruht, stellen Exoplaneten also wahrlich keine Seltenheit dar. Und trotzdem verkauft die Nasa jede dieser Entdeckungen als Sensation. Denn es geht nicht allein darum, was das für Planeten sind. Für die Nasa steht im Mittelpunkt die Frage aller Fragen: Sind wir allein im All? Oder gibt es außerhalb unseres Sonnensystems doch noch irgendwo Leben? Wo wäre solches – und sei es in Form von Mikroben – überhaupt möglich? Exoplaneten lassen da erste Mutmaßungen zu. Zumindest manche von ihnen.

Von den Tausenden bekannter Exoplaneten gehören laut Nasa rund 350 zu den erdähnlichen. Das heißt nicht, dass es dort Landschaften gibt, Wasser und klimatische Verhältnisse wie bei uns. Erdähnlich oder terrestrisch ist ein Planet im Allgemeinen dann, wenn er – aller Wahrscheinlichkeit nach – ein Gesteinsplanet und kein Gasplanet ist. Was das bedeutet, klärt ein Blick auf unser eigenes Sonnensystem: Da gehören neben der Erde die Planeten Merkur, Venus und Mars zu den terrestrischen, während Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun Gasplaneten sind. Terrestrisch ist also nicht unbedingt gleichbedeutend mit lebensfreundlich – das zeigen Merkur, Venus und Mars.

"Potenziell bewohnbar" und doch nicht wie bei uns

Die besten Chancen auf "Bewohnbarkeit" hat ein mutmaßlicher Gesteinsplanet dann, wenn er seinen Stern in der habitablen Zone umkreist. Dann nämlich ist er weit genug von seiner Sonne entfernt, damit mögliches Wasser auf seiner Oberfläche nicht verdampft, und gleichzeitig ist er so nah an seinem Stern, dass potenziell vorhandenes Wasser nicht dauerhaft gefriert. Die Temperaturen auf diesem Planeten könnten dann also flüssiges Wasser ermöglichen. Solches gilt als wichtigste Voraussetzung für Leben – denn so kennen wir es von unserem Heimatplaneten.

Wenn sich ein Gesteinsplanet in der habitablen Zone bewegt und damit als möglicherweise bewohnbar gilt, heißt das aber immer noch nicht, dass Menschen – kämen sie denn irgendwie dorthin – auf diesem Planeten leben könnten. Auf der Liste der potenziell bewohnbaren Exoplaneten tummeln sich bei optimistischer Betrachtung derzeit rund 50 Kandidaten. Nach den dieser Liste zugrundeliegenden Kriterien würden aber auch Venus und Mars als möglicherweise bewohnbar gelten. Dabei könnten wir Menschen in der Atmosphäre des Mars ohne Raumanzug nicht atmen, uns stünde kein flüssiges Wasser zur Verfügung und wir wären einer starken, gesundheitsschädigenden Strahlung ausgesetzt. Wirklich einladend sind die Lebensbedingungen auf dem Mars nicht.

Doch auf manch einem Exoplaneten in der bewohnbaren Zone mag es anders aussehen. Womöglich gibt es dort bereits Wasser und Leben. Das herauszufinden, ist derzeit allerdings noch gar nicht möglich. Erst mit der kommenden Teleskop-Generation könnte es gelingen. Wenn dann ein solcher Planet vor seinem Stern vorbeizieht und ihn dabei leicht verdunkelt, ließe sich mit spektroskopischen Methoden seine Atmosphäre untersuchen. So ließe sich Wasser in der Atmosphäre erkennen oder auch Sauerstoff und Ozon. Große Mengen Sauerstoff etwa wären ein Hinweis auf pflanzliches Leben auf dem Planeten.

Dass sich Forscher aber nicht nur für erdähnliche Planeten, sondern auch für die Entdeckung von Gasriesen begeistern können, zeigte sich mit dem Planetensystem KOI-351. Neben Gesteinsplaneten enthält es zwei Gasriesen – ein Aufbau, den man noch bei keinem anderen Planetensystem gefunden hatte und der unserem Sonnensystem sehr ähnlich ist.

Die Erforschung ferner Planetensysteme steht noch immer ganz am Anfang. Der Wissenschaftszweig hat sich erst Mitte der 1990er-Jahre entwickelt. "Wir sind ein bisschen wie Menschen, die auf einer Insel gewohnt haben und nun zum ersten Mal die große Welt erkunden und sehen, was es dort draußen alles gibt", hat Planetenforscherin Heike Rauer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einmal im Gespräch mit n-tv.de gesagt. Und vielleicht gibt es ja tatsächlich noch irgendwo Leben. Das Aufspüren von Exoplaneten und ihre Charakterisierung sind erste Schritte, um ihm zu begegnen.

Quelle: n-tv.de

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