Unterhaltung

"The Woman in the Window" Wenn Amy Adams zu Tode langweilt

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Schaut neugierig aus dem Fenster: Amy Adams als Anna in "The Woman in the Window".

(Foto: imago)

Knarrende Dielen, Geräusche im Keller und ein Mord im Nachbarhaus. Der Mystery-Thriller "The Woman in the Window" verspricht viel, hält aber nichts. Wer schon immer wissen wollte, wie man einen Film definitiv nicht machen sollte: Hier ist die Antwort.

Anna Fox, gespielt von Amy Adams, steht am Fenster ihres alten New Yorker Sandsteinhauses und beobachtet die Straße. Im Schutz der Dunkelheit und der schweren Vorhänge späht die Kinderpsychologin die Nachbarschaft aus. Leute beim Abendessen, Leute, die Freunde treffen, musizieren oder streiten - das alltägliche normale Leben. Annas Blick wandert von Fenster zu Fenster. Sie ist auf der Suche nach etwas, vielleicht nach etwas Aufregendem, gar etwas Unangenehmen, sie selbst scheint es nicht zu wissen. Die Zimmer ihres Hauses liegen im Halbdunkel, die alten Leitungen in den maroden Wänden rauschen und surren und eine unheilvolle Bedrohung liegt in der Luft. Als Anna dann auch noch einen Mord beobachtet, schwillt die Spannungskurve ins Unermessliche.

"Oscars & Himbeeren"

Immer freitags präsentiert Ronny Rüsch "Oscars & Himbeeren", den ntv-Podcast rund ums Streamen. Diese Woche dabei außer "The Woman in the Window": Eine Serie über Serienmörder Charles Sobhraj, wie Alicia Vikander als künstliche Intelligenz Ava Domhnall Gleeson bezirzt und warum Ewan McGregor in der neuen Netflix-Serie "Halston" einmal mehr sein Talent unter Beweis stellt.

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"The Woman in the Window", jetzt neu im Programm von Netflix, wartet mit allerlei Zutaten auf, die dem Zuschauer einen spannungsgeladenen, aufregenden Filmabend versprechen. Parallelen und Reminiszenzen zu "Das Fenster zum Hof", dem Alfred Hitchcock-Klassiker aus dem Jahre 1954, sind nicht zu übersehen und von Regisseur Joe Wright auch so gewollt.

Alles könnte so gut sein. Wären da nicht die dümmliche Story, die nervige Musik von Danny Elfman und Schauspieler, die ihre eigenen Rollen nicht zu verstehen scheinen. Zusätzliches Manko ist ein Regisseur, der meint, das Mystery-Thriller-Genre verstanden zu haben, nur weil alles permanent im Dunkel liegt, es im Keller laut knackt und sich sein Kameramann Bruno Delbonnel abgefahrene Positionen für die Bilder ausdenkt.

Cocktail für die Langeweile

Amy Adams gehört zu den bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods. Sechsmal wurde sie inzwischen schon für den Oscar nominiert. Doch ihre Darbietung in "The Woman in the Window" ist - gelinde gesagt - schrecklich langweilig. Ihre Anna, die seit Monaten das Haus nicht verlassen hat, Antidepressiva nimmt, viel Wein trinkt und die ganze Nacht alte Filme schaut, ist unangenehm und nervig. Der britische Ausnahme-Schauspieler Gary Oldman, der in einer Nebenrolle zu sehen ist, macht die Sache nicht besser. Für derlei Performance wurde der Begriff Overacting erfunden.

Dass Hitchcock-Filme wie "Das Fenster zum Hof", "Cocktail für eine Leiche" und "Psycho" hier als unverhohlene Vorbilder herhalten müssen, macht es nur noch schlimmer. Wo diese Klassiker Suspense und Raffinesse versprühen, kreiert die öde "Frau am Fenster" nur ein gähnendes Vakuum. Selten hat man so dröge und uninspirierte Bilder mit derart viel musikalischer Krawall-Untermalung gesehen.

"The Woman in the Window" versagt auf nahezu fast jeder künstlerischen und erzählerischen Ebene und ist ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Film nicht machen sollte. Selten hat der Spruch "Weniger ist mehr" so gepasst wie bei Joe Wrights Ausflug ins Metier des Thrillers. Dass er es besser kann, muss der Brite nicht mehr beweisen. Werke wie "Abbitte" und "Die dunkelste Stunde" haben sein cineastisches Talent längst bestätigt.

Neben der ausführlichen Kritik zu "The Woman in the Window" besprechen Ronny Rüsch und Axel Max in der neuen Podcast-Folge von "Oscars & Himbeeren" außerdem die Serie über den Serienmörder Charles Sobhraj, wie Alicia Vikander als künstliche Intelligenz Ava Domhnall Gleeson bezirzt und warum Ewan McGregor in der neuen Netflix-Serie "Halston" einmal mehr sein Talent unter Beweis stellt.

"Oscars & Himbeeren" - der ntv-Podcast - wo sich jeden Freitag alles rund um Streaming-Dienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Prime & Co. dreht.

Quelle: ntv.de, sks

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