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Thriller zu Wasserknappheit "42 Grad" - und Deutschland trocknet aus

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Total ausgetrockneter Boden: Das ist kein Bild aus Afrika, sondern aus Frankfurt am Main - aus dem Juli 2019.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland: Es hat seit Monaten nicht geregnet. Der nächste Dürresommer also. Nur diesmal kollabiert die Wasserversorgung. Trinkwasser wird wertvoller als Gold. Ein innerdeutscher Flüchtlingsstrom setzt ein. Ist der Klimawandel schuld? Oder Terroristen? Ein Thriller klärt auf, erschreckend real.

Deutschland hat bereits zwei Dürresommer hinter sich. Ein dritter könnte nun bevorstehen. Extremhitze wird zur Regel in Zentraleuropa. Die Folgen leider auch: Badeseen mit hoher Keimbelastung, Flüsse mit Niedrigwasser werden zum Problem für die Binnenschifffahrt und die Energieversorgung, ausgetrocknete Böden lassen die landwirtschaftlichen Erträge zum Teil rapide sinken und die Preise für Obst, Gemüse und Fleisch steigen, unkontrollierbare Waldbrände. Das Allheilmittel gegen all diese Probleme? Wasser. Und davon hat die Menschheit doch genug, oder nicht?

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42 Grad
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Zwei Drittel der Erdoberfläche nehmen Meer und Seen ein. Aber Wasser ist nicht gleich Wasser und daher auch nicht selbstverständlich: Der größte Teil des Wassers auf der Erde ist Salzwasser, vom menschlichen Körper nicht verwendbar. Der braucht Süßwasser zum Überleben. Doch nur 2,5 Prozent des Gesamtwasservolumens auf unserem Planeten ist Süßwasser. Aber es kommt noch schlimmer: Gut drei Viertel des theoretischen Süßwasservorrats sind gebunden im Ewigen Eis, Gletschern oder Schnee. Ein weiteres knappes Viertel steckt für den Menschen bislang unerreichbar in tiefen Gesteinsschichten. Lediglich 0,3 Prozent des Süßwasservorkommens bleiben dem Menschen. 0,3 Prozent.

Diese Fakten reichen aus, um vielen Menschen Angst einzujagen. Klar, in Deutschland ist es um die Wasserversorgung trotz aller klimatischen Veränderungen noch gut bestellt. Ausgetrocknete Seen oder Brunnen gibt es nicht. Noch nicht. Aber Wolf Harlander greift genau dieses Thema Wasserknappheit in seinem brandaktuellen, hochbrisanten Thriller "42 Grad" auf - um wachzurütteln und zu unterhalten gleichermaßen.

Durst nach Fakten wird gestillt

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Wolf Harlander ist Journalist. Der Franke arbeitet für Tageszeitungen, Radio und TV. "42 Grad" ist sein Debütroman - und ein Bestseller.

(Foto: Argon)

Es ist Sommer, seit mehreren Monaten ist kein Tropfen Niederschlag auf deutschen Boden gefallen. Der hat zudem bereits mehrere Dürresommer hinter sich. Das bislang Undenkbare tritt ein: Brunnen versiegen, Flüsse trocknen aus. Und zu allem Überfluss geschieht das Gleiche auch in anderen Ländern Europas. Die schwedische Datenanalystin Elsa erkennt die Zusammenhänge zuerst und will die Öffentlichkeit wachrütteln. Sie soll ihre Erkenntnisse aber erst mit weiteren Daten unterfüttern und braucht dafür mehr Rechenleistung. Die erhofft sie sich zunächst am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Doch dort wird sie zunächst nach Leipzig und dann an die EU verwiesen.

Die Zeit drängt, denn parallel dazu melden mehrere Wasserwerke in Deutschland Probleme mit der Trinkwasserqualität. Hängen sie mit der Extremhitze zusammen? Ein Schweizer Wasserexperte wird engagiert, soll prüfen und schnell helfen. Doch in Dresden wird auf ihn ein Mordanschlag verübt. Nur Zufall? Oder ist er auf etwas gestoßen, das eigentlich im Verborgenen bleiben sollte?

Auf ihrem Weg nach Brüssel, zu Hochleistungsrechnern und weiteren Daten, trifft Elsa in Leipzig am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung den Hydrologie-Studenten Julius. Der ist gerade aus dem Tauchurlaub am Gardasee zurück und wurde auf seiner Rückfahrt Zeuge einer plötzlichen Erdabsenkung auf der Autobahn - seiner Meinung nach wegen eines drastisch sinkenden Grundwasserspiegels. Er hört Elsa zu, liest ihre Datenzusammenfassung, pfeift durch die Zähne. Starker Tobak.

Aber für Julius ist das auch nichts Neues. Er ruft mehrere erschreckende Vorher-nachher-Fotos von Seen weltweit auf den Computer: der Aralsee, einst das viertgrößte Binnengewässer der Welt; der Lago de Chapala, Mexikos größter See, der heute nur noch etwa ein Viertel seiner früheren Größe hat; der Urmia-See im Iran, der kurz vor dem Austrocknen steht; der Tschad-See in Zentralafrika, der die Versorgung von 30 Millionen Menschen mit Wasser sichert und von dessen ursprünglicher Fläche bereits etwa 95 Prozent einfach weg sind; der Poyangsee, Chinas größter Süßwassersee, dessen Fläche kontinuierlich sinkt; der Poopó-See in Bolivien, einst zweitgrößter See des Landes, Ende 2015 von der Regierung für tot erklärt. Die Folge: millionenfaches Tiersterben und flüchtende Menschen, denn: Wer nicht verdursten und sterben will, muss abhauen.

Wir schaffen das!

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Uve Teschner liest "42 Grad". Er gehört mit seiner markanten Stimme seit Jahren zu den besten und gefragtesteten Hörbuchsprechern im Land.

(Foto: Argon)

Genau das tut Kerstin mit ihren beiden kleinen Kindern Paul und Emma. In Brandenburg wollte sie eigentlich einen eigenen Bauernhof bewirtschaften, Ackerbau betreiben, mit eigener, unabhängiger Wasserversorgung via Brunnen. Doch von heute auf morgen ist dieser versiegt, die Felder verdorrt, ihre Existenz und das Leben der Kinder bedroht. Um Kerstins kleinen Hof herum in ganz Brandenburg keine Seltenheit. Und so macht sie sich auf den Weg Richtung Süden, wo es noch genug Wasser geben soll.

Immer mehr Deutsche zieht es zu den Seen. Es kommt zu Verteilungskämpfen, Kriminalität, Hass und Mord. Wegen Trinkwasser. In Deutschland. Da ist die Tatsache, dass die Probleme in mehreren Wasserwerken wohl auf Terrorismus zurückzuführen sind, fast schon eine Randnotiz in der Gesamtgemengelage. Der Wasserexperte Noah kommt zu diesem Schluss, als er auf Julius und Elsa trifft. Das BKA ist alarmiert, der Verfassungsschutz auch. Und die europäische Gemeinschaft? Hört wieder einmal auf zu existieren. Jedes Land kämpft für sich - und mit geschlossenen Grenzen.

"42 Grad": ein Appell für den Klimaschutz

Wolf Harlanders "42 Grad" ist ein aufrüttelnder, hochspannender und erschreckend aktueller Appell an den Klimaschutz. Die Erlebnisse seiner Hauptcharaktere, aufgeteilt auf mehrere Erzählstränge, ziehen den Leser in das ansonsten eher trocken erscheinende Thema Wasser und Wasserversorgung hinein. Der Zuhörer lernt dabei und dazu - über Großkonzerne wie BASF, Veolia und Nestle; über den Wirkungsgrad von Wasserwerken; über die Bleiloch-Talsperre, die größte ihrer Art in Deutschland.

Und so verwundert es nicht, dass die Spieldauer von 13,5 Stunden wie im Flug vergeht und man wie ein Verdurstender auf einen Tropfen Wasser nach dem nächsten Kapitel und der Fortsetzung der Geschichte lechzt. Erschreckend ist dabei nicht nur, wie einfach offenbar deutsche Wasserwerke von Hackern manipuliert werden könnten. Für Gänsehaut sorgt auch, wie schnell der Mitmensch von nebenan zur Furie ohne Moral wird, wenn es um das nackte Überleben geht. Es bleibt zu hoffen, dass "42 Grad" nie Wirklichkeit wird!

Quelle: ntv.de