Ratgeber
Zeit ist Geld.
Zeit ist Geld.(Foto: dpa)
Donnerstag, 19. Juli 2018

Echtzeitüberweisung im Check: Dafür soll ich extra zahlen?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Immer mehr Banken werben damit, Überweisungen binnen Sekunden zu vollziehen. Grundsätzlich ein erfreulicher Trend. Die konkrete Ausgestaltung lässt aber vielfach zu wünschen übrig.

Seit dem 10. Juli trommeln die Sparkassen, dass sie Überweisungen innerhalb von 20 Sekunden ausführen können. Die vermeintliche Revolution erweist sich bei genauerem Hinsehen allerdings als Nachahmer-Aktion. Die HypoVereinsbank bietet diesen Service bereits seit Ende 2017 an. Zudem ein Wermutstropfen: Die Echtzeitüberweisung klappt nur, wenn auch die Empfängerbank diesen Service bietet. Damit ist ein Instant Payment zum Beispiel von Sparkasse zu Volksbank noch ausgeschlossen.

Wer von den Angeboten profitiert

Dennoch ist es zu begrüßen, dass immer mehr Banken beginnen, neue technische Möglichkeiten umzusetzen - auch wenn das Motiv dafür nicht die reine Kundenfreundlichkeit ist, sondern die Zinspolitik der EZB. Während Banken lange Zeit Gewinne erwirtschafteten, indem sie Geld an ein anderes Institut verschoben, wo es aber erst einen Tag später ankam, erweist sich dieses Geschäftsmodell inzwischen als überholt: Statt für das zwischengeparkte Guthaben Zinsen einzustreichen, müssen die Geldhäuser inzwischen Strafzinsen entrichten. Was also liegt näher, als (mit großem Marketingetöse) einen Schnell-Service einzuführen?

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Bleibt die Frage, wer von der Neuerung am meisten profitiert. Fakt ist zunächst, dass ein Kunde, der sein Konto überziehen müsste, um eine Rechnung zu bezahlen, bei einem Rechnungsbetrag von 10.000 Euro durch den einen ersparten Tag auch 2,60 Euro gutmacht – bei einem von Dispo 9,5 Prozent. Das ist erfreulich. Kunden gewinnen also durch Echtzeitüberweisungen Zeit, um eine Rechnung zu begleichen und können deshalb einen Tag länger mit ihrer Barschaft arbeiten. Fakt ist aber auch: Einen echten Mehrwert bietet Instant Payment erst, wenn es flächendeckend einsetzbar und vor allem kostenlos ist. Und davon ist man bei deutschen Banken noch weit entfernt. Das belegen aktuelle Recherchen der FMH-Finanzberatung - eine Liste von 100 Konten finden Sie hier:

Die Frankfurter Experten untersuchten 325 Konten, die Instant Payment anboten. Das Ergebnis: Immerhin 78 Anbieter offerieren Echtzeit-Überweisungen tatsächlich zum Nulltarif. Bei allen anderen fallen mehr oder minder hohe Gebühren an: Im Durchschnitt müssen Kunden 40 Cent pro Überweisung berappen. Bei 21 Kontomodellen wird pro Schnell-Überweisung ein Euro fällig.

Noch viel zu tun in Sachen Echtzeit-Überweisung

Entsprechend verhalten fällt auch das Urteil der Frankfurter Finanzexperten aus. Zwar ist es grundsätzlich erfreulich, wenn man etwa direkt während eines Telefonats mit Geschäftspartnern oder Freunden Überweisungen in Echtzeit durchführen kann. Ein solches Tempo entspricht dem Zeitgeist: Schließlich erwartet man auch von Online-Versandhändlern, dass die Bestellung vom Vormittag möglichst schon abends vor der Haustür liegt. Wirklich kundenfreundlich ist Instant Payment in Deutschland aber noch nicht. Dafür sind die Kosten vielfach noch zu hoch. Außerdem beteiligen sich noch viel zu wenige Institute an dieser Form des Speed-Bankings.

Es bleibt bis auf Weiteres also (fast) noch Glückssache, Geld wirklich in Echtzeit von A nach B transferieren zu können. In jedem Fall sollten sich Kunden das Preis-Leistungs-Verzeichnis der Bank anzusehen und vergleichen, was eine normale Online-Überweisung kostet und welche Gebühren sie für ein Instant-Payment entrichten müssen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de