Hörbücher

Super-GAU in der Arktis "Schmelzpunkt" - und die Menschheit stirbt

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Naturidylle pur – aber wie lange noch? Wolf Harlanders "Schmelzpunkt" beschäftigt sich mit dem Klimawandel und möglichen Auswirkungen, verpackt in einem Thrillermantel. Als Taschenbuch bei Rowohlt, als Hörbuch bei Argon erschienen.

(Foto: picture alliance / David Goldman/AP/dpa)

Von wegen ewiges Eis - es schmilzt so schnell wie nie. Und die Folgen sind auch in Deutschland spürbar: Hitzesommer und Sturzfluten verwüsten ganze Regionen, kosten Menschenleben. Doch es kommt noch schlimmer, denn plötzlich sterben in der Arktis Fische zu Tausenden. Genug Stoff für einen Harlander-Thriller.

"Und die Fische werden sterben und das Wasser wird sich erheben, und die Menschen werden leiden …" Wenn ein Buch mit diesen Worten beginnt, entnommen aus dem Schöpfungsmythos der Inuit, dann ist die Kacke sprichwörtlich am Dampfen. Deutliche Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlen und wie gemacht sind für den neuen Öko-Thriller des deutschen Bestsellerautors Wolf Harlander. Der griff das Thema Klimawandel bereits bei seinem Erstling "42 Grad" kongenial auf und lieferte einen Pageturner par excellence. Mit seinem dritten Buch "Schmelzpunkt" zieht es ihn diesmal in die Kälte.

Eigentlich. Denn so richtig kalt ist es an der Arktis schon lange nicht mehr. Jedes Jahr gibt es neue Temperaturhöchststände, die die Welt in Angst und Schrecken versetzen sollten. Denn die Gleichung ist einfach: Verschwindet das ewige Eis im hohen Norden, ist das Leben, wie wir es kennen und schätzen, ein für alle Mal vorbei. Noch ist diese Zeit nicht gekommen, aber die Uhr tickt unaufhörlich und die Zeiger der Katastrophenuhr drehen sich immer schneller.

Der Jetstream verlangsamt sich und damit auch die Wetterwechsel: Die Sonne scheint länger, verbrennt Wald und Wiesen. Klassische leichte Landregen? Nahezu Fehlanzeige. Stürme und Starkregen, ja sogar Sturzfluten und Hurrikans? Häufen sich und werden immer mehr zur Regel. Die Politik müsste weltweit gegen den Klimawandel angehen, agieren, Zeichen setzen. Aber die meisten reagieren nur. Hierzulande bremsen Konservative und Liberale gleichzeitig. Die nächste Wahl ist näher als das Wohlergehen der Enkel. So scheint es.

Das stinkt zum Himmel

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Bestsellerautor Wolf Harlander

(Foto: Wolf Harlander)

Auf Grönland ist das nicht anders. Der junge Inuit Nanoq führt in seinem Geburtsort schon seit Jahren Touristen ins ewige Eis hinaus. Mit dem Boot und dann zu Fuß. Die Urlauber kommen aus aller Herren Länder und Regionen. Manche wollen die Gletscher nur fotografieren, in der unberührten Natur, die doch keine mehr ist, ein bisschen Zeit verbringen. Kraft tanken. Andere suchen den Kick, die Begegnung mit einem Eisbären. Manche kommen in perfekter Polarkreis-Montur, andere tauchen mit Flip-Flops und in T-Shirt auf seinem Boot vor einem Gletscherbesuch auf. Nanoq hat alles schon gesehen, denkt er. Doch er irrt.

Bei einer Ausfahrt mit dem Boot stößt er auf tausende tote Fische. Ein Kadaverteppich, der die kalte Meeresoberfläche überzieht. Nanoq kann auf den ersten Blick keinen Grund für das Massensterben entdecken. Er wendet sich an den Bürgermeister seines Ortes. Doch der denkt nur an den schnöden Mammon, den die Touristen in die Gemeindekasse spülen. Er will von dem Fund nichts wissen. Dann tauchen weitere tote Fische auf. Auch verendete Vögel werden entdeckt und viele tote Robben. Nun endlich wird reagiert, die dänische Regierung wird involviert und ein deutsches Institut, das die Polarforscherin Hanna nach Grönland schickt. Auch sie findet zunächst keinen Grund für den tierischen Massenexodus - doch ihr Institut in Deutschland schon. Das Ergebnis gefällt jedoch keinem: Radioaktivität.

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Und als wäre das nicht schon genug, wird Nanoqs Ort von einer Flutwelle zerstört, als ein Gletscher vor der Küste in Rekordzeit ein nie dagewesenes Stück kalbt, gefolgt von Wellen der Hilfsbereitschaft aus aller Welt. Ganz vorn mischt ein isländischer Konzern mit. Aber auch Chinesen und Russen sind aktiv. Der BND ist alarmiert. Zu viele Staaten, zu viele Interessen, zu wenige Informationen, zu viele offene Fragen: Woher stammt die radioaktive Strahlung? Eine verlorene Atombombe der USA? Ein untergegangenes Atom-U-Boot der Russen? Die BND-Agenten Nelson Carius und Diana Winkels sollen der Sache auf den Grund gehen, am besten zusammen mit der deutschen Polarforscherin Hanna und Nanoq. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, während die Zeit für Grönland, die Arktis und die Menschheit abzulaufen scheint.

Die ganz große Weltpolitik

Ein erschreckendes Szenario. Erschreckend real. Bestsellerautor Harlander hat mit "Schmelzpunkt" wieder einen Klima-Polit-Thriller gezaubert, den der Hörer erst nach der letzten Sekunde der 14 Stunden Spieldauer ausschalten kann. Völlig außer Atem ob des Thrills und der Twists, die der Plot aufweist. Harlander greift dabei wie bei seinen früheren Werken auf mehrere Erzählstränge zurück. Das sorgt für Abwechslung und gibt der Geschichte Fahrt. Als Zuhörer fiebert man mit Nanoq und Hanna mit, findet aber auch die beiden Agenten Nelson und Diana sympathisch. Nelson, der ganz nebenbei noch an seiner eigenen Hintergrundstory bastelt. Achtung, Spoileralarm: "Schmelzpunkt" ist dabei noch nicht das Ende.

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Diesen Helden stehen auch mehrere Gegenspieler gegenüber, deren Boshaftigkeit und Kaltschnäuzigkeit ihresgleichen suchen. Dabei greift Harlander wie immer aktuelle Themen wie MeToo oder Finanzmoral auf und lässt sie mühelos in den Plot einfließen. Sie erscheinen dadurch nicht als störend oder aufgesetzt. Auch das ist eine bekannte Stärke des Autors.

Dass "Schmelzpunkt", wie auch "42 Grad" und "Systemfehler", als Hörbuchvariante von Uve Teschner gelesen wird, verleiht ihnen zusätzlich Gewicht. Teschner ist eine der großen Hörbuchstimmen hierzulande. Er kann Fantasy genauso wie Thriller oder Politik und war bisher bekannt für die Hörbuchfassungen der Frederick-Forsyth-Agententhriller. Forsyth ("Der Schakal", "Die Akte Odessa") ist einer der ganz großen Namen, wenn es um Ränkespiele rund um die große Weltpolitik geht, verpackt in kleine, schmackhafte Häppchen. Das ist auch Harlander mit "Schmelzpunkt" gelungen, der dem Agententhriller mit dem Themaklimawandel noch eins obendrauf setzt. Man darf schon auf das nächste Werk gespannt sein.

Quelle: ntv.de

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