Ratgeber

Geldanlage und Finanzamt So zahlen Anleger weniger Geld an den Fiskus

imago65395245h.jpg

Bei erzielten Gewinnen ist das Finanzamt meist nicht weit.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Für Aktienanleger ist das Jahr bisher nicht gut gelaufen. Der Dax notiert seit Anfang Januar bei rund 19 Prozent im Minus. Aber es gibt zumindest verschiedene Möglichkeiten, die Steuerschuld beim Finanzamt zu senken.

Anfang 2009 wurde die Möglichkeit abgeschafft, realisierte Kursgewinne bei Wertpapiergeschäften nach einer Haltedauer von zwölf Monaten steuerfrei einzustreichen. Seitdem gilt die sogenannte Abgeltungssteuer. Von realisierten Kursgewinnen gehen 25 Prozent an den Fiskus. Darauf werden noch einmal 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag aufgeschlagen, macht zusammen 26,375 Prozent, die das Finanzamt für sich reklamiert. Dazu kommt noch etwaige Kirchensteuer. Die Steuerzahlung erfolgt automatisch durch die Depot-Bank. So viel zu den "schlechten" Nachrichten.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

(Foto: Michael Bormann)

Doch es werden nicht alle Gewinne aus Wertpapiergeschäften besteuert. Daher sollten Anleger die folgenden Punkte beachten:

1. Sparerpauschbetrag

Kapitalerträge sind bis zu einem Betrag von 801 Euro pro Person und Jahr von der Steuer befreit. Bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebensgemeinschaften erhöht sich der Betrag auf das Doppelte, also auf 1602 Euro. Wenn Anleger bei ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilen, berücksichtigt diese automatisch den Sparerpauschbetrag. Falls das nicht passiert, kann dieser auch noch in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Der Sparerpauschbetrag deckt auch die Kosten zum Beispiel für Depotgebühren oder die Reise für die Fahrt zu einer Hauptversammlung. Diese können nicht mehr wie früher als Werbekosten angesetzt werden.

2. Verlustverrechnung

Anleger, die Aktien mit einem Minus verkaufen, können diese Verluste mit realisierten Kursgewinnen verrechnen. Befindet sich das Wertpapierdepot bei einer Bank in Deutschland, nimmt diese die Verlustverrechnung automatisch vor. Falls keine Kursgewinne vorliegen, können die Verluste in die Zukunft vorgetragen und dann zu einem späteren Zeitpunkt mit etwaigen Gewinnen verrechnet werden.

Achtung: Verluste aus Verkäufen von Aktien können nur mit Gewinnen ebenfalls aus Aktiengeschäften verrechnet werden. Eine Saldierung mit anderen Einkünften wie Lohn oder Rente ist nicht möglich. Auch eine Verrechnung mit anderen Kapitaleinkünften, also beispielsweise mit Zinsen, Dividenden oder Geschäften mit Investmentfonds, lässt das Finanzamt nicht zu. Bei diesen Einkünften und Geschäften findet eine gesonderte Verlustverrechnung statt. Gegen das Verrechnungsverbot liegt ein Verfahren beim Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 2 BvL 3/21) vor.

Hält ein Anleger Depots bei mehreren Banken, muss die Verlustverrechnung per Steuererklärung gemacht werden, da eine "bankenübergreifende" Verrechnung nicht stattfindet.

Übertragung von Vermögen

Bei Erwachsenen gibt es einen Grundfreibetrag in Höhe von 9984 Euro im Jahr. Erst ab dieser Summe werden Steuern ans Finanzamt fällig. Zusammen mit dem Steuerpauschbetrag und der Sonderausgabenpauschale erhöht sich der Betrag auf 10821 Euro per annum. Steuerzahler, die ausschließlich Einkünfte aus Kapitalvermögen beziehen, müssen erst dann an den Fiskus zahlen, wenn der Betrag von 10821 Euro überschritten wird. Bei Ehegatten oder eingetragenen Lebensgemeinschaften gilt wie immer das Doppelte.

Auch für minderjährige Kinder gilt der Grundfreibetrag. Eltern können also in Erwägung ziehen, ihren Kindern einen Teil ihres Vermögens/Depots zu übertragen und so weitere Steuern zu sparen. Eine Schenkung von Eltern an ihre Kinder ist alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro von der Besteuerung befreit. Sie sollten allerdings beachten, dass der Depotübertrag endgültig ist.

3. Gold und Bitcoin

Sowohl das Edelmetall als auch die größte Kryptowährung unterliegen nicht der Abgeltungssteuer. Das bedeutet, dass hier realisierte Gewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr vom Fiskus unberührt bleiben. Werden Gold oder Bitcoin vor Ablauf dieser Freist mit Gewinn veräußert, gilt der individuelle Satz für die Einkommenstreuer. Dasselbe gilt übrigens für das beliebte Xetra-Gold. Dabei handelt es sich um eine mit physischem Gold unterlegte Anleihe, die börsennotiert ist.

Mehr zum Thema

Wie die steuerliche Rechtslage bei Exchanged-traded Products (ETPs) ist, die mit Kryptowährungen unterlegt sind, ist bislang ungeklärt. Zumindest unter diesem Gesichtspunkt sind Direktinvestitionen vorzuziehen.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner www.bdp-team.de. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind neben Steuern die Bereiche Finanzierungsberatung sowie das Sanierungs- und Krisenmanagement bei mittelständischen Firmen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen