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Flugausfälle und Verspätungen So gibt es Entschädigung

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Nach Ende des Reisejahres sind noch drei Jahre Zeit, um eine Entschädigungen einzufordern.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Passagiere, deren Flieger ausfallen oder arg verspätet sind, haben einen Anspruch auf Entschädigungszahlungen. Doch die Fluggesellschaften drücken sich gerne vor den Zahlungen. Finanztest zeigt, wie man dennoch an sein Geld kommt.

Wenn es wegen tarifrechtlich unerlaubter Arbeitsniederlegungen zu Flugausfällen oder Verspätungen kommt, sind Airlines nicht automatisch von ihrer Entschädigungspflicht befreit, urteilte jüngst der Europäischen Gerichtshof. Und grundsätzlich gilt sowieso, wenn die  Airline für Verspätungen, Umbuchungen und Flugausfälle verantwortlich ist, ist für Passagiere eine Entschädigung fällig. Vor der sich die Fluggesellschaften aber gerne drücken. 

"Finanztest" zeigt in seiner aktuellen Ausgabe Möglichkeiten, wie Kunden dennoch zu ihrem Recht kommen, und erklärt die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten.

Wie Kunden zu Ihrem Recht kommen:

1. Schlichtungsstelle nutzen

Wenn eine Airline innerhalb von 2 Monaten nicht auf die Beschwerde eines Passagiers reagiert, kann die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (Söp) zwischen der Airline und dem Passagier vermitteln. Laut Finanztest hat die Söp 2018 fast in jedem zweiten Fall helfen können. Die Airlines haben in 44,8 Prozent der Fälle die Ansprüche sofort zu 100 Prozent anerkannt. Die Söp hilft auch bei Ansprüchen wegen Gepäckschäden und bei Erstattungen von Hotelkosten, die durch Annullierungen entstanden sind. Die Schlichtung ist für den Verbraucher immer kostenlos.

Nachteil: Die Schlichtung kann mehrere Monate dauern, in mehreren Fällen habe es 2018 über drei Monate gedauert.

2. Eigenen Rechtsanwalt einschalten

Mit der Hilfe eines Anwalts kann es zu einer schnellen Auszahlung der Entschädigung kommen. Fluggäste finden Experten über die Anwaltsdatenbank der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht.

Nachteil: Wer sich selbst einen Anwalt sucht, muss immer die Kosten am Ende eines Verfahrens beachten. Wer den Rechtsstreit verliert, muss die Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien zahlen.

3. Fluggast-Portal beauftragen

Nachdem der Kunde auf dem Portal seine Daten zum Flug und Person eingegeben hat, übernimmt dieses die restliche Arbeit.

Nachteil: Viele dieser Flugrecht-Portale nehmen nur die Fälle an, die eine hohe Gewinnchance haben. Bei einem Sieg vor Gericht müssen die Entschädigungen von den Portalen oft eingeklagt werden. Das kostet viel Zeit und oft eine hohe Erfolgsprovision.

4. Sofortentschädiger in Anspruch nehmen

Wenn sich der Fall lohnt, schließt der Kunde mit dem Sofortentschädiger einen Vertrag ab. Der Kunde bekommt sein Geld schnell und bequem wieder. Auch wenn die Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet, bleibt der Passagier nicht auf den Forderungen sitzen.

Nachteil: Die Prüfungen sind noch strenger als bei den Portalen. Die Abzüge bei den Entschädigungsauszahlungen betragen oft mehr als 40 Prozent.

Gründe für eine Entschädigung

Es gibt viele Gründe dafür, dass ein Flieger ausfällt oder verspätet losfliegt. Wichtig dabei ist immer, dass der Startflughafen oder der Hauptsitz der Fluggesellschaft in der EU liegen. Nur so können Ansprüche dank der EU-Fluggastrechteverordnung geltend gemacht werden. Nach Ende des Reisejahres sind noch drei Jahre Zeit, um eine Entschädigungen einzufordern.

Der Flieger ist verpätet

Wenn das Flugzeug seinen Zielflughafen drei Stunden oder später erreicht, kann der Passagier entschädigt werden. Das gilt auch bei Verspätung durch verpasste Anschlussflüge. Je nach Entfernung fallen ab einer dreistündigen Verspätung für kürzere Strecken 250 Euro an, bei Strecken zwischen 1500 und 3500 Kilometern 400 Euro und bei Flügen über 3500 Kilometer 600 Euro. Außerdem muss sich die Airline bei Verspätungen um die Verpflegung kümmern, die Möglichkeit zum Telefonieren oder Versenden von E-Mails anbieten und notfalls auch eine Übernachtung bezahlen.

Der Flug fällt aus

Wenn eine Fluggesellschaft seine Passagiere weniger als 14 Tage vor Abflug über die Annullierung des Fluges informiert und keinen Ersatzflug zu einer ähnlichen Zeit anbietet, kann der Passagier entschädigt werden.

Der Flug ist überbucht

Airlines verkaufen oft mehr Plätze in einem Flieger, als es tatsächlich gibt. Viele Passagiere erscheinen nicht, weil sie zu spät dran sind oder den Flug spontan umgebucht haben. Fluggäste werden dann entschädigt, wenn eine Airline ihren Flug überbucht hat, und es nicht genug Freiwillige gibt, die gegen Geld oder Gutscheine einen anderen Flug nehmen wollen.

Quelle: n-tv.de, awi