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Im Kampf gegen die Hitze Weiße Dächer kühlen heiße Städte

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Vor allem in den USA malen viele Menschen ihre Hausdächer weiß an, um Hitzeentwicklung zu verhindern.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Bis zu zehn Grad wärmer als ihr Umland werden Städte bei hohen Temperaturen. Die grauen Betonwüsten speichern Sonnenwärme, kühlendes Grün fehlt oft. Zu lösen ist die Situation nicht so leicht, doch es gibt einige Ideen.

Tagsüber speichern zubetonierte Flächen die Hitze, nachts strahlen Straßen und Gebäude sie ab. Zusätzlich trägt der viele Verkehr zu Erwärmung und Luftverschmutzung bei. Deshalb ist es in Städten oft wesentlich wärmer als auf dem Land. Dort sorgen alle möglichen Pflanzen für angenehme Kühle. Die fehlen in der Stadt. Das Problem wird sich nicht von einem auf den anderen Tag beheben lassen, doch Korrekturen sind möglich.

Klimaanlagen sind eigentlich Heizungen

Künstlich gekühlte Räume sind allerdings keine Lösung, denn Klimaanlagen erzeugen einen Teufelskreis. "Je mehr man die Gebäude klimatisiert, desto mehr heiße Luft wird in die Umgebung abgegeben", sagt Aude Lemonsu vom französischen Wetterdienst Météo France.

Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor einer "Kühlkrise": Sie schätzt, dass sich der Energieverbrauch durch Klimaanlagen bis 2050 verdreifachen wird - das Wachstum entspricht dem derzeitigen Verbrauch Deutschlands und der USA zusammen.

Grüne Dächer und weiße Straßen

Viele Städte setzen auf eine Begrünung. Sie wollen nicht nur Schattenplätze schaffen, sondern auch die sogenannte Evapotranspiration fördern - die Verdunstung von Wasser durch Pflanzen, die die Atmosphäre kühlt. Singapur ist dabei international eine der Vorreiterstädte: Sie hat seit den 60er Jahren nicht nur Bäume gepflanzt und Parks angelegt, sondern begrünt auch die Fassaden und Dächer vieler Hochhäuser.

Auch Straßen und Dächer können zur Kühlung beitragen, wie Versuche in den USA gezeigt haben. Die Stadt New York etwa hat in einer "Cool Roofs"-Initiative mehr als 500.000 Quadratmeter Dachflächen weiß streichen lassen, damit sie das Sonnenlicht reflektieren. In Los Angeles wurden ganze Straßen weiß gestrichen. Das soll laut Straßenamt nicht nur den Energieverbrauch von Klimaanlagen reduzieren, sondern auch hitzebezogene Todesfälle verhindern.

Dabei sind weiße Häuser keine wirkliche Innovation. Die Menschen in vielen wärmeren Regionen der Erde gestalten ihre Bleiben schon seit Jahrhunderten möglichst hell, so etwa im Mittelmeerraum. "Nicht umsonst gibt es in Griechenland wie auf Santorin vor allem weiße Häuser", sagt Stefan Emeis vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Erdwärme soll künstliche Klimaanlagen ersetzen

Bei einer Temperatur von rund 26 Grad Celsius kann "ein dunkles Dach bis zu 80 Grad Celsius heiß werden", sagt Städtebau-Ingenieurin Amandine Crambes von der französischen Umwelt- und Energiebehörde Ademe. "Das gleiche Dach in heller Farbe kommt auf 45 Grad, ein begrüntes Dach sogar auf 29 Grad." Experten raten Städten auch, offene Wasserflächen anzulegen. Denn Wasser erhitzt sich langsamer als Luft. Auch aus Kostengründen abgestellte Springbrunnen könnten wieder in Gebrauch genommen werden.

Sie gelten als teuer und benötigen große Flächen - doch einige Städte setzen auf Geothermie-Anlagen: Sie können Räume mithilfe der Temperaturen im Erdreich kühlen. Dazu sind spezielle Pumpen nötig, die die unterschiedlichen Temperaturen über und unter der Erde direkt zum Kühlen nutzen oder den Temperaturunterschied in Strom verwandeln, mit dem dann Klimaanlagen betrieben werden können.

Eine solche Anlage, die teils auf Geothermie setzt, gibt es etwa im Westen von Paris. Auf dem Gelände des früheren Renault-Werks werden damit mehr als 350.000 Quadratmeter Bürofläche gekühlt. Der deutsche Bundesverband Geothermie drängt die Politik zu einem Ausbau der erneuerbaren Energieform.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP

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